Bezirk Zwettl: Nikolaus kommt heuer per Video. Dass der Nikolaus ein Jahr lang ausfällt, kommt für Robert Sulm nicht in Frage. Er hat sich etwas Anderes überlegt.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 02. Dezember 2020 (04:59)
Robert Sulm ist seit 25 Jahren als Nikolaus unterwegs.
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Viel Verunsicherung herrschte in der letzten Woche zum Thema Nikolaus. Eigentlich fällt der 6. Dezember noch in den Lockdown und Abstand halten lässt sich zudem schwer mit dem Gedanken des Brauches vereinbaren. Die Entscheidung wurde aber getroffen, zugunsten des Nikolauses. Hausbesuche sind erlaubt, doch stark eingeschränkt. Bis zur Haustür darf der Nikolaus kommen. Dann ist Endstation. Manche nehmen den Kompromiss in Kauf, andere nicht und sagen ihre Auftritte für heuer ab.

Eine Videobotschaft vom Nikolaus. Einen anderen Weg beschreitet Robert Sulm. Seit 25 Jahren schlüpft er in den roten Mantel und lässt die Kinderaugen in Bad Traunstein und Grafenschlag strahlen. „Nachdem die Auflagen der Regierung nicht wirklich etwas zulassen, werde ich diesmal Videos für die Kinder drehen“, erzählt Sulm. Auf diese Weise soll der Nikolaus doch irgendwie da, ohne selbst anwesend zu sein. Während das Kind sich das Video ansieht, können die Eltern das Sackerl vor die Tür stellen.

Der Nikolaus darf nicht Pause machen. Im Vorhinein bittet er die Kinder, ihm einen Brief zu schreiben oder etwas zu zeichnen. Dadurch kann er das Video für jeden individuell gestalten. „Es geht mir mit dieser Alternative darum, den Kindern zu zeigen, dass der Nikolaus nicht auf sie vergessen hat“, erklärt Sulm.

Schließlich könne der Nikolaus ja nicht einfach ein Jahr Pause machen. Dass ihm der Kontakt zu den Kindern abgehen wird, kann er aber jetzt schon sagen. Normalerweise wäre die Nikolausandacht in der Grafenschlager Kirche eines der Highlights des Jahres. Auch der Kindergartenbesuch muss heuer ausfallen. Dabei war gerade dieser der Anstoß zur Nikolauskarriere. „Vor 25 Jahren wurde ich gefragt, ob ich nicht einspringen will, nachdem der übliche Nikolaus ausgefallen ist“, erzählt Sulm vom Schlüsselmoment.

Robert, der Nikolaus. Seither haben es ihm die leuchtenden Kinderaugen angetan. In den Kindergarten geht er übrigens normal angezogen. In den roten Mantel schlüpft er vor und mithilfe der Kinder. Viele kennen ihn ohnehin auch als Robert. „Wenn ich dann aber die Handschuhe anziehe und den Stab in die Hand nehme, dann bin ich für die Kinder plötzlich nicht mehr der Robert, sondern der Nikolaus. Dann ist es mucksmäuschenstill“, erzählt er.

Anschließend kommen die Kinder zu ihm, um sich ihre Sackerln zu holen, manche zitternd vor Ehrfurcht. „Den Kindern eine Freude machen, das ist das Wichtigste“, meint Sulm. Zusätzlich erzählt er auch immer wieder gerne die Geschichten vom echten Nikolaus von Myra. Vorbereiten muss er sich nach 25 Jahren nicht mehr. „Ich weiß mittlerweile, was man sagen muss.“

Auch ganz wichtig: Der Bart. „Das mit dem künstlichen Bart ist nix. Die Kinder zupfen dran und er verschiebt sich und ist unangenehm. Wenn der Bart nicht echt ist, dann ist der ganze Nikolaus nicht echt“, meint er. Deshalb lässt er die Haare seit einigen Jahren ab September wachsen. Nach dem 6. Dezember geht es dann aber doch immer schnurstracks zum Friseur.

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