Festival auf Burgruine: Sternstunden der Kultur

Erstellt am 06. Juli 2022 | 04:55
Lesezeit: 4 Min
„Wo wir nicht hinreisen können, dorthin entführen uns Mythen“, so Intendant Thomas Bieber, der das heurige Festival in Dobra drei berühmten Spaniern widmete.
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Ein beeindruckend leuchtender Regenbogen, der auf einen heftigen „Schütter“ folgte, leitete das diesjährige Klangraum-Festival auf der Burgruine Dobra am Freitag, 1. Juli, ein. Vom Freien übersiedelten die Gäste in den Festsaal der Ruine, der 2010 eröffnet wurde und Veranstaltungen in dem beeindruckenden Ambiente der Burgruine nun allwettertauglich macht. Ein Großteil der Festivalgäste bucht das gesamte Wochenendprogramm und genießt neben gebotener Hochkultur auch die Region.

Don Quijote: Held, verkehrt zur Witzfigur

Das Klangraum-Festival wirkt literarisch und musikalisch im Mittelalter und widmete sein diesjähriges Programm drei berühmten männlichen Figuren des alten Spaniens, rezitiert von den großen österreichischen Schauspielern Karl Markovics und Markus Hering und dem Schriftsteller Michael Köhlmeier.

Am Freitag fand die Eröffnung des Festivals mit einer Einführung durch Intendant Thomas Bieber und Grußworten von Pöllas Bürgermeister Günther Kröpfl und Landtagsabgeordnetem Franz Mold statt. Den Reigen der großen Männer-Figuren eröffnete Karl Markovics mit Miguel de Cervantes‘ großem Roman Don Quijote, dem mittelalterlichen Helden, dem Ritter, verkehrt zur Lächerlichkeit. Nahezu jeder kennt die Geschichte vom Kampf des Helden gegen die Windmühlen. Karl Markovic beeindruckte. „Er lebt die Rolle, die er liest. Man hat die Bilder vor Augen, wenn man ihm zuhört“, schwärmt Bürgermeister Günther Kröpfl über den kurzweiligen und unterhaltsamen Abend.

Zur Geschichte gesellt sich bei diesem Festival stets Musik des Ensembles Leones unter der Leitung von Marc Lewon. Zur Geschichte von Don Quijote erklangen Lieder der Renaissance, die gleichfalls einen Hauch von Mittelalter im Klanggewand einer neuen Zeit vorstellen, die Cancieonero de Palacio (ca. 1500), eine Sammlung von handschriftlichen Aufzeichnungen dieser Zeit. Kröpfl zeigte sich besonders begeistert von Murat Coskun (Perkussion). „Er hat zusätzlich Stimmung gemacht.“

„Räuberpistole“ und zärtliche Musik

Tragischer war der darauffolgende Samstagabend auf dem stimmungsvollen Platz im Freien vor dem Burgfried. Markus Hering widmete sich El Cid, dem ersten Ritter Spaniens. Die Geschichte um Verrat und Treue, Ehrverlust und Rehabilitierung nach Versen eines Autors, dessen Name unbekannt ist, ließ das raue Leben im Frühmittelalter erahnen. „Diese Räuberpistole reizt mich, sie in einer Verssprache zu erzählen, ist für mich als Schauspieler eine spannende Aufgabe“, so Schauspieler Markus Hering, der heuer erstmals beim Klangraum Dobra mitwirkte. Dabei kenne er den Stausee gut. „Ich bin oft zum Paddeln hier“, verrät er. Ein besonderer Genuss war die musikalische Darbietung der Cantigas de Santa Maria aus dem 13. Jahrhundert durch das Ensemble Leones. Die Musiker spielten auf nachgebauten, historischen Instrumenten, beeindruckend die Sänger Miriam Trevisian und Matthieu Romanens.

Don Juan soll 2.065 Frauen erobert haben

Das Leben des Frauenhelden Don Juan – mit einer stolzen Liste von angeblich 2.065 „Eroberungen“ – nahm sich der meisterhafte Erzähler Michael Köhlmeier am letzten Abend des Festivals auf der Ruine Dobra vor. Er fand Parallelen zu ähnlichen Frauenhelden in fast allen Ländern und setzte sie in den Kontext ihrer Zeit, als man solchen von Köhlmeier als „unverfroren, egozentrisch und oft feige“ bezeichneten Männern ihren fragwürdigen Lebenswandel nicht einmal zum Vorwurf machte.

Er spannte den Bogen über die Jahrhunderte, Regionen und Personen, von Casanova bis zur berühmten zentralen Figur des Don Giovanni in der gleichnamigen Mozartoper.

Mit der kurzweiligen, lebendigen Erzählung hielten an diesem Abend die großartigen Musiker der Gruppe „Ensemble Leones“ engagiert und teilweise höchst schwungvoll mit. Sie boten mit ihren Stimmen und historischen Instrumenten eine Glanzleistung mittelalterlicher Musik. Kulturelle Highlights im herrlichen Ambiente der Ruine an einem lauen Sommerabend: Sternstunden der Kultur!

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