Trend hält an: Einwohnerzahl sinkt weiter. Abwanderung übertrifft Zuwanderung immer noch. Kluft zwischen Sterbefälle und Geburten größer.

Von Markus Füxl. Erstellt am 22. Januar 2020 (04:44)
Quelle: Gemeinden, NÖN-Grafik: Gastegger

Der Bezirk Zwettl schrumpfte auch im Jahr 2019, im Detail um 225. Der Stopp der Abwärtsspirale 2017 – der Bezirk hatte damals lediglich drei Bewohner verloren – war somit eine Ausnahme in der Entwicklung. Seit dem Jahr 1910, als ein Spitzenwert von 62.503 Einwohner registriert war, hat der Bezirk kontinuierlich an Einwohnern verloren. Der Bevölkerungsstand sank per 31.12.2019 auf 42.069 Einwohner.

Laut Zahlen, die die NÖN in den 24 Gemeindeämtern erhoben hat, überwiegen die Sterbefälle (498) die Geburten (347). Statistisch erklärt die Geburtenbilanz den Bevölkerungsrückgang nicht. So kommt ein negatives Saldo aus Abwanderung und Zuwanderung von 74 Bewohnern dazu. Stark erwischt hat es Allentsteig (-40), Sallingberg (-23) und Langschlag (-24). Die größten Gewinner im Bezirk sind Echsenbach (+16), Gutenbrunn (+17) und Schweiggers (+17).

Zwettl

Der Stadtgemeinde ging rund ein Prozent der Bevölkerung verloren (-109). Die Sterbefälle (133) liegen weit über den Geburten (72). Bürgermeister Franz Mold sagt: „Für Akademiker gibt es noch zu wenig Arbeitsplätze. Wir brauchen auch noch mehr Bauland. Hier tun wir uns schwer, viele wollen leider nicht verkaufen.“

Groß Gerungs

Die Stadtgemeinde verlor 20 Hauptwohnsitzer. „Unter den Bedingungen, die Waldviertler Gemeinden bewältigen müssen, haben wir eine stabile Statistik“, sagt Bürgermeister Maximilian Igelsböck. Positiv sei, dass die Geburten (42) die Sterbefälle (39) überwiegen. Ein Motor für die Gemeinde sei das Herz-Kreislauf-Zentrum, das etwa 240 Arbeitsplätze schafft: „Unsere Vision ist es, Wohn- und Gesundheitsgemeinde zu sein“, sagt Igelsböck.

Allentsteig

Weiter zu kämpfen hat die Stadtgemeinde Allentsteig. Sie schrumpfte um 40 Hauptwohnsitzer, umgerechnet 2,21 Prozent. „Wir haben eine Überalterung in der Alterspyramide“, sagt Bürgermeister Jürgen Koppensteiner. 34 Sterbefälle stehen den 18 Geburten gegenüber. „Neue Bauplätze und der Bau von Reihenhäusern sollen Zuzug fördern“, sagt Koppensteiner.

Bärnkopf

Prozentuell am stärksten verloren hat Bärnkopf (-2,24). Acht Hauptwohnsitzer hat die 348-Seelen-Gemeinde weniger. Bürgermeister Arnold Bauernfried erklärt: „Das hängt mit den Sterbefällen zusammen, sie überwiegen die Geburten.“ 2020 soll es wieder aufwärts gehen: „Es ziehen zwei Familien zu. Ein Umwidmungsverfahren für Baugrund läuft, auch hier sind bereits zwei Plätze vergeben“, freut sich Bauernfried. Sein Fazit zur Statistik: „Wenn wir weiter so dahinpendeln, können wir gut damit leben.“

Gutenbrunn

Drehen konnte die Entwicklung Gutenbrunn. Verlor die Gemeinde im Vorjahr noch um 3,88 Prozent (-21 Einwohner), gewann man diesmal 3,26 Prozent (+17). „Das freut uns natürlich sehr, kann morgen aber schon wieder ganz anders aussehen“, sagt Bürgermeisterin Adelheid Ebner. Ein Grund für das Plus sei der Zuzug mehrerer Junger, die teilweise in die alten Wohnobjekte der Großeltern zurückkehrten. „Jede einzelne Person, die kommt, zählt für uns. Wir hoffen, dass mit dem Glasfaserausbau und dem neuen Wohnbauprojekt noch mehr kommen“, sagt Ebner.

Sallingberg

Satte 23 Hauptwohnsitzer weniger muss die Gemeinde Sallingberg verkraften. Bürgermeister Leopold Bock sagt: „Wir haben die Talsohle erreicht. Es wird wieder bergauf gehen.“ 11 Geburten stehen 15 Todesfällen gegenüber. „Außerdem haben wir viele Ummeldungen in das Altersheim“, erklärt Bock. Der Bau von zehn neuen Wohnungen sowie die geplanten Sanierungen der Schule und des Arzthauses sollen Zuzug fördern.

Schweiggers

Zu den Gewinnern darf sich die Gemeinde Schweiggers zählen. Verlor man 2018 noch leicht, kamen 2019 17 neue Hauptwohnsitzer dazu. „Wir haben eine gute Lage zwischen den Bezirksstädten Zwettl und Gmünd“, erklärt Bürgermeister Josef Schaden. Auch das gute Angebot für Häuslbauer fördere Zuzug: „Wir haben Nahversorger, Wirte, Geschäfte, Betriebe, Ärzte und Schulen, das spricht alles für uns“, sagt der Bürgermeister. Er sieht die Zukunft positiv: „Das Waldviertel hat eine große Zukunft. Wir dürfen leben, wo andere Urlaub machen.“

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