Direktorin: „Das Persönliche fehlt noch immer“. Im NÖN-Interview spricht Direktorin Maria Edlinger über Herausforderungen mit Corona, neue Aufgaben und die geplante Fusionierung mit Ottenschlag.

Von Markus Füxl. Erstellt am 05. Februar 2021 (03:38)
Maria Edlinger ist neue Direktorin der Fachschule Zwettl. Die Expositur in Ottenschlag soll 2022 auf den Standort Zwettl/Edelhof übersiedeln.
Markus Füxl

NÖN: Corona beherrscht unser Leben seit März 2020, natürlich auch das Ihrer Schüler. Wie beurteilen Sie rückblickend das Schuljahr?

Maria Edlinger: Es war und ist für Lehrer, Direktion und Schüler sehr herausfordernd, weil Informationen sehr kurzfristig kommen. Oft hieß es, dass wir die Schüler für Prüfungen, Schularbeiten und praktischen Unterricht in die Schule holen können. Dies ist schwierig, unsere Schüler haben teilweise eine sehr lange Anreise von über einer Dreiviertelstunde. Auch bei der Organisation im Internat, mit der Zimmerbelegung, Desinfektion und der Reinigung sind viele neue Aufgaben dazugekommen. Das wird uns noch länger beschäftigen.

Wie war das Internat in Ottenschlag zuletzt belegt?

Edlinger: In der vergangenen Woche waren alle Schüler im Homelearning. Wir sind ein großes Haus und können Einbettzimmer anbieten. Wir achten auf die Hygienevorschriften und darauf, dass die Schüler ihre Masken nur im Zimmer abnehmen. So gerne wie jetzt waren die Schüler aber noch nie in der Schule, der soziale Kontakt fehlt ihnen. Die Luft ist bei vielen durch die lange Phase des Lockdowns raus.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2021?

Edlinger: Mein Wunsch wäre, dass wir mit 50 Prozent der Schüler wieder in einen Schichtbetrieb starten können, der langfristig planbar ist.

Seit Jahresbeginn sind Sie auch Direktorin in der Fachschule Zwettl. Mit welchen Gedanken sind Sie an die neue Aufgabe herangetreten?

Edlinger: Nachdem Ottenschlag eine Expositur der Fachschule Zwettl ist und eine Übersiedelung von dort nach Zwettl für den Sommer 2022 geplant ist, werden wir zu einem gemeinsamen Team. Die Fachrichtung des Betriebs- und Haushaltsmanagement mit Schwerpunkt Tourismus wird am Standort Zwettl weitergeführt. In dem Bewusstsein, was da auf mich zukommt, habe ich mir etwas Bedenkzeit erbeten. Ich habe mich dafür entschieden, weil mir die Ausbildung und die Schwerpunkte im Betriebs- und Haushaltsmanagement wichtig sind. Man bekommt dort eine fundierte Ausbildung. Die Absolventen sind gefragte Fachkräfte am Arbeitsmarkt.

Welche Herausforderungen kommen jetzt auf Sie zu?

Edlinger: Das Hin- und Herfahren zwischen Zwettl und Ottenschlag ist zeitraubend. Auch der Schulschwerpunkt der Sozialen Dienste in Zwettl ist für mich neu und eine Herausforderung. Das gesamte Team der FS Zwettl unterstützt mich in dieser Phase sehr gut. Auch das gedankliche Trennen zwischen Ottenschlag und Zwettl ist oft nicht einfach. Da werde ich aber hineinwachsen.

Was sind die Besonderheiten in der Ausbildung in Ottenschlag und Zwettl?

Edlinger: Beide Schulen führen die Fachrichtung des Betriebs- und Haushaltsmanagements, in Ottenschlag gibt es den Schwerpunkt Tourismus, in Zwettl die Sozialen Dienste. Die zweiten und dritten Klassen im Schwerpunkt Tourismus sind noch in der alten, dreijährigen Form, auf die ein zehnmonatiges Praktikum folgt. In der neuen Form wird sie vierjährig geführt. Im zehnmonatigen Praktikum im Anschluss an den 3. Jahrgang und im Mai/Juni des 4. Jahrganges bereiten wir die Schüler auf die Lehrabschlussprüfung vor. Für die Eltern ist der Vorteil, dass sie im vierten Jahr noch Beihilfen beziehen können. In Zwettl gibt es die dreijährige Fachschule mit den Sozialen Diensten und Heimhilfeausbildung. Aktuell wird ein Sonderlehrgang Fachsozialbetreuung im ländlichen Raum geführt, mit der neuen Schulorganisation wird er in der vierjährigen Form mitverankert.

Wie schwierig ist es, heuer Schüler anzuwerben? Corona verhindert ja die Tage der offenen Tür.

Edlinger: Wir haben weiter unsere Präsentationen und Infomaterial zur Verfügung gestellt und auf unsere Homepage verwiesen. Aktuell sind wir intensiv in der Bewerbung für Schüleranmeldungen. Wir bieten Videochats für interessierte Schüler an. Es läuft auch viel über die neuen Medien, wie Facebook und Instagram. Das Persönliche fehlt leider weiterhin in der Pandemie.

Sie haben die Übersiedelung 2022 angesprochen: Was sind die nächsten Schritte?

Edlinger: Es gibt einen Planentwurf, das muss noch durch den Landtag gehen. Der Abriss des Turnsaales wird die erste Baustelle sein. Das ist für heuer, Ende Mai, beziehungsweise Juni geplant. Dann soll es zügig vorangehen.

Wie geht es in Ottenschlag weiter, was passiert mit dem Schloss?

Edlinger: Das wissen wir leider nicht. Es wird laufend die Bausubstanz bewertet. Was wirklich geplant ist, können wir nicht sagen. Geräte, Arbeitsmaterialien und Möbel dürfen wir bei der Übersiedelung mitnehmen. Das ist auch finanziell für uns sehr wichtig. Interview: Markus Füxl