Wald und Holz als Zukunftsthema in Mittelschulen. Die beiden Mittelschulen Martinsberg und Rappottenstein bieten ihren Schülern neuen Ausbildungsschwerpunkt.

Von Brigitte Lassmann-Moser. Erstellt am 13. September 2017 (04:51)
Freuen sich auf den neuen Schwerpunkt, die Rappottensteiner mit David Gersthofer, Tobias Ertl, Florian Holzinger, Jakob Fichtinger, Kilian Hammerl, Dominik Pöltner, Sophie Mayerhofer, Andrea Friedl, Anna Maria Rogner, Judith Auer, Kathrin Haider, Anja Weissensteiner, Lukas Hahn, Noah Brandstetter, Direktorin Andrea Strohmayer, Sonja Hörth, Florian Hochstöger, Bürgermeister Josef Wagner und – vorne Mitte – Cornelia Schwarzinger.
NOEN, privat

Mit einem neuen Schulschwerpunkt starteten – in Kooperation – die beiden Neuen Mittelschulen Martinsberg und Rappottenstein in das neue Schuljahr: Dort dreht sich künftig Vieles um Wald und Holz. „Das ist eine Chance, auch kleinere Schulstandorte zu stärken“, ist Pflichtschulinspektor Fritz Laschober überzeugt.

Beide Gemeinden weisen einen hohen Waldanteil und eine große Anzahl an holzbe- und -verarbeitenden Betrieben auf, Holz ist der Bau- und Werkstoff der Zukunft und bietet eine Vielfalt an Berufsmöglichkeiten – beste Voraussetzungen also für die Umsetzung eines solchen Schwerpunktes.

„Das Autonomiepaket ist in aller Munde. Wir reden nicht davon, wir leben Autonomie!“ Bildungsmanager Alfred Grünstäudl

Die Grundidee dazu wurde, wie Bildungsmanager Alfred Grünstäudl erklärt, bei einem Waldsymposium des Wirtschaftsforums Waldviertel in Altenburg geboren. Die beiden Direktorinnen Kornelia Hofer (Martinsberg) und Andrea Strohmayer (Rappottenstein) haben diese Idee dann in ihre Teams hineingetragen, wo sie jeweils auf große Begeisterung gestoßen ist. Und auch die Gemeinden stehen hinter diesem Projekt.

„Uns geht es darum, eine gute Aufbereitung für die Schüler zu finden und ein Bewusstsein für das Thema – vom Rohstoff bis zur Berufswahl – herbeizuführen“, so Bildungsmanager Grünstäudl. „Wichtig ist, dass die Schulleiter Schule gestalten und nicht nur verwalten. Deshalb trägt der Landesschulrat dieses Projekt auch mit!“ Und Pflichtschulinspektor Laschober lobt den Mut der Schulen, sich an Neues heranzutrauen.

Interesse der Wirtschaft ist da

Hinter den beiden Schulen liegt jetzt rund ein halbes Jahr intensive Vorbereitung, wobei sowohl beim Konzept als auch bei den Inhalten zusammengearbeitet wurde. „Wir versuchen, voneinander zu lernen“, erzählt Andrea Strohmayer. Und wie wird das Ganze ablaufen? „Wir haben die Stundentafel abgeändert und das neue Fach ,Wald und Wirtschaft‘ eingeführt“, erklärt Kornelia Hofer. In Rappottenstein nennt sich der neue, alternative Pflichtgegenstand HULK – Holz-Umwelt-Leben-Kunst.

In einem Rotationsplan wird sich jeder Lehrer in jedem Gegenstand mit dem Schwerpunkt auseinandersetzen. Gestartet wurde jetzt mit den 5. Schulstufen, in weiterer Folge soll sich jede Schulstufe mit einem eigenen Schwerpunkt zum Thema beschäftigen.

Strohmayer: „Wir wollen als Neue Mittelschule diese vor allem im Waldviertel zukunftsweisende Branche schulisch aufgreifen und eine (Vor)Bildung in diesem Bereich in Verbindung mit umfassender Allgemeinbildung ermöglichen.“ Und Hofer meint: „Unser großes Ziel ist es, den Schülern zu zeigen, dass man auch auf dem Land Berufsmöglichkeiten hat. Und das Interesse der Wirtschaft ist da, man tritt bereits an uns heran!“.

Eigenständige Umsetzung

Jede der beiden Mittelschulen wird den Schwerpunkt – in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und mit weiteren Kooperationspartnern – eigenständig umsetzen, daneben sind aber auch gemeinsame Aktivitäten wie Exkursionen etc. geplant. Und auch bei Firmenbesuchen bzw. Besuchen von Unternehmern in der Schule kann man die Synergieeffekte nutzen.

Neben der pädagogischen Ausrichtung geht es in Richtung Wohlfühl-Schule, darum, die Lern-Umgebung umzugestalten. In Martinsberg etwa ist das unter dem Motto „Aus Beton wird Holz“ bereits in Form einer aus verschiedenen Hölzern gestalteten Decke oder eines Holzgeländers im Eingangsbereich der Schule sichtbar. Außerdem entstand dort eine überdachte Outdoorklasse (die NÖN berichtete).

„Die beiden Schulen haben eine Nische gefunden, die für sie passt“, freut sich Pflichtschulinspektor Fritz Laschober. Und Bildungsmanager Alfred Grünstäudl fasst das Engagement der Mittelschulen Martinsberg und Rappottenstein folgendermaßen zusammen: „Das Autonomiepaket ist in aller Munde. Wir reden nicht davon, wir leben Autonomie!“

 

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