Osterbräuche: Brennende Räder und fliegende Glocken. Neben Ratschen und Palmwedel feiern Zwettler die Osterzeit mit einem seltenen Brauch. In der Zwettler Pfarre locken musikalische Höhepunkte.

Von Markus Füxl. Erstellt am 28. März 2018 (05:00)
Markus Füxl
In Schweiggers sorgen Schneewittchen und die sieben Osterzwerge für Stimmung. Im Bild: Sonja Hiess, Sandra und Markus Dirlinger, Bürgermeister Johann Hölzl, Margret Weber, Andreas und Martina Eberl, Elisabeth mit Paulina Filler am Arm und Martin mit Mathilda Filler am Arm (hinten) sowie Leon Hiess, Moritz Dirlinger, Michael Eberl, Katharina und Moritz Filler (vorne).

Als wichtigstes christliches Fest haben zu Ostern auch viele religiöse und volkskulturelle Brauchtümer Tradition.

Feuerräder in Kaltenbrunn

Spektakulär wird es in der Osternacht in Kaltenbrunn. Dort wird bei Einbruch der Dunkelheit ein Osterfeuer entzündet, aber nicht nur das: „Wir wollen auch Feuerräder durch den Ort laufen lassen“, so Veranstalter Franz Ratheiser vom Verein „Kultik“.

"Man braucht auch Zeit für den Geist. Zu Ostern kann man eine innere Ruhe finden."Thomas Kuziora, Zwettler Pfarrmoderator

Extra gefertigte Holzräder werden dabei zuvor in Wasser getaucht und mit Stroh umwickelt. Sechs Räder sollen so brennend durch die Ortschaft rollen. „Dieser Brauch ist bei uns eher selten. Kommen die Räder gut ins Tal, so wird es einem alten Volksglauben folgend ein gutes Erntejahr geben“, erklärt Ratheiser.

Das Osterfeuer wurde bereits in heidnischer Zeit praktiziert. Die Germanen huldigten der Göttin Ostara mit einem eigenen Lichtfest. Im Jahre 739 nach Christus berichtete der heilige Bonifaz über diesen Brauch. Später weihte die Kirche diese Osterfeuer und gab ihm damit ein christliches Gepräge.

Ein weiterer Brauch mit einer langen Tradition sind Emmausgänge. Sie dienen als Erinnerung an den Gang der Jünger nach Emmaus, denen sich Jesus unerkannt anschließt. Auch heuer findet ein solcher Emmausgang in Echsenbach am Ostermontag statt. „Wir starten vom Dreikaisermarterl und wandern nach Echsenbach“, erklärt Mitorganisator Emmerich Schrenk.

„Tierischer Freund“ fiel heuer bei Umzug aus

Seit über 50 Jahren besteht diese Tradition in Echsenbach. Die Route heuer ist knapp fünf Kilometer lang. Auf dem Weg macht die Gruppe immer wieder Halt, um für verstorbene Ortsbewohner zu beten.

„Neben dem christlichen Hintergrund geht es bei dem Brauch darum, in die aufblühende Flur hinauszugehen und den Frühling zu begrüßen“, sagt Schrenk.

Bereits eine Woche vor Ostern beginnt für den Zwettler Pfarrmoderator Thomas Kuziora eine stressige Zeit. Ab dem Palmsonntag stehen jeden Tag mehrere kirchliche Veranstaltungen der Zwettler Pfarre auf dem Programm.

Letztes Jahr ritt Kuziora noch auf dem Esel „Manu“ von der Kirche zur Johanneskapelle. Heuer musste er auf seinen tierischen Begleiter verzichten. „Mein guter Freund hat sich am Fuß verletzt, nächstes Jahr ist er wieder dabei.“

Auf die Frage, warum er auf einem Esel ritt, lacht Kuziora: „So können sich die Leute vorstellen, wie Jesus damals auf dem Esel ausgesehen hat. Es war auch für mich ein Erlebnis.“

„Musikalische Perlen“ warten in Zwettl

Am Gründonnerstag „fliegen“ die Glocken schließlich nach Rom: „Sie verstummen und werden erst beim Gloria in der Osternacht wieder eingeschaltet“, erklärt Koziora.

Am Karfreitag wartet auf die Besucher in Zwettl ein besonderer Höhepunkt: „Es wird die ganze Passion gesungen, das ist sehr selten“, so Kuziora.

Zu einem Ostermarkt luden die Damen des Arbeitskreises der Frauen in Schweiggers am Palmsonntag-Wochenende ein. Im Rahmen des Marktes schmückt das Team um Organisatorin Margret Weber jedes Jahr den Kirchenplatz.

„Heuer haben wir Schneewittchen und die sieben Osterzwerge aus Holz geschnitten, bemalt und aufgestellt“, sagt Weber im Gespräch mit der NÖN.

Markus Füxl

In den Vorjahren stellte sie unter anderem eine Klasse mit Osterhasen und ein riesiges Osterlamm auf. Zuletzt zimmerte sie im Vorjahr ein über zwei Meter hohes und begehbares Osterei zusammen. „Das steht jetzt bei uns im Kindergarten und kann genutzt werden“, sagt sie. Angefangen hat sie mit vier Frauen, aktuell arbeiten 28 Frauen in ihrer Gruppe. Jedes Jahr leisten sie 2.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit für den Ostermarkt in Schweiggers.

Kulinarisch stehen zu Ostern vor allem Schokohasen und -lämmer sowie Osterpinzen hoch im Kurs, weiß Bettina Todt von „Der Zuckerbäcker“ in Zwettl. Bei ihr gibt es auf Bestellung auch eingebackenen Schinken im Brotteig, den Kirchengänger zu Ostern weihen lassen können.