Lukas Brandweiner: „Vergleichbar mit Achterbahnfahrt“. VP-Abgeordneter Lukas Brandweiner im Gespräch mit Markus Füxl über seinen Arbeitsalltag, Corona und erreichte Ziele.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 19. Juni 2020 (05:52)
„Am liebsten diskutiere ich heute noch mit meiner Mama“: ÖVP-Abgeordneter Lukas Brandweiner aus Sitzmanns zieht im exklusiven NÖN-Interview ein Fazit nach seinem ersten Jahr im österreichischen Nationalrat.
Parlamentsdirektion/Photo Simonis

NÖN: Was hat Sie ursprünglich dazu bewogen, in die Politik zu gehen? Was ist das Schöne an dieser Arbeit?

Lukas Brandweiner: Politik war zuhause schon immer Thema. Am liebsten und intensivsten diskutiere ich heute noch mit meiner Mama. Vom Reden am Küchentisch zum aktiv Engagieren hat mich eine gute Freundin motiviert, Bettina Rausch. Sie war damals Landesobfrau der Jungen Volkspartei, für welche sie mich begeistert hat. Diese Begeisterung konnte ich als JVP Bezirksobmann an viele junge Menschen weitergeben. Gemeinsam haben wir einige Projekte umgesetzt und bis heute sind viele auch in ihren Gemeinden politisch aktiv. Jugendräume, Beachvolleyballplätze, aber auch mit Veranstaltungen haben wir im Bezirk einiges bewegt. Das ist auch das Schöne an der Politik. Gemeinsam Projekte und Ideen umsetzen, welche den Menschen helfen.

Als Politiker und Nationalratsabgeordneter waren es zuletzt doch turbulente 12 Monate: Ibiza, Nationalratswahl, Corona: Wie haben Sie das vergangene Jahr erlebt?

Brandweiner: Turbulent trifft es ganz gut. Es hat sicher schon Abgeordnete gegeben, die in deutlich längerer Zeit weniger erlebt haben. Im Rückblick ist das Jahr vergleichbar mit einer Achterbahnfahrt. Zuerst die Abwahl der Bundesregierung, danach die sehr erfolgreiche Nationalratswahl, gefolgt von zähen Sondierungsgesprächen. Kaum war das Regierungsprogramm erarbeitet und die neue Regierung angelobt, hat uns die Corona-Pandemie erreicht. Jetzt arbeiten wir am Comeback für Österreich. Nachdem ich nicht gerne Achterbahn fahre, hoffe ich auf jeden Fall auf weniger stürmische Zeiten und dass wir viele Ideen aus dem Regierungsprogramm umsetzen können.

Was waren die größten Veränderungen in Ihrem Leben, seit der Angelobung?

Brandweiner: Vor meiner Zeit als Abgeordneter war ich sechs von sieben Abenden zuhause, danach war es genau umgekehrt. Wenn meine Verwandten oder Freunde eine Feier planen, werde ich zuerst gefragt, wann ich Zeit habe. Und natürlich ist man so gut wie nie privat, sobald man außer Haus geht. Viele Menschen nutzen die Gelegenheit, wenn sie mich sehen, um mir ihre Anliegen mitzugeben. Das ist auch gut so.

Bei Ihrer Angelobung meinten Sie in einem NÖN-Gespräch, dass Sie vor allem in der Anfangsphase den Menschen am Stammtisch und auf Veranstaltungen zuhören möchten. Was wurde Ihnen dort erzählt, welche Anliegen haben die Waldviertler? Und konnten Sie für sie etwas bewegen?

Brandweiner: Ins Wirtshaus bin ich schon immer gern gegangen, auch zum lang diskutieren und politisieren. Jetzt bin ich halt nie privat, aber ich nehme gern Anregungen auf, gerade auch am Stammtisch. Als Politiker ist es wichtig, zu wissen, was die Leute bewegt. Aktuell ist natürlich Thema Nummer Eins die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen. Aber die Themen, die davor wichtig waren, sind durch die Krise noch deutlicher geworden. Wir brauchen flächendeckend schnelles Internet, damit wir die Chancen der Digitalisierung nützen können. Ebenso wichtig ist den Menschen Arbeit, von der man gut leben kann. Deshalb bin ich froh, dass die österreichweite Breitband-Versorgung und weitere Steuerentlastungen zentrale Themen im Regierungsprogramm sind. Es haben sich aber auch viele Bürger mit persönlichen Anliegen gemeldet, die ich positiv unterstützen konnte. Zum Beispiel etliche Nahversorger, die Anfang des Jahres keine Autobahn Vignetten verkaufen durften. Gemeinsam mit der Asfinag konnte ich dieses Problem rasch lösen.

Welche persönlichen Erfolge konnten Sie in Ihrem ersten Jahr als Nationalratsabgeordneter erzielen?

Brandweiner: Es freut mich besonders, dass wir es geschafft haben, dass der ländliche Raum und damit auch das Waldviertel viel Platz im Regierungsprogramm gefunden hat. Aber auch die Bestellung zum Zivildienstsprecher der Volkspartei war für mich persönlich ein Erfolg, da ich mich besonders freue, gemeinsam mit der zuständigen Ministerin Elisabeth Köstinger den Zivildienst positiv weiter zu entwickeln.

Wie war das Gefühl bei Ihrer ersten Rede im Nationalrat?

Brandweiner: Ein Mix aus Nervosität und Freude. Es ist schon etwas Besonderes im großen Redoutensaal in der Hofburg vor den vielen Kameras am Rednerpult zu stehen.

Was sind die markantesten Unterschiede zwischen Kommunal- und Bundespolitik?

Brandweiner: In der Kommunalpolitik sind die Themen greifbarer und schneller umsetzbar. Im Bund mahlen die Mühlen etwas langsamer, was natürlich den parlamentarischen Abläufen, aber auch den politischen Verhältnissen geschuldet ist.

Wann startet üblicherweise Ihr Arbeitstag und wann hört er auf?

Brandweiner: Der Start hängt vom Vorabend ab. Wenn ich Abendtermine habe, komme ich meistens zwischen 23 und 24 Uhr nachhause. Danach werden noch ein paar Mails beantwortet und die Unterlagen für den nächsten Tag vorbereitet.

Sie sind begeisterter Fußballer: Geht sich neben dem „Politikersein“ ab und zu ein Kickerl aus?

Brandweiner: Ja und ich freu mich schon, wenn es wieder los geht. Es gibt sogar ein Fußballteam im Nationalrat, dass einmal jährlich an einem europaweiten Parlamentarierturnier teilnimmt. Aktuell sind wir sogar amtierender Europameister.

Sie sind Mitglied in den Ausschüssen Familie und Jugend, Sport und Verkehr – was sind dort die aktuell wichtigsten Themen, die Sie umsetzen möchten?

Brandweiner: Da gibt es einiges. Wir wollen den Familienbonus noch attraktiver gestalten und auf 1.750 Euro pro Kind anheben. Aber auch die Senkung der ersten drei Einkommenssteuertarife soll dafür sorgen, dass unseren Familien künftig mehr Netto vom Brutto bleibt. Ich bin froh, dass wir in der aktuellen Situation mit dem Familienhärtefonds auch eine spezielle Hilfe für die Familien geschaffen haben. Im Sportbereich hat ebenfalls die Corona-Pandemie vieles auf den Kopf gestellt. Da geht es jetzt vor allem darum, die veranschlagten 700 Millionen Euro zielgerichtet einzusetzen und unseren vielen Vereinen zu helfen, gut durch die Krise zu kommen. Ein persönliches Anliegen ist es aber auch, vor allem junge Menschen für Sport zu begeistern. Dazu braucht es mehr Bewegungseinheiten im Bildungsbereich, aber dazu zählt für mich eben auch die Unterstützung unserer Sportvereine. Im Verkehrsausschuss werde ich speziell gefordert sein, dass nicht auf unsere ländlichen Regionen vergessen wird. Auf der einen Seite braucht es weitere Verbesserungen im Straßenverkehr, aber auch den Ausbau im öffentlichen Verkehr. Außerdem wird auch der Radtourismus im Waldviertel immer wichtiger und auch hier gilt es, dran zu bleiben. Es gibt genug zu tun.