WhatsApp aus Schule verbannt?. Ein Erlass des Landesschulrates über Umgang mit Facebook und Co. trifft nicht überall auf Verständnis.

Von Markus Füxl. Erstellt am 28. November 2018 (04:00)
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„Ich halte das für überzogen. Ein generelles Verbot geht in einer Zeit der sozialen Medien einfach nicht“, so der Direktor des Zwettler Gymnasiums, Wolfgang Steinbauer zu einer Aussendung von Landesschulrat Johann Heuras. Dieser hatte darin gefordert, an Niederösterreichs Schulen von der Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern mittels Social Media Abstand zu nehmen. Außerdem seien „soziale Netzwerke ungeeignete Mittel für die Webpräsenz einer Bildungseinrichtung“, heißt es weiter.

Wolfgang Steinbauer, Direktor des Zwettler Gymnasiums, hält ein Verbot für überzogen.
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Vor allem vor dem Hintergrund der seit heuer als verbindlich umzusetzenden Übung „Digitale Grundbildung“ kritisiert Steinbauer den Erlass: „Gleichzeitig heißt es jetzt, wir sollen von sozialen Netzwerken Abstand nehmen – wie soll man das verbinden?“

Auch dass sich Schulen nicht mehr in sozialen Netzwerken präsentieren sollen, stößt beim Schulleiter auf Unverständnis: „Ich kenne fast keine Schule, die noch keine Facebook-Seite hat“, so Steinbauer. Er hält es für ausgeschlossen, dass sämtliche Schulen ihre Onlinepräsenz in sozialen Netzwerken einstellen werden.

Gerhard Schenk, Direktor der HLW Zwettl, hält eine Einschränkung der Kommunikation über WhatsApp für notwendig: „Bei Chatgruppen, in denen ganze Klassen mit Lehrern kommunizieren, geht es um den Datenschutz. Eventuell werden dabei Daten abgesaugt und landen irgendwo in den USA!“ Schenk habe den Lehrern nach der Aussendung sofort gesagt, dass etwaige WhatsApp-Gruppen mit Schülern sofort einzustellen sind.

Als Alternative testet die Schule gerade „Yammer“, eine Software der Firma Microsoft. „Falls sich das als zielführend herausstellt, werden wir die Software im Laufe des nächsten Semesters ausrollen“, so Schenk.

Kürzlich hat der Landesschulrat den Informationserlass „Digitale Grundbildung und Einsatz von Social-Media-Software“ herausgegeben. Er empfiehlt Schulen und Schülern, in der Schul-Kommunikation auf Schulsoftware statt auf WhatsApp, Facebook oder Instagram zurückzugreifen.
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„Für schnelle Fragen und Antworten den Unterricht betreffend sind soziale Netzwerke sicher nicht schlecht“, sagt Schulsprecher-Stellvertreter am Zwettler Gymnasium, Jan Rabl. Vor allem weil Schüler ihr Handy überall mit dabei hätten, erhalte man so schneller Antworten, als per Mail. „Die meisten Schüler fragen aber ohnehin in der Schule“, so Rabl.

Auch Bernhard Berger, Obmann des Elternvereins der Privaten Neuen Mittelschule (NMS) Zwettl hat kein Problem, wenn Lehrer WhatsApp als Plattform nützen, um Schüler über den Unterricht zu informieren.

Er unterstreicht aber, dass eine entsprechende Aufklärung über Gefahren sozialer Netzwerke erfolgen muss: „Whats App ist ein gängiges Medium für Mobbing, etwa wenn einzelne Schüler aus Gruppen ausgeschlossen werden.“

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