Wie schmeckt Milch? Schüler zu Besuch am Bauernhof. Zehn Landwirte im Bezirk Zwettl laden wieder Kinder und Jugendliche ein, ihren Betrieb hautnah zu erleben.

Von Markus Füxl. Erstellt am 27. Juni 2018 (05:00)
Während bei einem Besuch des Zwettler Wurmhofes Thaller in Zwettl die Burschen der Neuen Mittelschule Gföhl Regenwürmer fütterten, suchten die Mädchen Kräuter und Blumen für eine gesunde Jause. Im Bild: Chiara Sekyra, Tiffany Riegler, Marlies Gärtner, Elisabeth Gössl, Leonie Wimmer, Elena Jäger, Michelle Wendling und Annemarie Canli (vorne) sowie Gabriele Thaller und Vanessa Kucera (hinten).
Markus Füxl

Wie viele Kinder wissen, wie frische Milch schmeckt, ein Bauernhof riecht oder sich eine Kuhzunge anfühlt? „Zu wenige“ sagt Milchbäuerin Anita Unger. Sie ermöglicht Schülern im Rahmen des Projekts „Schule am Bauernhof“ einen Einblick in den Alltag ihres Bauernhofes.

Etwa drei Stunden dauert ein Besuch bei ihr. Dabei erklärt sie den Kindern, woher ihre Frühstücksmilch kommt und welche Pflanzen rund um den Bauernhof wachsen. „Die Kinder können in den Stall gehen, die Tiere füttern und auf unseren Traktor klettern. Wir erklären ihnen die Maschinen und beantworten ihre Fragen“, sagt Unger.

Seit zwanzig Jahren ist sie Seminarbäuerin, 2013 machte sie die zertifizierte Ausbildung zum „Schule am Bauernhof“-Betrieb. Innerhalb von zehn Tagen werden die Landwirte in 80 Übungseinheiten entsprechend ausgebildet. Die Module gehen von Persönlichkeitsbildung und Kommunikation über Angebotsgestaltung und Sicherheit am Bauernhof. Am Ende des Kurses muss jeder Teilnehmer ein Drehbuch für seinen Tag mit den Kindern gestalten und präsentieren.

Im Bezirk Zwettl gibt es heuer zehn „Schule am Bauernhof“-Betriebe, mehr als in den restlichen Bezirken im Waldviertel zusammen. Niederösterreichweit liegen nur mehr Amstetten (17 Betriebe), Neunkirchen (12) und St. Pölten (13) vor Zwettl.

Unger: "Nachfrage steigt"

„Die Nachfrage der Schulen steigt, am wichtigsten ist für uns die Mundpropaganda der Lehrer“, sagt Unger. Schulen aus dem ganzen Waldviertel kommen mittlerweile zu ihr, zuletzt eine Klasse aus Krems.

Auch am Zwettler Wurmhof von Wolfgang und Gabriele Thaller können Schulgruppen das Leben auf dem Bauernhof hautnah erleben. Bei einem Besuch der NÖN am 25. Juni war eine Klasse der Neuen Mittelschule Gföhl mit Öko-Schwerpunkt zu Gast.

„Schulen kommen vor allem dann, wenn in Biologie das Thema ‚Regenwurm‘ durchgenommen wird“, sagt Gabriele Thaller. Seit 2014 ist sie und ihr Mann bei dem Projekt dabei. Sie begrüßt das ganze Jahr über Schulklassen, die höchste Frequenz herrsche aber gerade jetzt zu Schulschluss. Gabriele Thaller betonte die Wichtigkeit des Erfahrens mit allen Sinnen: „Die Natur ist ein Kreislauf. Das ab dem Kindesalter zu verstehen ist sehr wichtig.“

Bei einem Rundgang durch den Betrieb konnten die Schüler den Werdegang vom Mist über den Kompost für die Würmer bis zum wertvollen Dünger nachverfolgen. Als Stärkung bereiteten sich die Schüler selbst eine gesunde Jause mit Kräutern und frischer Butter zu.

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