Krumpöck vermittelt lebensnah Geschichte. Die Waldviertler Autorin beschäftigt sich in ihrem jüngsten Werk mit dem Jahr 1945 im Raum Arbesbach.

Von Brigitte Lassmann-Moser. Erstellt am 30. Mai 2015 (07:30)
NOEN, Brigitte Lassmann-Moser
Präsentierte in der Vorwoche in Arbesbach ihr jüngstes Werk »Werwölfe im Waldviertel?«: die Waldviertler Autorin Ilse Krumpöck.

Exakt auf den Tag genau 70 Jahre nach einem dramatischen Vorfall in Arbesbach präsentierte die Waldviertler Autorin Ilse Krumpöck ihr jüngstes in der edition innsalz erschienenes Buch: „Werwölfe im Waldviertel? – Das Jahr 1945 im Granithochland“.

Am 19. März 1945 wurden acht blutjunge Hitlerjungen auf dem Scheibner Kirchensteig bei Arbesbach von zwei entlassenen KZ-Häftlingen aus Mauthausen erschossen. Viele Jahre später, 1986, wurde für sie ein Gedenkstein errichtet.

"Ausschnitt der Zeitgeschichte vermitteln"

Durch diesen wurde Krumpöck auf die Geschichte aufmerksam. Und begann zu recherchieren… Herausgekommen ist ein spannendes Werk, in dem die studierte Kunstgeschichtlerin, die seit etlichen Jahren in Bad Traunstein beheimatet ist, mittels Zeitzeugen-Berichten, Auszügen aus Chroniken sowie eigenen Recherchen das Jahr 1945 im Raum Arbesbach aufrollt.

Krumpöck wollte mit diesem Buch „einen kleinen Ausschnitt der Zeitgeschichte lebensnah vermitteln“. „Über die Mittel chronologisch gereihter Ergebnisse, die die mühsamen Recherchen nach und nach zu Tage bringen, sollten der Zugang zu einem brisanten Thema hergestellt, Spannung vermittelt und durch den Mikrokosmos einer kleinen, aber symptomatischen Dorfgeschichte die ,großen‘ Geschehnisse des Kriegsendes in Europa veranschaulicht werden“, so die Autorin. Damit wollte sie einen „kleinen Beitrag zum 70-Jahr-Jubiläum des Kriegsendes leisten“.

Viel Unterstützung bei Recherchen 

Die Autorin hat während ihrer Recherchen viel Unterstützung erfahren, es wurden im Ort aber auch viele Stimmen laut, die gemeint haben, man möge die Vergangenheit ruhen lassen. Krumpöck aber ließ sich nicht beirren: „Nach 70 Jahren scheint es mir legitim, die historischen Ereignisse ungeschönt aufzudecken.“

Die Recherchen brachten auch eine Überraschung: Einer der Getöteten, der auf dem später errichteten Gedenkstein als eines der Opfer verewigt ist, lebt noch. Er sei sehr verwundert gewesen, als er von seinem angeblichen Tod im Mai 1945 erfuhr und Fotos von seinem Grabstein sah. Ihm dürfte damals in Zwettl seine Identität gestohlen worden sein.

Am 19. Mai 2015, 70 Jahre nach dem Erschießungstod der acht Jugendlichen, las Krumpöck im Gasthaus Bauer in Arbesbach aus dem druckfrischen Buch. Die Brüder Gabriel, Jonas un Raphael Holzmann sorgten für den musikalischen Rahmen der doch sehr bedrückenden Lesung.


Ilse Krumpöck: „Werwölfe im Waldviertel? – Das Jahr 1945 im Granithochland“, edition innsalz, 291 Seiten, zahlreiche Fotografien.