Wohin geht’s im Sommer? Tourismus soll wieder abheben. Die Grenzen sind wieder offen, Lockdown ist keiner in Sicht. Eine ganze Branche atmet jetzt wieder auf, auch im Bezirk Zwettl.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 09. Juni 2021 (04:27)
Das Falknerei- und Greifvogelzentrum ist laut dem Internetportal familienausfluginfo.at eines der beliebtesten Ausflugsziele in Niederösterreich. Steil hinauf soll es nach dem Lockdown jetzt sowohl für die Vögel als auch bei den Tourismuszahlen gehen.
Greifvogelzentrum, Greifvogelzentrum

Die Ferne ruft wieder. Nach Monaten des Eingesperrtseins ist das Fernweh bei manchen so stark wie nie zuvor. Zumindest Reisen ins nähere Ausland gewinnen nach mehreren Lockerungsschritten wieder an Beliebtheit.

Nachfrage kehrt zurück. Das merkt man auch im Zwettler Reisebüro Kerschbaum. Seit etwa zwei Wochen habe man laut Nikola Kerschbaum zumindest „halbwegs offen“. „Die Lockerungen der Einreisebeschränkungen haben sehr geholfen und Vertrauen zurückgegeben. Die Nachfrage ist auf alle Fälle da“, erzählt sie. Beliebt seien vor allem Flugreisen nach Griechenland. „Das Land ist bereits seit Mitte Mai wieder für Touristen geöffnet. Zudem herrschen dort klare Strukturen, was die Einreise betrifft“, erklärt Kerschbaum. Diese Kombination würde Griechenland zurzeit zum Spitzenreiter der Urlaubsdestinationen machen. Daneben würden aber auch Italien, Kroatien und natürlich Österreich selbst nachgefragt werden.

Keine einheitliche Regelung. Vorsicht bei der Reiseplanung ist trotzdem noch geboten. Die Regelungen bei der Einreise seien noch nicht stabil und auch von Land zu Land unterschiedlich. „Wir müssen jeden Tag auf die Homepage des Außenministeriums schauen, ob nicht irgendwelche Neuerungen kommen“, schildert Kerschbaum. Auch für einheitliche Reisebestimmungen der Urlaubsländer wäre es für sie so langsam an der Zeit. Die Hoffnungen liegen auf Juli und der Einführung des grünen Passes, der das ganze Prozedere erleichtern soll. „Zurzeit muss man sich aber auch noch einen Tag vor Reiseantritt informieren, weil sich schnell alles wieder ändern kann.“

Kurzfristige Buchungen im Trend. Mit den Buchungen geht es zwar bergauf, doch von einem normalen Jahr ist man natürlich noch weit entfernt. „Die Buchungen für den Sommer sind normalerweise spätestens im Februar erledigt“, erklärt Kerschbaum. Bis zum Mai gab es heuer allerdings nicht einmal Angebote. Zumindest die Planbarkeit sei jetzt aber wieder gegeben. In Corona-Zeiten seien kurzfristige Buchungen ohnehin die erste Wahl von Urlaubern. „Wir hoffen, dass im Juli und August noch viele kurzfristige Buchungen hereinkommen. Der Grundstein für den Reiseverkehr wurde bereits von den Urlaubsländern und auch Österreich gelegt.“

Busse stehen großteils. Bei den Busunternehmen ist die Reiselust dagegen noch nicht wirklich angekommen. Gruppenreisen sind verständlicherweise immer noch ein schwieriges Thema. Auch für Busunternehmer Christian Pichelbauer sind die Aussichten gerade nicht rosig. „Jetzt zum Schulschluss haben wir maximal ein paar vereinzelte Schulklassen, die etwas unternehmen. Wirkliche Bewegung, wie wir sie von früher gewohnt sind, haben wir aber keine“, erzählt Pichelbauer. So seien auch keine touristischen Reisen in Sicht.

Fehlendes Interesse. „Wir dürfen zwar eigentlich schon wieder fahren, aber es fehlt das Interesse, und viele trauen sich auch einfach nicht“, erklärt Pichelbauer. Da zumindest mit den Schulausflügen ein leichter Aufwärtstrend zu spüren ist, wurde ein weiterer Bus reaktiviert. Der Rest bleibt aber vorerst abgemeldet. „Wir hoffen, dass die Nachfrage in nächster Zeit zumindest ein wenig steigt.“ An größere Busreisen im Sommer glaubt er aber nicht mehr. „Wir brauchen ja auch einiges an Vorlaufzeit für die Planung. Ich denke, dass frühestens im Herbst wieder etwas zustande kommen kann. Den Sommer halte ich für unwahrscheinlich“, erklärt der Busunternehmer. Auch finanziell würde die Lage dadurch angespannt bleiben, und Besserung ist vorerst keine in Sicht.

Ausflugsziele in der Natur wieder beliebt? Deutlich bergauf geht es dagegen bei den heimischen Ausflugszielen. Schon im Vorjahr merkte man vielerorts einen regelrechten Boom beim „Urlaub daheim“. Ganz so extrem ist es im Bärenwald Arbesbach nicht, aber seit den Öffnungsschritten schießen die Besucherzahlen wieder etwas in die Höhe. „Wir sind bereits gut besucht“, berichtet Geschäftsführerin Sigrid Zederbauer. Auch die „drei G“ würden auf immer mehr Akzeptanz stoßen. Ganz reibungslos sei die ganze Regelung aber zu Beginn nicht abgelaufen. „Mittlerweile wissen die Gäste aber, dass es ohne nicht geht. Herausfordernd ist die Regelung aber weiterhin.“

Prognosen für den Sommer seien jetzt noch schwierig. In erster Linie würden Reisegruppen noch fehlen. Dieses Defizit musste man auch im Vorjahr schon hinnehmen. „Damals konnten wir das zumindest mit vielen Individualgästen kompensieren. Anders als heuer herrschten aber auch nicht so viele Auflagen.“ Ein paar Anfragen von Reisegruppen und auch Schulklassen gäbe es zumindest schon für den Herbst. „Da ist es natürlich schwierig, weil sich die Vorgaben bis dahin noch ändern können“, sagt Zederbauer.

Greifvogelzentrum als beliebtes Ausflugsziel. Freuen darf sich das Niederösterreichische Falknerei- und Greifvogelzentrum in Waldreichs. Laut dem Internetportal familienausfluginfo.at ist das Zentrum bei den beliebtesten Familienausflugszielen vorne mit dabei. 2018 gegründet, umfasst die Datenbank des Onlineportals mittlerweile über 6.000 Ausflugsziele. Anhand von 1,5 Millionen Bewertungen wurden aus diesen die beliebtesten Ziele ermittelt, wo eben auch das Greifvogelzentrum für den Zwettler Bezirk vertreten ist.

Hotels wieder gefragt. Aufwind hat nach den langen Monaten des Lockdowns auch die Hotelbranche. „Die Buchungslage ist bereits wieder sehr gut“, berichtet Markus Hann, der Marketingleiter der Schwarzalm. Auch die Nachfrage sei seit den Öffnungsschritten ungebrochen. In dieser Hinsicht hätte man die besten Voraussetzungen für einen guten Sommer im Hotel. „An den nächsten Wochenenden sind wir schon ausgebucht, soweit es mit den Einschränkungen möglich ist“, sagt Hann. Zusätzlich steht eine Erweiterung der Kapazitäten mit den Lockerungen zum 10. Juni an. Bisher vergab das Hotel nur einen Teil der Zimmer, um sicher in die Zeit nach dem Lockdown zu starten.

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