Nur Hälfte vollimmunisiert: „Corona noch nicht vorbei“. Behörde appelliert, impfen zu gehen. Lediglich die Hälfte im Bezirk Zwettl ist vollimmunisiert. Impfzentrum schließt am 14. August.

Von Markus Füxl. Erstellt am 04. August 2021 (04:10)

„Was die Impfmoral betrifft, sind wir im Bezirk Zwettl niederösterreichweit leider nicht vorne mit dabei“, seufzt Bezirkshauptmann-Stellvertreter Matthias Krall. Seit kurzem ist der Impffortschritt – heruntergebrochen auf Gemeindeebene – auf impfung.at/dashboard abrufbar, siehe Grafik links.

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BH Zwettl; Illustration: Moonhonor & santima.studio/Shutterstock.com; NÖN-Grak: Hammer

Was dabei auffällt: Nur vier Bezirke weisen in Niederösterreich eine niedrigere Vollimmunisierung auf, als der Bezirk Zwettl: Dort erhielten lediglich 50,4 Prozent aller Bürger über 12 Jahre ihren vollständigen Impfschutz, Stand Montagabend. Die Gemeinden mit den meisten Impfmuffeln sind dabei Arbesbach (36,1 Prozent vollimmunisiert), Schönbach (38,2) und Altmelon (38,5).

Die Gemeinden mit den prozentuell meisten Geimpften sind Allentsteig (58,8), Schwarzenau (58,3) und Göpfritz (56,3). In der Bezirksstadt Zwettl sind 55,7 Prozent der Menschen vollimmunisiert. Für Bürgermeister Franz Mold zu wenig: „Viele Menschen haben noch immer eine ablehnende Einstellung. Die Begründungen – allen voran ‚Ich komme eh gut durch, wenn ich mich regelmäßig teste‘ – sind für mich nicht nachvollziehbar.“

Auch infizierte Festival-Rückkehrer. In dieselbe Kerbe schlägt Bezirkshauptmann-Stellvertreter Krall, der auf den Impfaufruf seitens der Landesregierung verweist: „In manchen Gemeinden kann bei der Impfung durchaus noch zugelegt werden. Corona ist noch nicht vorbei, auch wenn das bei manchen nicht die Wahrnehmung ist.“

So seien auch mehrere Coronafälle im Bezirk auf Rückkehrer des Festivals „Austria goes Zrce“ in Kroatien zurückzuführen. „Es kann sehr schnell gehen, auch wenn man sich dort ein Sicherheitssystem überlegt hat“, sagt Krall.

Aktuell gibt es im Bezirk Zwettl allerdings nur fünf aktive Fälle: „Wir dürfen nicht jammern. Wir halten uns vergleichsweise gut, sollten uns aber nicht in falscher Sicherheit wiegen“, sagt Krall.

PCR-Straße vier Stunden am Tag geöffnet. Wie es im Herbst weitergehe? „Wenn diejenigen noch nachziehen, die einen Impfrückstand haben, können wir dem Herbst durchaus gut vorbereitet entgegenblicken.“ Während die Zeiten der Teststraßen in den Gemeinden vorläufig gleich bleiben, wurde die PCR-Teststraße beim Zwettler Gymnasium bereits vor einiger Zeit zurückgefahren: Sie hat aktuell nur mehr an vier Stunden am Tag offen: „Tendenziell reicht das. Wenn es Großveranstaltungen oder infizierte Reiserückkehrer gibt, sind wir aber mit einem Schlag wieder ausgelastet“, erklärt Krall. Nach der Dauerbelastung im Vorjahr gelte es jetzt vor allem, die Gratwanderung zwischen Personal, Überstunden und Kosten im Blick zu behalten.

Impfzentrum schließt am 14. August. Bisher wurden seit 1. Juni 12.826 Impfdosen im Impfzentrum Groß Gerungs verabreicht. Zum letzten Mal werden dort die Spritzen am 13. August aufgezogen. Dann wird die Impfstraße geschlossen, und die niedergelassenen Ärzte im Bezirk übernehmen die Impfungen. Zwei Tage lang haben Impfkoordinator Daniel Hörndl und seine Kollegen Zeit, Material und Impfstoff zu verstauen, am 16. August wird alles abgeholt.

Auf den letzten Metern wurde noch ein zusätzlicher Turbo gezündet: Für 29. Juli und 5. August wurden zusätzliche 720 Termine freigeschaltet. Trotzdem gab es immer wieder Ausfälle: „Wir hatten bis zu 50 Menschen pro Tag, die trotz Termin nicht gekommen sind“, erklärt Hörndl. Darunter waren viele, die auf ihre Zweitimpfung verzichtet haben. „Auch wenn man genesen ist, schützen beide Teilimpfungen einfach besser gegen Varianten wie die Delta“, erklärt Hörndl. Das sagt auch Matthias Krall: „Das empfiehlt auch das Gesundheitsministerium“, appelliert er, beide Teilimpfungen durchführen zu lassen. Zur Arbeit auf der Bezirkshauptmannschaft sagt er: „Wir werden alles machen, um den größtmöglichen Schutz für die Bevölkerung zu bieten.“