Kurzes Gastspiel für Bücher-Tauschbörse. Die Idee war löblich, die Umsetzung nicht: Ein leerer Kühlschrank, der als öffentliche Bücher-Tauschbörse am Skaterplatz stand, wurde mittlerweile wieder entfernt.

Von Markus Füxl. Erstellt am 14. August 2019 (04:55)
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Dieser Kühlschrank war als öffentlicher Bücherschrank gedacht. Er stand nicht lange.

Bis vor Kurzem stand ein weißer Kühlschrank am Skaterplatz in Zwettl. Ein aufgeklebter Hinweis verriet den Zweck: „Öffentlicher Bücherschrank: mitnehmen, zurückbringen, behalten, tauschen... entscheide selbst“. Im Inneren standen statt gekühlter Getränke mehrere Bücher. Die mobile Bücherbörse wurde mittlerweile von der Stadtgemeinde abtransportiert.

„Das war ein Blödsinn, auf so eine Idee muss man erst einmal kommen“, sagt Stadtrat Josef Zlabinger. Weil es sich beim Skaterplatz um einen öffentlichen Platz handelt, brauche es eine eigene Benützungsbewilligung. Und die fehlte: „Es ist eine nettgemeinte Idee, aber man kann nicht einen Kühlschrank einfach so irgendwo abstellen.“

„Das war ein Blödsinn. Man kann doch nicht einfach so einen Kühlschrank irgendwo abstellen!“Stadtrat Josef Zlabinger über den mobilen Bücherschrank

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Stadtrat Josef Zlabinger: „Die Aktion war ein Blödsinn.“

Die Idee eines öffentlichen Bücherschrankes ist nicht neu. So gibt es in Wien aktuell etwa 20 solcher Schränke. Auch in Niederösterreich sind sie verstreut, etwa in Eggenburg, Hollabrunn oder St. Pölten.

Bei den Schränken handelt es sich meist um eigens dafür gebaute Vorrichtungen, oder um umfunktionierte Telefonzellen.

Ein Kühlschrank sei dafür aber nicht geeignet, sagt Zlabinger: „Wenn keine Luft dazu kommt, fängt es dort drinnen zu Schimmeln an. Dort kann man doch keine Bücher reinstellen.“

Idee soll in Jour Fixe besprochen werden

Wer hinter der gut gemeinten Aktion steht, weiß der Stadtrat nicht. Wahrscheinlich dürfte sein, dass der Kühlschrank im Rahmen der Veranstaltung „Skatebäsch“ Ende Juli aufgestellt worden ist. Der Veranstalter war auf kurzfristiger NÖN-Nachfrage vor Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Der Kühlschrank soll jetzt fachgerecht entsorgt werden. „Wir haben eine große Bücherei in Zwettl. Da brauche ich keinen Kühlschrank, der voll mit Büchern ist“, sagt Zlabinger abschließend.

Stadtgemeinde Zwettl
Stadträtin Andrea Wiesmüller: „Schrank gehört betreut.“

Kulturstadträtin Andrea Wiesmüller begrüßt die Idee eines öffentlichen Bücherschrankes. „Ich werde die Idee für den Kultur Jour Fixe im Herbst mitnehmen und in die Runde schmeißen“, sagt sie.

Dass der Kühlschrank ohne Rücksprache mit der Stadtgemeine einfach aufgestellt wurde, hält aber auch sie für einen unüberlegten Schnellschuss: „Der nächste entsorgt beim Hundertwasserbrunnen einen Kühlschrank und schreibt Bücherschrank drauf“, sagt sie. Bevor ein solcher öffentlicher Bücherschrank aufgestellt werden kann, müsse der Standort abgeklärt werden: „Außerdem muss man sich überlegen, wer den Schrank betreut,“ sagt Wiesmüller. Als erstes in den Sinn komme ihr der Literaturverein „Buchenleser“: „Vielleicht wäre das etwas für sie.“

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