Todesfahrt: Reue vor Gericht. Beifahrer wurde bei Traktor-Unfall getötet. Angeklagte bekannte sich schuldig, mildes Urteil folgte.

Von Markus Füxl. Erstellt am 27. Mai 2020 (05:21)
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APA (Symbolbild)

Warum sie überhaupt mit dem Traktor gefahren sei und das, ohne eine Lenkberechtigung zu besitzen, möchte der Richter von der Angeklagten wissen. Nach mehreren Sekunden Stille antwortet die 39-Jährige mit zittriger Stimme: „Das ist eine gute Frage...“

Beifahrer bei Unfall gestorben

Zur Katastrophe kam es am 5. März dieses Jahres. Die 39-jährige Grafenschlägerin fuhr mit einem Bekannten in einem Traktor. Der Beifahrer stand neben der Fahrerkabine. Plötzlich kippte der Traktor im Gelände um. Der Mitfahrer starb in weiterer Folge, die 39-Jährige kam mit blauen Flecken und einem Schock davon.

Opfer wollte ihr das Traktorfahren beibringen

Sie habe auch mit Schulden zu kämpfen, gibt die 39-Jährige vor Gericht zu Protokoll: 200.000 Euro an Darlehen habe sie aufgenommen, um damit gemeinsam mit ihrem Partner einen Bauernhof zu kaufen. Das sei auch der Grund für die Fahrt gewesen: Das Opfer wollte ihr das Traktorfahren beibringen: „Er hat mich dazu überredet und gesagt: ‚Gemma Mädel, komm.‘ Ich wollte mich eigentlich davor drücken“, sagt die Angeklagte leise.

Schließlich sei man doch losgefahren. Das Opfer stand dabei auf dem Traktor neben der Fahrerkabine, führt die Verteidigerin aus: „Mit 160 Kilogramm Gewicht konnte er nicht auf dem Seitensitz Platz nehmen. Einem Menschen mit normalem Gewichtszustand wäre nichts passiert.“ So sei es dann zu einer Verkettung unglücklicher Umstände gekommen. Die Angeklagte sagt: „Er ist auf dem Traktor gestanden und hat Anweisungen gegeben: ‚Jetzt fahrst rechts rauf.‘ Da hab ich gemerkt, dass wir kippen könnten. Es ist alles so schnell gegangen. Wie ich dann aus dem Traktor gekommen bin, weiß ich nicht mehr.“

Mildes Urteil

Die Verteidigerin führt die Milderungsgründe aus: „Es ist für die Angeklagte eine persönliche Katastrophe. Sie hatte eine innige Freundschaft zum Verstorbenen. Sie wird sich das ein Leben lang nicht verzeihen können.“

Der Richter spricht die Angeklagte der fahrlässigen Tötung schuldig. Der erschwerenden Tatsache, dass die Frau ohne Führerschein den Traktor fuhr, stünden mehrere Milderungsgründe gegenüber. So hält er der Angeklagten das umfassende und reumütige Geständnis und das Naheverhältnis zum Opfer zugute. Außerdem betont er: „Ein Mitverschulden des Opfers ist anzunehmen.“

Der Richter verurteilt die 39-Jährige zu einer Geldstrafe von 720 Euro. Sie setzt sich aus 180 Tagessätzen à vier Euro zusammen.