Neunte Woche "Homeschooling" - ein Erfahrungsbericht. Fehlender Lerneifer, überforderte Eltern und die Angst vorm Sitzenbleiben: Die Mutter Bianca Koppensteiner aus Rieggers berichtet vom schwierigen Schulalltag in der Coronapandemie:

Von Red. Zwettl. Erstellt am 07. April 2021 (17:02)
Homeschooling - Symbolbild
APA (dpa)

Können Sie sich noch an die erste Klasse Volksschule erinnern? Schulanfang im September. Manche Kinder können sich noch gar nicht richtig vorstellen, was Schule bedeutet. Zuerst einmal das Kennenlernen, ruhig sitzen bleiben, Aufgabe machen, eine Struktur, beziehungsweise einen Ablauf finden.

Viele Leute wussten da noch gar nicht recht, ob die Schule nicht bald wieder zusperrt, aber Hauptsache wir machen Herbstferien. Egal ob es den Eltern recht ist oder für die Kinder gut ist. Dann am 17. November der zweite Lockdown in Österreich. Die Schüler sind drei Wochen im Homeschooling, keine Verbindung zur Lehrerin, in der 1. Klasse Volksschule natürlich nicht möglich. Wie bringt man einem Kind das richtige Schreiben bei, wenn das Kind nicht wirklich mit der Mutter lernen will? Dafür gibt es ja normalerweise die Schule und die Lehrerin.

"Es wird immer schlimmer"

Kennen Sie das Gefühl nach einem Urlaub? Es ist am Anfang richtig schwer, wieder in den Arbeitsrythmus zu finden und genau so geht es natürlich unseren Kindern. Je länger der Urlaub, desto schwieriger ist es. Nach den Weihnachtsferien wieder drei Wochen Homeschooling bis zu den Semesterferien. Anfang Februar dann endlich ein paar Wochen richtig Schule. Mein Sohn ist erst jetzt richtig „aufgetaut“.

Das Schulegehen macht ihm Spaß und er hat Vertrauen zur Lehrerin bekommen. Leider unterbrechen die Osterferien diese Routine. Nun sind wir mittlerweile in der neunten Woche Homeschooling angekommen. Der Eifer für das Lernen daheim ist noch immer nicht gegenwärtig. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer.

Defizite schwer aufzuholen

Mein Sohn wird höchstwahrscheinlich die erste Klasse noch einmal machen. Er wird im Juni sieben und kann die Defizite in Deutsch nicht aufholen, beziehungsweise will ich es ihm in der zweiten Klasse nicht unnötig schwer machen. Irgendwann könnte ja dann die Freude verloren gehen. Ich verstehe, dass die Situation in Wien vielleicht diese Maßnahmen erfordert hatte, beziehungsweise es jetzt auch wieder unbedingt notwendig ist, bei uns im Waldviertel wahrscheinlich eher nicht.

Wie es den Müttern dabei geht, die Haushalt, weitere Kinder oder vielleicht die Arbeit auch noch schaffen soll, davon rede ihr hier jetzt gar nicht. Vor allem muss man nicht nur die Bildungsdefizite beachten, sondern die psychologische Wirkung dieses Corona-Schuljahres!