Umweltsünde: Bahnschwellen sind Grünen Dorn im Aug‘. Die Grünen prangern an, dass entlang der ehemaligen Bahnlinie noch immer Altmaterial herumliegt.

Von Brigitte Lassmann-Moser. Erstellt am 27. September 2017 (05:00)
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Haufen von alten Bahnschwellen säumen nach wie vor die ehemalige Bahnlinie Waldhausen-Martinsberg.

Noch immer liegen entlang der ehemaligen Bahnstrecke Waldhausen-Martinsberg Haufen ausrangierter Bahnschwellen und verrotten in den Wäldern. Daran üben die Grünen wiederholt heftige Kritik. Die verantwortliche Firma verspricht jetzt einen Abtransport in den kommenden Wochen.

Ende 2010 wurde der gesamte Bahnverkehr auf dieser Linie eingestellt, zwei Jahre später verkaufte die ÖBB Infrastruktur AG die gesamte Anlage an ein deutsches Unternehmen, das sich mit dem Gleisrückbau beschäftigt, im Sommer 2014 wurden die Gleisanlagen abgetragen. Doch noch immer säumen die alten Bahnschwellen, die als Sondermüll gelten, die Trasse.

„Es kann nicht sein, dass die Schienen verkauft werden, der Dreck aber liegen bleibt!“Ewald Gärber, Grüne

„Bis Ende 2016 hat die Firma Zeit gehabt, die Schwellen wegzuräumen“, ärgert sich der Bezirkssprecher der Grünen, Andreas Piringer. Aber auch wenn die Berge zwischenzeitlich etwas kleiner geworden sind, weil sich Private daran „bedient“ haben, verschandelt das Altmaterial nach wie vor die Natur.

„Warum schauen die betroffen Gemeinden dabei zu?“, fragen die Grünen und fordern einen Abtransport der alten Schwellen durch die Bezirkshauptmannschaft auf Kosten der Eigentümerfirma. „Es kann nicht sein, dass die Schienen verkauft werden, der Dreck aber liegen bleibt“, meint Ewald Gärber.

Grafenschlags Bürgermeister Robert Hafner bestätigt, dass noch immer Bahnschwellen herumliegen und übt seinerseits Kritik daran, dass die gesamte Strecke verwildert. „Bis Ende 2016 hatte die Firma Zeit für die Räumung. Bis dahin haben wir keine Handhabe gehabt“, so Hafner, der betont, dass man mit der Firma in Kontakt stehe und versuche, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Auch Bürgermeister Friedrich Fürst aus Martinsberg bekräftigt, dass alles getan werde, die Gemeinde alleine aber keine Chance habe. Sowohl das Land als auch die Bezirkshauptmannschaft sind eingeschaltet.

Verfahren gegen Firma im Laufen

Das bestätigt Bezirkshauptmann Michael Widermann. „Es läuft ein Verfahren!“ Dass die Trasse von einem deutschen Unternehmen gekauft wurde, „verkompliziere“ die Sache, wäre es ein heimischer Betrieb, „hätten wir andere Zugriffsmöglichkeiten“, so Widermann, der die Kritik versteht, weil die Schwellen „kein schönes Bild“ machen und ordnungsgemäß entsorgt gehören. „Wir sind dahinter“, so der Bezirkshauptmann. Ob bereits Strafen verhängt wurden und die Firma diese gezahlt hat, wollte Widermann nicht bestätigen.

Abtransport ist demnächst geplant

Der Junior-Chef der Gleisrückbau-Firma Meißner, die in Hohebach in Deutschland ihren Sitz hat, verspricht im Gespräch mit der NÖN, dass die Bahnschwellen in den nächsten Wochen abtransportiert werden. „Die Kritik ist berechtigt“, räumt Timo Meißner ein. „Wir haben die Bahnschwellen aber nicht mit Absicht liegen gelassen.“

Man arbeite mit einem heimischen Entsorgungsunternehmen zusammen, das für die Entsorgung der Schwellen aber eine Notifizierung brauche und diese erst vor vier Wochen erhalten habe. „Wir sind heute (Montag, Anm.) bereits mit zwei Lkw vorgefahren, der Abtransport des Restes wird in den nächsten Wochen erfolgen“, sagt Meißner zu. Er betont aber, dass ein Großteil der Schwellen auf firmeneigenen Grund lägen. „Sollten Kleinmengen auf einem privaten Grundstück gelandet sein, so war dies keine Absicht“, so der Firmen-Chef.

Die Grünen jedenfalls appellieren an die Bevölkerung, die alten, mit Umweltgiften belasteten Bahnschwellen nicht für Gartentreppen, Hochbeete oder gar als Heizmaterial zu verwenden, da dies nicht nur gesetzlich verboten ist, sondern auch umweltschädigend und gefährlich sein kann.