Schweiggers

Erstellt am 14. März 2019, 04:00

von René Denk

Hörmannserin veröffentlichte Tagebuch von Urgroßvater. Daniela Zellhofer stellt die Tagebuchaufzeichnungen ihres Urgroßvaters in der Bibliothek in Schweiggers vor

„Wir können uns das Leid des Krieges gar nicht mehr vorstellen“, sagt Daniela Zellhofer, die die Einträge ihres Urgroßvaters in neuem Guss veröffentlichte  |  René Denk

Eigentlich begann es damit, dass Daniela Zellhofer die Tagebucheinträge ihres Urgroßvaters Franz Oberbauer aus der Zeit des Ersten Weltkriegs lesen wollte. Nun hat sie die Memoiren ihres Vorfahren als „Tagebuch des Ersten Weltkriegs — Erlebnisse aus Feld und Gefangenschaft“ herausgebracht.

Zurück zum Anfang: Zellhofers Tante fand auf dem Dachboden die einzelnen Papierfetzen, sortierte sie, und fertigte für ihre Geschwister eine Kopie an. „Ich wollte es unbedingt lesen. Und vor allem wollte ich es in einem Zug lesen. Leider waren die Schriftstücke nicht gut lesbar, die Schrift war oft schon verblasst und sehr hell“, erzählt die 22-Jährige der NÖN. Also fing sie vor Jahren an, die Notizen ihres Urgroßvaters niederzuschreiben: „Es waren oft nur Stichworte und keine ganzen Sätze. Außerdem fing jeder Eintrag immer mit dem Datum an, was den Lesefluss auch ziemlich störte.“

Urgroßvater war auch Bürgermeister

Umso mehr sich Daniela Zellhofer mit den Notizen ihres Urgroßvaters auseinandersetzte — er stammte aus Stölzles bei Hirschbach und war von 1950 bis 1960 auch Bürgermeister der Gemeinde Limbach — desto mehr wollte sie auch andere Menschen an den Erlebnissen teilhaben lassen. Nachdem sie die Inhalte niedergeschrieben hatte, versuchte sie in sieben Fassungen, die Geschichte ihres Urgroßvaters immer mehr als Erzählung in der „Ich-Form“ aufzubereiten. Dabei galt für sie vor allem ein Credo: Nur das zu schreiben, was tatsächlich auch in den historischen Dokumenten stand und nichts dazu zu erfinden.

Anfang September 2018 hatte Zellhofer die Idee, das Tagebuch auch als Buch herauszubringen. Da sie einen Freund hat, der schon mehrere Bücher herausgebracht hatte, wandte sie sich an ihn, welcher alles weitere für sie abklärte.

Auf rund 100 Seiten finden sich die Erzählungen sowie die Gedichte, die Franz Oberbauer aufgeschrieben hatte, wieder. Sie sind in großer Schrift geschrieben, um das Taschenbuch auch für Ältere gut lesbar zu machen. Das Buch beginnt mit der „Assentierung“ des 20-Jährigen am 20. Februar 1915 im Hotel Assmann in Gmünd und reicht bis zu seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft am 16. November 1918. Die Einträge gehen aber nachher noch weiter und beleuchten, was in der Heimat nach dem Krieg passiert ist.

„Obwohl die Umstände so schrecklich waren, hat er immer auch das Gute und Schöne gesehen.“Daniela Zellhofer.

Im Verlauf des Buches wird von Kämpfen an der Front und relativ unspektakulär dargestellten Schrecken des Krieges berichtet. Krankheiten und psychische Belastungen bringen vielen Soldaten den Tod — zum Beispiel dadurch, dass sie mitten im Schützengraben einfach aufstehen und solange stehen bleiben, bis ihnen ein Geschoß die Erlösung bringt. Ein anderes Beispiel aus dem Buch: „Einige Baracken waren mit Cholerakranken gefüllt, viele verübten Selbstmord. Ich selbst wollte mit mehreren Kameraden fliehen, doch der Fluss Dnepr hinderte uns daran, da die Eisenbahnbrücke scharf bewacht wurde und keine andere vorhanden war.“

Oberbauer kämpfte an der Front und verharrte auch einige Zeit in russischer Gefangenschaft. „Trotz all der schwierigen Umstände war er immer voller Hoffnung. Obwohl diese so schrecklich waren, hat er immer auch das Gute und Schöne gesehen. Er berichtet immer von der schönen Umgebung, von herrlichen Weizenfeldern. Sein Tagebuch zeigt, dass die Einstellung extrem viel ausmacht“, will Daniela Zellhofer deutlich machen, dass die persönliche Einstellung sogar oft über Tod oder Leben entscheiden kann.

Neben der wichtigen Botschaft, immer auch das Schöne zu sehen, will Daniela Zellhofer mit dem Buch diejenigen ehren, welche im Krieg für ihr Land kämpften, und auch Familienangehörigen Trost spenden. „Es schildert auch, wie hart die Zeit des Krieges wirklich ist. Wir können uns dieses Leid gar nicht mehr vorstellen. Das darf nicht in Vergessenheit geraten, denn ich will nicht, dass wieder ein Krieg ausbricht“, betont die 22-jährige Hörmannserin.