Wolf kam fast bis in den Stall. In den letzten Tagen schlug „Meister Isegrim“ mehrfach im Bereich Langschlag und Arbesbach zu. Lösung auf politischer Ebene wird gefordert.

Von Brigitte Lassmann-Moser. Erstellt am 08. August 2018 (05:01)
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Mehrere tote Schafe und Lämmer und ein „Besuch“ im Kuhstall, der nicht ohne Folgen blieb, dazu mehrere Sichtungen: Der Wolf macht derzeit wieder kräftig von sich reden.

Innerhalb weniger Tage kam es im Bezirk Zwettl zu verschiedenen Vorfällen. In Siebenhöf in der Gemeinde Langschlag etwa wurden – und das auf einer Koppel, die nur zehn Meter vom Haus entfernt ist – vier schlachtreife Lämmer vom Wolf attackiert.

Zwei mussten nach diesem Angriff notgeschlachtet werden, eines war bereits tot, vom vierten fand man nur noch Innereien. Ein DNA-Abgleich bestätigte, dass es sich um einen Wolfsriss handelt. In Siebenhöf und Stierberg in der Gemeinde Langschlag kam es in den letzten Tagen zu weiteren Schafsrissen, die ziemlich eindeutig einem Wolf zugeordnet werden können.

Sieben Schafe in Bruderndorf gerissen

privat

Ganz aktuell soll der Wolf in der Nacht auf Dienstag im Ortsteil Bräuhof in Bruderndorf zugeschlagen haben, wo er fünf Schafe riss, zwei Tiere sind verschwunden, wie Jagdaufseher Alfons Payr der NÖN berichtet. Wolfsbeauftragter Georg Rauer war bei Redaktionsschluss auf dem Weg ins Waldviertel, um auch hier DNA-Proben zu entnehmen, die im Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie analysiert werden.

In Rammelhof in der Gemeinde Arbesbach dürfte ein Wolf fast bis in den Kuhstall vorgedrungen sein. Im Auslauf soll er jedenfalls eine Kuh, der der Schwanz abgebissen, und ein Kalb verletzt haben. Aufschlüsse, ob es sich dabei tatsächlich um eine Wolfs-Attacke handelt, muss die DNA-Analyse zeigen, deren Ergebnis aber noch nicht vorliegt. Laut Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker geht Rauer davon aus, dass sich die Kühe auch selbst verletzt haben könnten, was aber eher untypisch ist. „Der Besitzer hat mir aber erzählt, dass die Kühe sehr verängstigt sind und gar nicht mehr aus dem Stall wollen. Also muss etwas passiert sein“, vermutet Kernecker.

„Irgendwann wird man sich etwas überlegen müssen!“Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker

Der Angriff in Rammelhof sei bereits der dritte Vorfall in seiner Heimatgemeinde Arbesbach, betont der Bezirksvorsitzender der SPÖ, Herbert Kraus. „Der Wolf war für 100 Jahre ausgerottet und die Besiedlung hat sich in dieser Zeit stark verändert. Gegen die Rückkehr ist grundsätzlich nichts einzuwenden, man muss aber die Veränderungen doch sehen. Wenn er wie jetzt in Zonen wie dem Truppenübungsplatz bleibt, ist es kein Problem. Sollte er aber Gefahr für die Bevölkerung bringen, wie das Eindringen in Siedlungen oder Ställen, sollte über eine gezielte Entnahme nachgedacht werden,“ meint Kraus.

Zusätzlich zu den Wolfs-Attacken kommen noch zahlreiche Sichtungen, wie etwa am Samstagvormittag zwischen Grafenschlag und Lugendorf, bei der sogenannten Hausmühle, wo einem Jagdkollegen bei einer Revierfahrt eine Wölfin mit zwei Jungtieren über den Weg lief, wie der zuständige Hegeringleiter Josef Meneder im Gespräch mit der NÖN bestätigt. „Der Wolf wurde eindeutig identifiziert“, so Mender, der zwar keine Panik aufkommen lassen möchte, aber meint, „dass wir mit dem Wolf leben werden müssen“. Gesichtet wurde der Wolf in letzter Zeit auch hinter dem Betonwerk in Lugendorf, bzw. gibt es Aufnahmen von Wildkameras, die „Meister Isegrim“ etwa im Grenzgebiet zwischen Nieder- und Oberösterreich zeigen.

Laut Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker wollen sich der Landes- als auch der Bezirksjagdverband aus der Wolfsdebatte heraushalten. „Das ist nicht unsere Aufgabe und wir haben überhaupt keine Möglichkeit, irgendetwas zu machen. Wenn wir uns einmischen, heißt es gleich, dass es den Jägern nur ums Abschießen geht“, fürchtet Kernecker.

Druck auf Politik muss erhöht werden

Gefordert seien, so der Bezirksjägermeister, in erster Linie die Landwirtschaftskammer, die Druck auf die Politik, eventuell auch auf EU-Ebene, ausüben müsse. „Das Problem kann nur politisch gelöst werden“, meint Kernecker. „Ein Wolfsrudel verdoppelt sich alle paar Jahre. Irgendwann wird man sich etwas überlegen müssen“, so Kernecker.

Bei wiederholten Schadensfällen in einem bestimmten Bereich müsste man eben einmal einen Wolf entnehmen können. Er geht davon aus, dass sich die Problematik weiter verschärfen wird, fürchtet aber gleichzeitig, dass man „wie beim Biber etwa so lange zuschauen wird, bis man nicht mehr regulierend eingreifen kann“. Etwas drastischere Worte wie der Bezirksjägermeister findet ein Waidmann: „Muss der Wolf erst einen Mountainbiker vom Radl reißen…?“

Übrigens wütet der Wolf derzeit nicht nur im Bezirk Zwettl, sondern auch im Nachbarbezirk Gmünd. Dort schlug „Meister Isegrim“ mit größter Wahrscheinlichkeit in der Vorwoche mehrfach zu: Ihm werden fünf gerissene Schafe in Angelbach und eines in Rindlberg (Marktgemeinde Bad Großpertholz) zugeschrieben.