Rauchverbot birgt Zündstoff für Wirte. Das „Don’t smoke“-Volksbegehren spaltet die Wirte- Szene im Bezirk. Gemeindeämter hatten mit technischen Problemen zu kämpfen.

Von Markus Füxl. Erstellt am 28. Februar 2018 (05:15)
Rauchverbot soll im Mai nicht kommen
APA

Es ist aktuell das Top-Thema an den Stammtischen, auf den Gemeindeämtern und auf der Straße: Das Rauchverbot. Wie selten zuvor spaltet das Thema um den Glimmstängel die Bevölkerung, auch im Bezirk Zwettl.

„Wir leben in einer Bananenrepublik,“ fasst Wirt Christian Schierhuber die Entwicklung zusammen. Dass die ÖVP/FPÖ-Regierung das bereits beschlossene absolute Rauchverbot in den Lokalen kippen möchte, trifft bei dem Zwettler Gastronom auf Unverständnis. „In der gesamten EU ist eine solche Regelung möglich, nur in Österreich tut man schon fünf Jahre lang mit einer Übergangsfrist herum.“

Wirte haben gemeinsamen Standard

Sein Lokal ist schon seit Jahren rauchfrei. Dass seine Gäste zum Schnitzel nicht rauchen dürfen, stört fast niemanden. Im Gegenteil: „Rauchen und Essen vertragen sich einfach nicht. Rücksichtsvolle Raucher gehen bei mir vor die Tür.“

Für ihn hätte das für 1. Mai geplante Rauchverbot vor allem eines bedeutet: „Damit gäbe es für alle Wirten und vereinsübliche Festivitäten einen gemeinsamen Standard, nämlich rauchfrei.“ Das von der Ärztekammer Wien am 15. Februar gestartete Volksbegehren wolle Schierhuber „noch auf alle Fälle unterschreiben“.

Bereits unterzeichnet hat „‘s Beisl“-Betreiber Reinhard Todt. Bislang konnte in seinem Lokal geraucht werden. Mit Mai stellt er seinen Betrieb aber freiwillig auf komplett rauchfrei um. „Die Zeit ist reif dafür, es ist auch von manchen Gästen ein Wunsch.“ Angst davor, dass viele rauchende Stammgäste ausbleiben, hat er nicht.

„Mit dem Umstieg feiere ich quasi auch mein 30-jähriges Jubiläum als Nichtraucher“, sagt Todt lachend. Er teilt die Meinung von Christian Schierhuber: „Mit der geplanten Gesetzgebung hätte es endlich gleiche Vorgaben für alle gegeben.“

„Kommt das Gesetz, kann ich zusperren“

Ganz anders sieht die Situation dagegen Josef Weissmann. Er ist Wirt und Inhaber des „Cafe-Puls“ in Franzen. In einem Facebook-Posting an die NÖN macht er seinem Ärger über die Volksbefragung Luft: „Ich als Wirt darf zwar Steuern zahlen, aber darf nicht selbst entscheiden, ob in ,meinem‘ Wirtshaus geraucht oder nicht geraucht werden darf. Wenn es so weit kommt, sag ich schon vorab: Danke ihr militanten Nichtraucher A***“.

In einem Telefonat erklärt er, warum er gegen ein Rauchverbot ist: „Ich habe 2010 umgebaut und ein Extrazimmer für Nichtraucher eingerichtet, um dem damaligen Rauchergesetz gerecht zu werden. Viele kleine Wirte haben bis zu 50.000 Euro investiert – für nichts!“

Wirten hänge das Thema „schon zum Hals raus“

Sollte das Nichtrauchen in der Gastronomie kommen, befürchtet Weissmann, dass sein Wirtshaus sterben wird. „Dann sind drei Leute arbeitslos und ein sozialer Treffpunkt weniger.“

90 Prozent seiner Gäste sind Raucher, auch Nichtraucher hätten kein Problem mit dem Rauch an der Bar. 40 Leute hätten im Nichtraucherzimmer Platz – Platz, der nicht genutzt wird: „Das Zimmer wird nur für Beerdigungen und Versammlungen der Freiwilligen Feuerwehr genutzt. Das ist bei uns am Land einfach Realität.“

Weissmann kritisiert in der laufenden Gesundheitsdebatte weiter: „Wir sind doch alle mündige Bürger. Kommt als nächstes, dass ich kein Bier mehr wegen des Alkoholgehalts oder keinen Schweinsbraten wegen des gesundheitsschädlichen Cholesterins mehr ausgeben darf?“

Eines dürfte die Wirte im Bezirk trotz unterschiedlicher Meinung zum Volksbegehren einen: Sie alle scheinen unzufrieden mit dem politischen Tauziehen. So heißt es von Wirtevertrauensperson Helene Mayerhofer auf Nachfrage knapp: „Es heißt abwarten, wie sich das Ganze entwickelt. Das Thema hängt schon jedem Wirt zum Hals raus.“

Ämter mussten Bürger wieder heimschicken

Ungebrochen ist hingegen die steigende Zahl der Unterschriften im „Don‘t smoke“-Volksbegehren. Auch im Bezirk hatten die Gemeindeämter wegen des österreichweiten Ansturms an den ersten Tagen mit technischen Problemen zu kämpfen. Vor allem am Donnerstag, Freitag und Montag in der ersten Woche ging am Vormittag oft gar nichts mehr.

„Das Volksbegehren läuft erstmals über das zentrale Wählerregister, in das wir uns extra einloggen müssen“, erklärt Gemeindemitarbeiter Werner Schuh aus Allentsteig. Statt der Benutzeroberfläche sahen er und seine Kollegen in den ersten Tagen der Einleitungsphase des Volksbegehrens aber nur einen gezeichneten Bauarbeiter mit Werkzeug in der Hand und einer Fehlermeldung als Unterzeile.

Die Folge: „Wir mussten die Bürger wieder heimschicken und sie bitten, später wiederzukommen.“

In Zwettl haben bereits über 200 Bürger auf dem Gemeindeamt unterschrieben. „Viele sind von weit hergefahren, um zu unterschreiben. Die waren zu Recht verärgert, als wir sie heimschicken mussten“, sagt Herbert Gruber. Trotz des großen Interesses hätten sich aber vor dem Amt keine Schlangen gebildet. „Wir arbeiten das zu zweit ab. Einmal mussten zwei Besucher kurz warten, sonst läuft das Ganze aber sehr entspannt“, so Gruber.

Weniger ausgeglichen ging es hingegen scheinbar in Arbesbach zu. Dort mussten die Gemeindearbeiter zusätzliche Erklärungsarbeit leisten: „Als wir den Leuten erklärten, dass wir mit technischen Problemen zu kämpfen haben und sie gerade nicht unterschreiben können, glaubten viele an einen ‚Fake‘ und an eine politische Verschwörung, dass wir sie absichtlich nicht unterschreiben lassen“, sagt Vizebürgermeisterin Veronika Stiedl.

Die Verwirrung habe sich aber schnell aufklären lassen. Trotz der Schwierigkeiten gab es in Arbesbach „weder Wutbürger, noch Wutgemeindebedienstete“, sagt Stiedl lachend. Für die Behörde ist das neue System über das zentrale Melderegister dennoch ein Aufwand: „Früher war das mit einem Zettel, einer Unterschrift und einem Stempel erledigt.“

 

 

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