Neues Bier für die Waldviertler

Markus Rametsteiner aus Brunn will sich mit seinem selbst gebrauten „Maxbier“ in der Waldviertler Brauereilandschaft behaupten.

Sebastian Dangl Erstellt am 24. September 2021 | 06:30
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Markus Rametsteiner präsentiert die vier tierischen Sorten seines selbst gebrauten „Maxbieres“.
Foto: privat

Ein neuer Stern geht gerade am Waldviertler Bierhimmel auf. Nach Jahren des privaten Bierbrauens will Markus Rametsteiner aus Brunn (Gemeinde Arbesbach) seine Kreationen auch einem breiteren Publikum zugänglich machen. Sein „Maxbier“ macht in regionalen Kreisen, wie am Arbesbacher Regionalmarkt bereits die Runde. Große Pläne für die Zukunft lassen aber auf noch viel mehr hoffen.

So ist der Braumeister aktuell in einem großen Prozess des Umbruchs. „Seit Jahresbeginn betreibe ich das Brauen ernsthaft, nachdem ich zuvor bereits mehrere Jahre für mich und Familie und Freunde gebraut habe“, erzählt Rametsteiner. Mit der Präsenz auf Märkten, wie eben in Arbesbach, machte er sich einen ersten Namen. So richtig durchstarten möchte der Bierbrauer dann Anfang 2022.

„Aktuell arbeite ich noch mit reduziertem Betrieb. Die Infrastruktur ist noch lange nicht fertig“, berichtet er. So fehlt es beispielsweise noch an Verpackungen oder Bierdeckeln, wie es sich für gute Biervermarktung gehört. Ausschlaggebend sei auch, dass die Produktionsmenge noch nicht ausreichend ist, um das Bier groß zu bewerben. „Es bringt nichts, wenn viele Leute Interesse haben, ich aber nicht liefern kann“, betont er.

Kreationen mit klingenden Tiernamen

Derzeit produziert Markus Rametsteiner etwa 200 bis 400 Liter im Monat. Mit Februar oder März will er das Fünf- bis Zehnfache davon erreichen. Der Brauraum daheim am Klein Stolzenthaler Hof soll dafür ausgebaut und mit größeren Tanks erweitert werden.

Vier naturbelassene Biersorten bilden das Kernabgebot des Stolzenthalers, neben saisonalen Angeboten wie Weizen- oder Bockbier. Mit amüsanten, an Tieren angelehnten Namen, stechen die Flaschen sofort heraus. So taufte Rametsteiner eine seiner Kreationen zum „Liebhabär Merzen“.

Die anderen Biere hören auf klingende Namen wie „Ziegolo Helles“, „Waldrammler Pils“ oder „Zwitscherer“, ein American Lager Bier. Alles Namen, die hängen bleiben – neben dem Geschmack hoffentlich. Die Tierverliebtheit der Kinder brachte den Braumeister zur kreativen Namensgebung. Die Begeisterung für das Bierbrauen ist Markus Rametsteiner sofort anzusehen. „Der Prozess hinter dem Bierbrauen hat mich schon fasziniert, als ich noch in der Wiener Gastbrauerszene um die Jahrtausendwende tätig war“, schildert er. „Ich wollte wissen, was dahintersteckt und dachte mir dabei, dass man das ja auch einfach selbst mal ausprobieren könnte.“

Es folgten erste Gehversuche über die Jahre, eine Zeit, die von Experimentierfreudigkeit geprägt war. „Wenn man heute mit dem Brauen anfängt, gibt es zahlreiche Rezepte, an denen man sich orientieren kann. Das war bei mir nicht so. Ich wollte das Bier ‚schmecken‘ lernen und wie sich die einzelnen Komponenten auf den Geschmack auswirken“, erzählt er. Über 150 Kreationen entstanden so über die Jahre. „Da hat der Geschmack manchmal gepasst, manchmal aber halt auch nicht. Das gehört zum Experimentieren dazu.“

Vom Kochtopf zum vernünftigen Tank

Auch das Equipment wuchs mit der Zeit immer weiter. Die Zeiten, in denen er rustikal in einem Kochtopf braute, waren irgendwann vorbei. Für die grundlegenden Prozesse des Bierbrauens, wie das Schroten des Malzes oder das Ansetzen der Hefe, würde laut ihm ein simpler Topf aber reichen. Das heißt nicht, dass ein vernünftiger Tank zum Gären nicht auch nützlich sein kann.

Der wichtigste Faktor hinter dem Geschmack des „Maxbieres“ bleiben letzten Endes trotzdem die Erfahrungen, die Rametsteiner über die Jahre sammeln konnte. Seine Kreationen vor einem größeren Publikum auf den Prüfstand zu stellen, sei der Ansporn hinter der Expansion. Aktuell noch im kleinen Rahmen, ist das Ziel, Anfang nächsten Jahres mit einem Ab-Hof-Verkauf zu starten. Zudem will Rametsteiner sein Bier auch in Geschäften anbieten und Partnerschaften mit Wirtshäusern schließen. Für Mitte 2022 sei sogar ein Online-Shop geplant. Eine eigene Website mit Updates und der Verfügbarkeit des Bieres soll aber schon diesen November online gehen.

Nicht genug, plant er im kommenden Jahr mit Braukursen noch mehr Menschen für das Bierbrauen zu begeistern. Damit verfolgt er ein weiteres Ziel, das nicht im Geringsten wirtschaftlich ist: „Ich will die Vielfalt fördern. Ich wünsche mir in Zukunft, dass wir weg vom Einheitsbier kommen und wieder mehr Spezialsorten sehen, wie es auch die großen Brauereien mittlerweile zum Glück wieder vermehrt machen. Diese Kultur war uns zeitweiße schon fast abhandengekommen. Wenn ich fünf Menschen fürs Brauen begeistern kann, sehe ich mein Ziel schon als erfüllt an.“