Sternsingeraktion: „Die Türen sind heut zu“

Zwei Begleiterinnen aus dem Bezirk Zwettl erzählen von ihrer Kindheit und was sich seither geändert hat.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 04:50
Lesezeit: 3 Min

Groß ist allerorts die Freude, wenn vor dem Dreikönigstag die Sternsinger kommen, ihre Sprüche sagen und den Segen „Christus mansionem benedicat, Christus segne dieses Haus“ (C + M + B) auf die Türstöcke schreiben. „Die alten Leute bitten uns immer, den Segen an den Türstock im Wohnzimmer zu schreiben. Denn das mögen sie, wenn sie im Zimmer sitzen und es jederzeit sehen können“, erzählt Gabi Schwarzinger (56) aus Langschlägerwald.

Das wäre auch heute noch so, dennoch habe sie zu damals, als sie selbst als Volksschulkind mit den Sternsingern losgezogen war, einen großen Unterschied bemerkt: „Früher waren alle Türen offen, wir sind ins Haus hineingegangen und haben von Zimmer zu Zimmer die Bewohner gesucht, weil wir wussten, sie warten auf uns.“ Heute würden sie vor versperrten Türen stehen und nach dem Läuten und Klopfen warten müssen, bis geöffnet werde. Dennoch erhält im Langschlägerwald die Gruppe bei einem Großteil der Häuser Einlass. Der Grund: Die Bewohner wollen den Segen innen am Türstock geschrieben haben.

Während heutzutage die Kinder Süßigkeiten bekommen, die Gabi Schwarzinger in einer Tasche sammelt und am Ende des Tages gerecht aufteilt, wurden die Sternsinger und Begleiter in ihrer Kindheit noch ins Haus eingeladen. Die Bewohner kredenzten Kekse, Saft und Tee, manchmal gab es Würstel. Manchmal wurde den Kindern sogar ein Likör angeboten. „Das hat uns alles so gut geschmeckt, weil es ganz andere Kekse waren als die, die wir eh von daheim kannten. Und der Saft war süß und dick, und Likör gab es zu Hause für uns sowieso nicht“, lacht Schwarzinger. Ihr Vater, der selbst als Kind Sternsinger und in ihrer Kindheit Begleiter war, habe dieselben Erinnerungen.

Früher schwärmten die Sternsinger in mehreren Gruppen gleichzeitig aus und mussten auch oft zwei bis drei Kilometer zwischen den Dörfern wandern. Da kam es in den richtig schneereichen Wintern ihrer Kindheit oft vor, dass ein Vater mit dem Traktor kam und die Kinder in der Traktorschaufel transportierte. Viel Schnee hatte aber auch Vorteile! „Einmal war so viel Schnee, da waren alle Leute zu Hause und haben geschaufelt. Wir haben alle angetroffen und wirklich viel Geld für die Aktion gesammelt“, lacht Schwarzinger. „Doch wieder zurück in Langschlag, hab ich mein Auto wegen der Schneemengen fast nicht mehr gefunden.“

Während es früher ausreichend begeisterte Kinder gab, die mit den Sternsingern in Gruppen in den verschiedenen Dörfern von Haus zu Haus wanderten, herrscht derzeit ein kleiner Engpass. Heuer gab es nur drei Sternsinger, von denen einer auch den Stern hielt.

Die Kostüme aus ihrer Kindheit gibt es heute noch zum Teil. Genäht und gepflegt hat sie damals Pfarrhaushälterin Leopoldine Haslinger, heute pflegt diese Schwarzinger.

Heuer keine Schminke wegen der Maskenpflicht

Mit neun Jahren hat Verena Heiligenbrunnger aus Endlas (Ottenschlag) als Sternsinger begonnen und wurde mit 15 Begleiterin. „Bei uns wurden immer so viele Gruppen eingeteilt, dass alle Häuser an einem Tag besucht werden konnten“, so Heiligenbrunner. Heuer waren die fünf Gruppen auf zwei Tage wegen der Corona-Regeln gestaffelt. „Wir haben drauf geachtet, dass die Kinder möglichst wenig zusammentreffen. Das Umkleiden und auch das Mittagessen waren so organisiert, dass nur immer eine Gruppe beisammen war. Auf der Fahrt in die Dörfer trugen alle im Auto Maske, deshalb waren sie heuer auch nicht geschminkt.

Ihr lustigstes Erlebnis aus der Kindheit? „Es kam des Öftern vor, dass wir wegen der Schneemassen mit dem Auto hängen geblieben sind, und da mussten auch wir Kinder beim Anschieben helfen.“

Umfrage beendet

  • Ist es für euch eine Freude, wenn die Sternsinger bei euch anläuten?