VOR bittet um „zweite Chance“ nach Bus-Chaos. Öffi-Ära im Waldviertel“ einläuten. Nach Bus-Chaos Probleme sollen bis Ende September abgearbeitet werden. VOR will „neue

Von Karin Pollak. Erstellt am 20. September 2019 (04:21)
Büro Landesrat Schleritzko
Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko, Landtagsabgeordneter Franz Mold und Bundesratsabgeordnete Andrea Wagner skizzierten VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll die Anliegen und Probleme.

Die „Watsche“ für den Verkehrsverbund für die neuen Buslinien im Waldviertel zu Schulbeginn ist „gesessen“. „Wir bitten um eine zweite Chance“, meinte VOR-Pressesprecher Georg Huemer.

„Wir wollen nichts beschönigen. Am 2. September sind wir auf die Talsohle geklatscht. Wir sind mit größtmöglichen Einsatz daran, alle Beschwerden abzuarbeiten. Bis 9. September ist schon sehr vieles abgearbeitet worden. 104 Fahrplanänderungen sind bereits fixiert, 60 waren es schon vor Schulbeginn“, so Huemer, der Ende September wieder „überm Berg“ sein möchte. Dafür wurden die zuständigen Mitarbeiter aufgestockt, jede verfügbare Kraft wird für die Überarbeitung der Fahrpläne eingesetzt.

Im Bezirk Zwettl hat die Überarbeitung schon einige Probleme gelöst, wie auch der Zwettler NMS-Direktor Gerald Nossal, der mit zahlreichen Beschwerden der Eltern konfrontiert wurde, bestätigt. Konkret wurde etwa die Haltestelle Zwettl-Waldrandsiedlung in den Kursverlauf aufgenommen, die rund 30 Kinder müssen nicht mehr auf der ungesicherten Edelhofer Kreuzung ein- und aussteigen.

Um von Groß Gerungs wieder nach Zwettl umsteigen zu können, wurde ein Kurs verlegt bzw. Abfahrtszeiten angepasst. Damit die Schüler aus Ottenschlag nicht zu knapp in die Schule nach Zwettl kommen, wurden die Abfahrtszeiten seit 16. September angepasst und auch die Haltestelle Kampparkplatz wird von einer Linie wieder direkt angefahren.

Ebenfalls beseitigt wurde das Problem der Linie Zwettl-Oberstrahlbach-Weitra, wo der Bus um 13.36 Uhr gestrichen worden war, wodurch sich für die Schüler zweistündige Wartezeiten ergaben. Noch einer Lösung bedarf es etwa bei der Verbindung Großgöttfritz-Sprögnitz. Da haben die Kinder nun nur sieben Minuten Zeit, um nach Unterrichtsschluss die 200 Meter entfernte Bushaltestelle zu erreichen – und das über eine vielbefahrene Straße.

„Plan‘ das Waldviertel nicht vom Schreibtisch“

Darüber hinaus erklärt Huemer, dass nicht alles an den neuen Fahrplänen schlecht sei: „Es ist schade, dass durch die negativen Beispiele untergeht, dass eine neue Öffi-Ära im Waldviertel startete und dadurch die Waldviertler öfter ihr Auto stehen lassen können.“

Entgehen können hätte man laut Nossal dem Fahrplan-Chaos, wenn man vor der Fahrplanänderung den Dialog mit Schulen gesucht und Infos über örtliche Gegebenheiten eingeholt hätte. „Die Moral von der Geschicht: Plan‘ das Waldviertel vom Schreibtisch aus nicht, sondern red‘ mit den Leuten, das wäre gescheit“, meint er. Er verstehe nicht, warum man – da vor der Fahrplanänderung alle Verbindungen funktioniert hätten – Funktionierendes verschlechtern müsse.

Wie kam es aber zu den vielen für Schüler, Eltern und Gemeinden untragbaren Änderungen bei den Fahrplänen, die zu einer Flut an Beschwerden geführt haben? „Im Waldviertel haben wir 104 Buslinien, Tausende Kurse und 300 Gemeinden unter einen Hut zu bringen – und das mit einem ganz neuen System. 120 Personen von der Tarifgestaltung über Juristen bis zum Routenplaner und dem Infosystem haben daran gearbeitet. Vor allem für das Waldviertel haben sich drei engagierte und erfahrene Planer jahrelang intensiv beschäftigt“, sagt Huemer. Basis für die Planung waren die bestehenden Fahrpläne.

Das neue System biete vielerlei Vorteile: „Zum einen erhielten auch kleinere Betriebe die Chance, für den VOR tätig zu werden, zum anderen wurden die neuen Linien besser mit der Bahn verknüpft. Dadurch wurde ein Vielfaches mehr an Verbindungen in das Angebot eingegliedert“, betont Huemer, der zugibt, dass man beim VOR überrascht über das Ausmaß an Problemen war.

„Unser klarer Auftrag ist, diese so rasch wie möglich zu lösen.“ Die eingegangenen Beschwerden wurden nach Prioritäten gereiht, wobei die Sicherheit der Fahrgäste an erster Stelle steht, danach folgen die Herstellung von fehlenden Verbindungen und dann der Komfort. „Das betrifft Schüler, die im Bus stehen müssen. Das ist gesetzlich gedeckt, jeder Bus hat gewisse Sitz- und auch gewisse Stehplätze.“ Fußwege bis zu zwei Kilometer zu einer Haltestelle seien laut Huemer tragbar: „Diese wollen wir unterschreiten. Wir wollen auch nicht, dass Kinder eine Bundesstraße überqueren müssen.“

„Wissen, dass VOR unter Beobachtung steht“

Die vielen Hundert Buslenker, die auf den 104 Buslinien im Waldviertel tätig sind, müssen sich an die Fahrpläne und die gesetzlichen Vorgaben halten, was des öfteren nicht ganz einfach sein kann. „Da gibt es nicht mehr konzessionierbare Haltestellen, die über keine Gehsteigkanten verfügen“, so Huemer, der sich durchaus bewusst ist, dass der Verkehrsverbund seit Schulbeginn unter Beobachtung der Fahrgäste, der Eltern und der Medien steht. „Natürlich gibt es Druck durch Landesrat Schleritzko, für den die Aufarbeitung der Probleme ein persönliches Anliegen ist. Aber wir würden es auch ohne diesen Umsetzungsdruck machen“, meint Huemer.

Landesrat Ludwig Schleritzko drängte gemeinsam mit dem Zwettler Landtagsabgeordneten Franz Mold und Bundesratsabgeordneten Andrea Wagner nochmals auf rasche Lösungen. Im Gespräch mit VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll Verkehrsverbund zeigte sich aber auch: Erste Verbesserungen wurden im Auftrag des Landes bereits umgesetzt. „Beim Arbeitsgespräch mit dem VOR wollten wir uns von der Umsetzung überzeugen. Viele Anliegen konnten bereits erledigt werden. Auch für die noch ausstehenden Probleme werden Lösungen gesucht“, sagt Schleritzko. Der junge Raphael Neuwirth aus Bad Traunstein, Listenzweiter im Regionalwahlkreis Waldviertel für die Grünen, bezeichnete es als Skandal, dass das sehr schlechte Busnetz für Schüler noch unattraktiver gemacht worden wäre.