Olympische Spiele: Medaillenerfolge versprechen Gutes. Nach den bisher für Österreich sehr erfreulichen Spielen in Tokio hoffen auch die Waldviertler Sportvereine auf einen Aufschwung.

Von Sebastian Dangl und Anna Hohenbichler. Erstellt am 04. August 2021 (13:49)
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Der Union Karateclub Raika Waidhofen trainiert bereits wieder regelmäßig.
Sebastian Dangl

Der österreichische Sport hat wieder Grund zum Jubeln. Nach der Nullnummer von Rio 2016 gingen bei den bisherigen Olympischen Spielen schon mehrere Medaillen nach Österreich. Die NÖN hat nachgefragt, ob die heimischen Sportvereine vom Rampenlicht auf Sportarten wie Radfahren oder Judo profitieren können.

Gute Leistung, gepaart mit der richtigen Taktik. Als größte österreichische Sensation der Olympischen Spiele in Tokio gilt bisher der Sieg von Anne Kiesenhofer im Rad-Straßenrennen. „Sie hat eine wirklich gute Leistung gezeigt, gepaart mit der richtigen Taktik. Ein bisschen Glück gehörte aber auch dazu“, meint Michael Bernhard, der Obmann des Zwettler Radsportvereins „Kosmopiloten“. Einen positiven Effekt auf den heimischen Radsport hält er für möglich.

Radsport ist schon lange beliebt. „Ich hoffe zumindest, dass das Interesse am Radfahren jetzt weiter steigt. Vielleicht sorgt Anna Kiesenhofer aber auch für einen Anstieg an Mathematikstudenten“, witzelt Bernhard. Wirklich viele neue Mitglieder kamen in Pandemiezeiten nicht zum Verein, doch generelles Interesse am Radsport sei schon seit einigen Jahren sowieso recht hoch, auch bei der Jugend. Aktuell haben die „Kosmopiloten“ um die 225 Mitglieder.

Radfahren, ein Sport wie jeder andere auch. Eine eigene Kindergruppe gibt es auch. „Manche treffen sich dazu auch einfach so zum Radfahren, wie man eben auch nach der Schule auf den Fußballplatz geht“, berichtet Bernhard. Bei der wöchentlichen Ausfahrt würden an guten Tagen bis zu 20 Kinder mitmachen. „Die Radbegeisterung ist auf jeden Fall vorhanden, und das, obwohl der Sport nicht gerade günstig ist“, betont Bernhard. Gerade bei der Anschaffung von Kinderrennrädern seien Eltern oft zögerlich. Für Kinder im Wachstum wird das Rad schließlich schnell zu klein.

Genau deshalb will der Verein jetzt auch zwei oder drei gebrauchte Rennräder für Kinder ankaufen. „Wir planen, rund 1500 Euro dafür auszugeben. Die Räder können dann wochen- oder tageweise ausgeborgt werden“, erzählt Bernhard. Definitiv keine schlechte Idee, um die Einstiegshürde für junge Radprofis zu erleichtern.

Einzige Radbahn Österreichs wird abgerissen. Während der Olympiaerfolg für gute Stimmung im österreichischen Radsport sorgt, gibt es doch auch Unstimmigkeiten, die laut Bernhard im Vergleich dazu kaum Erwähnung finden. So wird gerade jetzt die einzige Radbahn in Österreich abgerissen. Diese befindet sich im Wiener Ferry-Dusika-Stadion. „Mich besorgt das ein bisschen. Die Bahn ist natürlich nicht mehr die modernste, und das Bahnfahren ist in Österreich noch exotischer als das Straßenfahren. Dennoch wird da jetzt ein Teil des Radsportes in Österreich gestrichen“, erzählt Bernhard. Vor rund zehn Jahren trainierten auch noch die „Kosmopiloten“ auf jener Bahn. Vor allem im Winter sei das eine gute Alternative gewesen sein. „So bleibt halt wirklich nur mehr die Straße und das Gelände.“

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Beim Union Judoclub VHS Horn-Gars ist die Freude über die Olympiamedaillen groß.
Union Judoclub VHS Horn-Gars

Erster Wettkampf im September. Für die „Kosmopiloten“ geht es jetzt nach Lockdowns und Coronapausen mit viel Schwung weiter. Auch Rennen sind geplant. So wird am 11. September ein Zeitfahren von Bärnkopf nach Zwettl-Moidrams veranstaltet. Im Minutentakt werden die Teilnehmer in Zweierteams losgeschickt. „Es ist eine schöne und flotte Strecke, auf der es relativ viel bergab geht“, berichtet Bernhard.

Judokas feiern gleich zwei Medaillen. Grund zum Feiern hat auch der österreichische Judo-Sport. Die Bronzemedaille von Shamil Borchashvili und die Silberne von Michaela Polleres freut Bernhard Eichwalder vom Union Judoclub VHS Horn-Gars ganz besonders. „Es war eine beeindruckende Leistung der beiden. Wir hoffen jetzt natürlich, dass diese Medaillen einen Aufschwung für das österreichische Judo bringen“, erklärt er.

Bringen die Medaillen wirklich einen Aufschwung? Eichwalder ist überzeugt, dass die jüngsten Olympia-Erfolge einen Einfluss auf die Jugend haben werden. „Wir werden dann im September sehen, ob das Interesse der Kinder am Judo steigen wird.“ Es bleibt also zu hoffen, dass die Erfolge wieder einen Positivtrend einläuten. Gerade für die Rekrutierung des Nachwuchses wurde Corona zum besonderen Spielverderber. „Als Kontaktsportart ist Judo nicht gerade die pandemiefreundlichste Sportart“, schildert Eichwalder.

Training wieder relativ uneingeschränkt. Seit Mai ist das Training wieder relativ uneingeschränkt möglich. Konzepte zur Risikominimierung gibt es trotzdem. Zuvor gab es auch vereinzelt Trainings, aber nur im Freien und ohne Kontakt. Mit dem aktuellen Status quo hat man es als Kampfsportler dann doch leichter. „Hoffentlich können wir jetzt so lange es geht weitermachen“, sagt Eichwalder.

Hoffen auf die nächste Sensation. Auch im Karate ist mit Bettina Plank eine Österreicherin bei Olympia vertreten. Im Gegensatz zum Judo finden die Karate-Bewerbe aber erst statt. Rainer Liebscher, der Obmann des Union Karateclubs Raika Waidhofen wird ihr bei der Medaillenjagd kräftig die Daumen drücken. „Sie hat schon mehrmals an der Weltspitze mitgekämpft und wurde auch Europameisterin. Ich glaube, sie hat gute Chancen“, erklärt er. Am Ende hänge aber auch viel vom Glück und der jeweiligen Tagesverfassung ab.

Viele Mitglieder gingen verloren. Eine Medaille für eine österreichische Karate-Kämpferin wäre ein weiterer Hit. Doch schon die Judo-Medaillen würden dem gesamten Kampfsport laut Liebscher Aufwind bringen. In den doch so schwierigen Coronazeiten sei das sehr willkommen. „Wir konnten lange nicht trainieren. Etwa die Hälfte unserer Mitglieder ist uns in Coronazeiten verloren gegangen“, offenbart Liebscher. Manche würden aus Angst vor Ansteckungen fernbleiben, andere aufgrund der 3Gs. „Das muss man dann halt akzeptieren“, sagt Liebscher. Ehemalige Mitglieder hätten sich in der Zeit ohne Training auch andere Sportarten gesucht. Dass im Herbst zumindest ein Teil wiederkommt, hofft der Obmann aber doch.

Tischtennis erhielt wieder Aufmerksamkeit. Beim Tischtennis blieben die großen Erfolge zwar aus, doch UTTC-Waidhofen-Obmann Mathias Neuwirth glaubt, dass die Motivation zum Sport trotzdem dadurch steigen kann. „Tischtennis ist jetzt einfach wieder präsenter durch die Fernsehübertragungen“, meint er. „Die Erfolge unseres Teams waren zwar nicht riesengroß, aber die Leistung war wirklich gut. In den Bewerben mit Medaillenchancen hatte man auch Pech mit der Auslosung.“ Das Damen-Team schied in der ersten Runde gegen Topfavorit China aus. Das Mixed-Team verlor gegen das spätere Siegerteam Japan.

Vorbilder kommen auch aus eigenem Verein. Auch Nachwuchsleiter Franz Mürwald vom LT Gmünd verfolgt manche Olympia-Bewerbe über das Fernsehen mit. Dass sie zu einem gesteigerten Interesse an der Leichtathletik beitragen, glaubt er aber nicht. „Vielmehr ist das im Nachwuchsbereich von den Eltern abhängig“, sagt Mürwald: „Wenn sie sich dafür interessieren und die Kinder zum Training bringen, ist der Nachwuchs da. Wenn sich die Eltern nicht dafür interessieren, bleiben die Kinder auf der Strecke. Und das ist traurig.“

Er spricht von 40 bis 45 Kindern, die aktuell bei ihm trainieren – nicht nur aus dem Gmünder Bezirk, sondern auch aus Zwettl und Waidhofen und manchmal darüber hinaus. Was andere Jungsportler motiviert, sind weniger die Großereignisse als erfolgreiche Sportler aus dem eigenen Verein.

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