Verdacht erhärtet sich: „Jagd“ auf Wilderer?. Der Verdacht, dass ein falscher Weidmann sein Unwesen in der Region treibt, verhärtet sich zusehends.

Erstellt am 21. September 2017 (04:05)
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Ein weiterer Fall von Wilderei kam erst jetzt ans Tageslicht. Bei einer Ansitzjagd im Osten des Truppenübungsplatzes Allentsteig im zweiten August-Drittel wurde ein vermeintlicher Jäger gesichtet, der einen Hirsch beobachtete. Das Erstaunen war allerdings groß, als ein Rundruf zeigte, dass eigentlich jeder Jäger auf seinem Hochstand saß und der Mann nicht zur Jagdgesellschaft gehörte. „Er war wie ein Jäger gekleidet und mit Fernglas und Jagdgewehr ausgerüstet. Er dürfte kein Insider sein, sonst hätte er gewusst, dass an diesem Tag eine Ansitzjagd geplant ist“, heißt es vom Bundesheer.

Immer wieder hatten die Jäger dem Vernehmen nach in den letzten Monaten zuvor Tierkadaver gefunden, denen die Trophäe oder sogar der ganze Kopf fehlte. Angesichts des Mannes verdichtete sich die Vermutung, es könnte ein Wilderer am Werk sein. Es wurde Anzeige wegen Wilderei bei der Polizeiinspektion Allentsteig erstattet. „Die Angaben über den Mann waren detailliert, sodass man ein Phantombild anfertigen kann“, heißt es vom Bundesheer.

Das Militär hebt hervor, dass es lebensgefährlich ist, sich zu sehr in die Mitte des TÜPl vorzuwagen, die Gefahr, auf einen Blindgänger zu steigen, ist hoch. „Auch Soldaten dürfen gekennzeichnete Wege im Zentralraum des Truppenübungsplatzes nicht verlassen“, heißt es vom Heer. Die Jäger wurden ebenso sensibilisiert wie die Gruppe zur Überwachung des Sperrgebietes.

Treibt Wilderer schon länger sein Unwesen?

Die Polizei bestätigt die Anzeige, mehr will sie aber aus kriminaltaktischen Gründen nicht bekannt geben. Das Landeskriminalamt habe die Ermittlungen aufgenommen, es gäbe derzeit keine weiteren Auskünfte, heißt es auf NÖN-Anfrage.

Im Bezirk und nahe der Bezirksgrenzen gab es heuer schon mehrere Fälle mit Verdacht auf Wilderei. So hatten Unbekannte in der Schonzeit zumindest einmal, nämlich von 19. auf 20. August, auf eine Rehgeiß geschossen, die bei den sogenannten Wachtelhofer Teichen im Gemeindegebiet von Arbesbach vom Hegeringleiter aufgefunden und mit einem Fangschuss erlöst wurde.

Knapp nach der Bezirksgrenze, in Großotten, war Ende Juli ein einjähriger Rehbock angeschossen worden. In der Einvernahme durch die Polizei hatte der Jagdaufseher betont, am 10. Juli bei Mäharbeiten etwa 200 Meter vom zweiten Tatort entfernt ebenfalls einen angeschossenen Rehbock gefunden zu haben. Ein weiterer Fall hat sich bei Kamp bei Arbesbach ereignet, wo zwischen 5. und 6. Juni von der Bundesstraße aus ein Rehbock auf einer Wiese angeschossen worden war. Zuvor hatte es zwei weitere, ähnliche Fälle gegeben, einen im Bereich von Groß Gerungs und einen in der Gegend um Pabneukirchen (Oberösterreich). Ein Zusammenhang aller Fälle wird derzeit nicht ausgeschlossen.