Schutz für sich selbst und andere. Als soziale Verantwortung erachten Experten aus der Medizin und Pflege die Durchführung von Schutzimpfungen.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 12. Februar 2020 (04:42)
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Impfbefürworter gegen Impfgegner und teils auch Impfmuffel. Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von Schutzimpfungen sorgen in der Bevölkerung für konträre Sichtweisen und bieten Anlass zur Debatte. Um mehr Bewusstsein für wert- und vor allem wirkungsvolle Impfungen zu schaffen, setzt das Land NÖ auf die Kampagne „Darum Impfen“. Aber wogegen? Wie oft? Warum eigentlich? Was hilft sonst noch vor Erkrankungen? Die NÖN hörte sich um.

„Grundsätzlich ist eine Impfung bei allen verfügbaren Impfstoffen zu empfehlen“, sagt Bezirksärztevertreter Karl Danzinger, Allgemeinmediziner in Allentsteig. „Natürlich gibt es aber regionale Unterschiede. Zudem gibt es verschiedene Risikogruppen.“

Danzinger sieht Impfen als gesellschaftliche Verantwortung

Ältere Menschen, Menschen deren Immunsystem angeschlagen ist (etwa durch Herzprobleme oder Diabetes) sollten sich gegen Grippe und Lungenentzündung impfen lassen. „Außerdem ist es natürlich sinnvoll, dass Gesundheitspersonal etwa gegen Hepatitis A und B geimpft ist“, ergänzt Danzinger. „Die Krankheiten können durch Blut übertragen werden. Daher wäre es generell kein Fehler, dagegen geimpft zu sein. Man braucht nur einmal zu einem Autounfall dazukommen und kommt bei der Ersten Hilfe mit dem infizierten Blut des Unfallopfers in Verbindung.“

Impfen sieht Danzinger als gesellschaftliche Verantwortung: „Impfungen sind auch wegen der Herden-Immunität sinnvoll. Wenn 70 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geimpft sind, sind auch die 30 Prozent der Nicht-Geimpften vor einer Infektion geschützt. Es profitiert die gesamte Gesellschaft!“

Bei der Grippe sieht er Aufholbedarf, führt das auch auf einen sprachlichen Fehler zurück: „Die echte Grippe wird immer wieder mit einem grippalen Infekt, einer Verkühlung gleichgesetzt. Das sind unterschiedliche Krankheiten. Die Leute sagen aber: ‚Jetzt bin ich geimpft und werde trotzdem krank.‘ Wir versuchen seit Jahren, das zu präzisieren. Es wird auch besser.“

Das Bewusstsein, sich impfen zu lassen, sei im Bezirk gut, sagt Brigitte Traxler, Seniorchefin der Zwettler Kuenringerapotheke: „Viele Menschen wissen, ob der Konsequenzen des Nichtimpfens. Die Kinderärzte sind sehr engagiert, die Eltern stehen sehr dahinter, sodass praktisch alle Kinder durchgeimpft sind.“

Hygiene im Spital: „Kein Tag ist wie der andere“

Neben der Impfung gibt es auch andere Möglichkeiten, sich zu schützen – vor allem in puncto Hygiene. „Da hält man sich zwar beim Niesen die Hand vor, reicht diese dann aber dem nächsten zum Gruß“, nennt Danzinger ein Negativ-Beispiel, „Wir sind sehr bemüht, ein Bewusstsein zu schaffen.“ Traxler bemerkt Besserung: „Hand-Desinfektionsmittel sind in der Apotheke sehr nachgefragt, vor allem in der Grippesaison. Teilweise sogar Mundschutzmasken oder Baumwollhandschuhe.“

Eine besondere Stellung hat Hygiene in Krankenhäusern. In den Waldviertler Landeskliniken gibt es speziell ausgebildete Hygienebeauftragte. „Zu den Aufgaben gehören Maßnahmen, die der Erkennung, Überwachung, Verhütung und Bekämpfung von Infektionen und der Gesunderhaltung dienen“, erklärt Günther Kalchbrenner, Hygienefachkraft am Landesklinikum Horn-Allentsteig. „Wir sind auch bei Bau-Planungen und bei der Anschaffung von Geräten und Gütern involviert.“

Täglich sind Fragen zu Hygiene-Problemen zu beantworten, müssen hygienerelevante Produkte freigegeben werden, Stationen besucht und Richtlinien überprüft, auch überarbeitet werden. „Jeder Tag ist anders“, sagt Kalchbrenner. Die Herausforderungen seien durch Krankheitsbilder und Komplexitäten oft von Station zu Station verschieden. Besonders herausfordernd sei etwa der Umgang mit Isolierpatienten. „Wegen Infektionen mit multiresistenten Erregern brauchen sie oft eine Einzelunterbringung.“ Zudem sei wichtig, diese Richtlinien auch in Stresssituationen nicht zu vernachlässigen.

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