Waldtagung: Hoffnung für die Waldbesitzer. Fichtenanteil müsse reduziert werden, sagt Forscher. Forstexperten diskutierten in Martinsberg über die Zukunft des Waldes.

Von René Denk. Erstellt am 14. November 2019 (09:37)

Hoffnung für die Zukunft des Waldviertler Waldes wurde den Waldbesitzern beim Tag des Waldes am 8. November im Martinssaal in Martinsberg gegeben.

Obmann Gerhard Blabensteiner ging in seiner Begrüßung auf den für Österreich bedeutenden Wirtschaftsfaktor Holz ein: „Holz ist ein Träger der Entwicklung im ländlichen Raum“, betonte er. Gemeinsam mit seiner Stellvertreterin, „die Stimme des Waldes“ Hermine Hackl, freute er sich, dass der Martinssaal mit Gästen gefüllt war.

Den Klimawandel und seine Auswirkungen auf Niederösterreich und das Waldviertel brachte Gerhard Wotawa von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) näher. Seit ihrer Gründung 1851 war 2018 das wärmste Jahr der Messgeschichte. Aber: „Der Anzahl der Eistage ist nur leicht zurückgegangen, das Problem ist der markante Anstieg der heißen Tage“, betonte Wotawa, dass es durchschnittlich zwischen 1979 und 1998 13 Hitzetage gab und man jetzt bei 21 Hitzetagen liege.

Niederschlag schwankt, hat nicht abgenommen

Entgegen der verbreiteten Ansicht, dass der Niederschlag abgenommen habe, sprach Wotawa von sehr kleinen und überschaubaren Gebieten. „Der Niederschlag hat grundsätzlich nicht abgenommen. In den letzten Jahren schwankt er aber sehr stark“, meinte der Leiter des Bereichs Daten, Methoden und Modelle. Der Experte betonte jedoch, dass mit der Temperaturzunahme Starkwetterereignisse, wie sintflutartige Regenfälle, einen langsamen und über Tage andauernden Nieselregen ablösen würden. Ohne Klimaschutz würde die durchschnittliche Temperatur bis ins Jahr 2100 in Niederösterreich wahrscheinlich zwischen vier und fünf Grad Celsius ansteigen. Im Winter werde dadurch der Niederschlag sogar ansteigen.

„Die Forstwirtschaft beschäftigt sich dauernd mit dem Klimawandel. Nur jetzt gibt es was Neues: Zum ersten Mal ist der Klimawandel vom Menschen gemacht“, bekräftigte Hackl die Bedeutung der Ausführungen Wotawas.

„Brotbaum“ Fichte wird oft überschätzt

Chancen und Risiken beim Waldumbau im Waldviertel war das Thema von Eduard Hochbichler von der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien. Er kam zum Schluss, dass die Waldkatastrophe zwar für einige Betriebe ein Desaster, aber diese für das Waldviertel verkraftbar sei: „Es gibt rund 237.000 Hektar Wald im Waldviertel. Davon gibt es Schadholz auf Flächen zwischen 15.000 und 18.000 Hektar. Das sind knapp zehn Prozent der Fläche.“

Auch rechnete er mit der ständigen Überschätzung der Erträge der Fichte, der allgemein ja als „Brotbaum“ bekannt ist, ab. Das Waldviertel hatte bis vor Kurzem einen Anteil von 70 Prozent des Gesamtwaldes. „Die Fichte ist hochproduktiv. Aber auch das Risiko ist weitaus höher. Bei den Berechnungen hat man das Risiko oft weggelassen. Wir müssen ehrlicher in unseren Einschätzungen werden“, betonte Experte Hochbichler. An vielen Standorten im Waldviertel sei es so, dass die Fichte für die nächsten 80 Jahre eine fünfzig-fünfzig Überlebenschance hätte.

Hochbichler forderte ein massives Umdenken ein und betonte die erhöhte Produktivität und Stabilität von Mischwäldern. Vernünftig sei, den Fichtenanteil auf 15 bis 20 Prozent im Waldviertel zu reduzieren.

Weiters hob er die absolute Wichtigkeit des Standortes hervor: Es mache absolut Sinn, den Baum nach der Bodenbeschaffenheit zu pflanzen. Auch auf „Naturverjüngung“ müsse man wesentlich mehr setzen und hier umdenken.

Nach der Präsentation von Julia I., Julia Mendlig aus Weikertschlag bei Raabs, die nun Vertreterin der heimischen Wälder ist, machte Doris Maurer mit einem besonderen Projekt aufmerksam: Die Wälder werden immer kleinflächiger, oft durch Vererbung. Viele Besitzer wissen nicht mehr, wo ihre Grundgrenzen sind oder dass auch Pflichten mit dem Waldbesitz einhergehen. Dazu soll eine Koordinierungsstelle geschaffen werden, die „Hof-ferne Waldbesitzer“ mit Waldbetreuern, die Maurer nun sucht, verbinden soll.