Bezirk Zwettl: Eine Frage des Gleichgewichts

Erstellt am 25. Jänner 2023 | 04:04
Lesezeit: 4 Min
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Bodenversiegelung ist in ganz Österreich ein Problem.
Foto: Symbolbild/Shutterstock (Denis Starostin)
Raumordnung, Entsiegelung, Förderungen – die Bezirks-Spitzenkandidaten über ihre Lösungsansätze gegen Bodenversiegelung.
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Foto: NOEN

Rund 11,5 Hektar – das entspricht der Größe von zwölf Fußballfeldern – werden in Österreich täglich versiegelt. Laut Daten des Umweltbundesamtes verbraucht allein Niederösterreich täglichen 2,5 Hektar. Wo sehen die Spitzenkandidaten die Gefahren der Bodenversiegelung und wie könnte man diesen entgegenwirken?

Voraussetzung für sauberes Trinkwasser

„Da Boden nicht mehr vermehrbar ist, Klimawandel Realität ist, muss man die Bodenversiegelung im Zaum halten“, ist SPÖ-Spitzenkandidat Herbert Kraus überzeugt. Silvia Moser (Grüne) weist auf die vielfältigen Folgen der Bodenversiegelung hin: „Gesunde Böden sind die Grundlage für unsere Nahrungsmittelproduktion, sie gewährleisten sauberes Trinkwasser und sind als Lebensraum wichtig für unsere Artenvielfalt.“ Dieser Problematik ist sich auch Alois Kainz (FPÖ) bewusst: „Der Wasserhaushalt kommt aus dem Gleichgewicht, eine Folge ist die Klima-Erwärmung“. Er ortet auch weitreichende Folgen im Bereich des Tourismus durch einen Verlust der ländlichen Strukturen.

Prisca Preis (NEOS) formuliert es ganz drastisch: „Durch zügellose Bodenversiegelung nehmen wir dem Boden im Waldviertel nicht nur die Luft zum Atmen, sondern zerstören auch die Biodiversität in unserer Gegend.“ Mit negativen Konsequenzen für die Landwirtschaft, wie ÖVP-Listenerster Franz Mold anmerkt. „Wir verlieren jährlich 0,5 % unserer Ackerflächen. Wenn zu viel wertvoller Ackerboden verloren geht, werden wir bei unseren Lebensmitteln immer abhängiger vom Ausland“, gibt Mold zu bedenken.

Doch welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um diesen Kreislauf zu stoppen und der rasanten Bodenversiegelung Einhalt zu gebieten? Silvia Moser: „Am wichtigsten ist das Raumordnungsgesetz, dafür sind die Länder zuständig. Die Gemeinden brauchen Instrumente in der Raum- und Bauordnung, um verantwortungsvoll vorzugehen“. Prisca Preiss fordert sogar, die Flächenwidmung, die derzeit in die Zuständigkeit der Gemeinden fällt, künftig zur Landessache zu machen, „denn mit Blick auf die Kommunalsteuer gibt es für die Gemeinden keinen Anreiz, um Flächen zu sparen.“ Dadurch käme es immer wieder zu Fällen von Widmungskorruption.

Lösungsansatz: Nicht am Ortsrand bauen

Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Reduktion der Bodenversiegelung sei die Ortskernbelebung, meint Herbert Kraus: „Wir müssen die Ortskerne lebendig halten und nicht immer an den Ortsrand bauen“. Dafür notwendig seien entsprechende Förderungen, um alte, unbewohnte Häuser, die nicht unter Denkmalschutz stehen, durch Neubauten zu ersetzen – mit Rücksicht auf das Ortsbild.

Alois Kainz fordert einen „verantwortungsvollen Umgang“ mit dem bestehenden Boden und könnte sich auch Förderanreize vorstellen, um etwa Rasensteinpflaster oder Ähnliches zu verlegen, zusätzlich zu mehr Information und Bewusstseinsbildung. Auch bei der Erschließung von Radwegen solle auf die Bodenversiegelung Rücksicht genommen werden, aufgelassene Industriestandorte und Einkaufszentren müssten entsiegelt werden.

Entsiegelung ist für Franz Mold eine sinnvolle Maßnahme. Er schlägt einerseits die Entsiegelung von Flächen vor, die nicht dauerhaft befahren werden, andererseits – so wie Kainz – die vermehrte Nutzung von Rasengittersteinen z. B. auf Parkplätzen. „Das Bundesland gewährt dazu derzeit eine Entsiegelungsprämie“, sagt er.

Ein besonders sensibles Thema bei dieser Debatte ist die Aufschließung von Baugründen. Ist es wirklich notwendig, dass neue Baugründe aufgeschlossen werden? Ein klares Bekenntnis dazu kommt dazu von der ÖVP. „Ja, denn unsere jungen Familien am Land wollen im Eigenheim wohnen und nicht in einer Wohnhausanlage. Nur so können wir der Abwanderung entgegenwirken“, bekräftigt Mold.

Baugründe in vernünftigem Maß

„Ganz ohne wird es nicht gehen, aber man sollte es so gering wie möglich halten“, ist die Überzeugung von Herbert Kraus. Dem schließt sich auch die grüne Listenerste an. „Es wird in vernünftigem Maß neue Baugründe geben, dies aber unbedingt im Einklang mit Natur- und Klimaschutz“, meint Silvia Moser, die aber fordert, dass zuerst vorhandene Flächen genutzt werden. „Werden Flächen im großen Stil gehortet, sind Rückwidmungen möglich“, so Moser weiter. FPÖ-Spitzenkandidat Kainz spricht sich für eine individuelle Beurteilung in den Gemeinden aus. Die Gemeinde müsse einen aktuellen Kataster mit den dazugehörenden Parzellennummern vorlegen können, um eine Übersicht zu haben, welche und wie viele bereits vorhandene gewidmete Baugründe es gäbe, die nicht bebaut und an keinen Bauzwang gebunden sind.

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