Zwettler Clemens Kurz ist der Mann mit den Katjes-Päckchen

Clemens Kurz ist Country Manager bei Katjes. Er hat die „einfach sympathischen Produkte“ in Österreich mitaufgebaut.

Erstellt am 09. Januar 2022 | 05:02
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8257989_zwe52zwettl_clemens_kurz.jpg
Clemens Kurz auf der ISM, der weltgrößten Süßwarenmesse in Köln, vor dem Katjes-Messestand.
Foto: NÖN

Am einen Tag steht er im Anzug vor einem internationalen Vertriebsteam in Barcelona, am anderen Tag sitzt Clemens Kurz bei der Feuerwehr auf einer Heurigenbank. Das ist ein starker Gegensatz – genau den wollte der 39-Jährige aber auch. Er arbeitet seit 2015 als Country Manager für Österreich beim deutschen Süßwaren-Unternehmen Katjes. Und das obwohl er nach spannenden Berufsjahren ins Waldviertel zurückgekehrt ist und jetzt in Rottenbach bei Zwettl lebt: von Auslandspraktika, dem Heimkommen und „einfach sympathischen Süßigkeiten“.

Anzeige
440_0008_8257988_zwe52zwettl_clemens_kurz_katjes.jpg
„The Future ist plant-based“: Passendes Statement auf dem Katjes-Werk in Potsdam (Deutschland).
Foto: Foto privat

Als Clemens Kurz vor sechs Jahren zu Katjes gekommen ist, war seine Aufgabe klar: Er sollte die Marke am österreichischen Markt weiter aufbauen. Katjes hatte zudem gerade die Vertriebslizenz für Wick Hustenbonbons in Europa übernommen, auch das galt es umzusetzen. Ob es ihm gelungen ist? Dazu später mehr. „Dass ich in der Markenartikel-Branche lande, war ein Zufall. In dem Bereich gibt es immer Aufstiegschancen, aber was hinter alldem steckt, weiß man nach dem Studium nicht“, sagt er. Dabei hat Kurz 2008 das Studium Unternehmensführung & E-Commerce an der Fachhochschule Krems abgeschlossen.

Auslandspraktika haben den Horizont erweitert

Im Zuge des Studiums war er zweimal für Praktika im Ausland – einmal in Spanien und einmal in London. Von dort habe er viel mitgenommen, sei auch gefördert worden, erinnert sich Clemens Kurz: „Ich würde es jedem empfehlen, das erweitert den Horizont enorm.“ Bei der Jobsuche nach dem Studium habe er noch aus mehreren Angeboten auswählen können, schließlich war das vor der Wirtschaftskrise. Er wurde Sales Trainee bei Reckitt Benckiser in Wien, arbeitete viel im Außendienst: „So lernt man die Handelslandschaft Österreichs kennen“, sagt er. Später durfte er selbstständig kleinere Handelszentren betreuen. Die Niederlassungen in Österreich und der Schweiz wurden zusammengelegt, nach zwei Jahren war für Clemens Kurz Schluss.

Es ging weiter zum Key-Account-Management im Salzburger Büro von SC Johnson: größere Handelskunden, mehr Verantwortung, mehr Verkaufsgespräche, viele Reisen. Die Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens waren in Salzburg limitiert, nach drei Jahren war wieder Schluss. „Es war für mich klar, dass ich nicht nach Deutschland wechseln möchte, weil meine Wurzeln nun einmal im Waldviertel liegen“, sagt er. Im nächsten beruflichen Zwischenstopp konnte Clemens Kurz als Vertriebsleiter eines 16-köpfigen Teams schließlich Erfahrung in der Personalführung sammeln.

Die er – nächster beruflicher Wechsel – gar nicht gebraucht hat. Es ist 2015, Kurz startet als Country Manager für Katjes und betreut den österreichischen Markt seither weitgehend selbstständig. Daneben entstand in Rottenbach das eigene Haus, er und seine Gattin erwarteten ein Kind. Es sei ein Glücksfall gewesen, sagt er: „Ich habe tatsächlich das bekommen, was ich wollte.“

Home-Office schon

bevor es ein Trend wurde

Als Country Manager führt Kurz Verhandlungen über Preise, plant und verantwortet Länderstrategien sowie Budgets und bringt sich im Marketing ein. Einen Teil der Woche hat er schon vor der Pandemie im Home-Office gearbeitet, an den anderen Tagen ist er unterwegs, ein- bis zweimal im Monat geht es in die Zentrale nach Deutschland: „Der Job ist sehr vielseitig. Die Marke ist cool und modern, und Süßigkeiten sind ein sympathisches Produkt. Jeder freut sich, wenn ich ein Päckchen Katjes mitbringe.“

Die Produkte von Katjes seien aufstrebend, weil vegetarisch. Fragen nach den Inhaltsstoffen und der Art der Herstellung werden – sagt Clemens Kurz – zunehmend gestellt. Ein Vorteil für den „Veggie-Pionier“: „Viele Leute brauchen in Fruchtgummis keine tierische Gelatine mehr.“ Aber ist es ihm gelungen, die Marke auch in Österreich aufzubauen? „Katjes ist mein berufliches Baby, das Jahr für Jahr besser läuft und den österreichischen Fruchtgummi-Markt aufmischt. Vor Kurzem wurde der Aufstieg in die Top-3 der Fruchtgummi-Marken gefeiert. Allerdings hat die Reise erst begonnen, und es gibt noch viel zu tun, der Aufbau ist eine sehr schöne Arbeit.“

Dass er das mit dem Lebensmittelpunkt im Waldviertel – und dem Ehrenamt etwa bei Feuerwehr und Dorferneuerungsverein – verbinden kann, ist freilich umso besser: „Ich habe einen Job, bei dem die Lebensqualität passt. Man kann sich im Management nämlich sehr aufreiben.“ Deshalb kommt es schon vor, dass Clemens Kurz zum Ausgleich mit der Motorsäge im Wald arbeitet oder am Traktor sitzt – allerdings ohne Anzug.