Intendant Thomas Bieber: „Mittelalter ist eine sehr spannende Zeit“

Erstellt am 26. Juni 2022 | 05:52
Lesezeit: 3 Min
Klangraum Dobra-Intendant Thomas Bieber
Beim Streifen rundum die Waldviertler Ruinen findet Klangraum Dobra-Intendant Thomas Bieber oft auch köstliche Schwammerl.
Foto: Bieber
Hochkultur auf Ruine Dobra Anfang Juli: El Cid, Don Quijote und Don Juan - drei berühmte Figuren, meisterlich erzählt.
Werbung

Zum elften Mal findet heuer das Festival „Klangraum Dobra“ am ersten Juli-Wochenende auf der Burgruine statt. Thema von „Klangraum Dobra“ ist stets das Mittelalter, literarisch und musikalisch. Die NÖN sprach mit Intendant Thomas Bieber.

NÖN: Seit elf Jahren widmet sich „Klangraum Dobra“ literarisch und musikalisch dem Mittelalter. Wie kommt das?

Thomas Bieber: Mein Bruder und ich verbrachten schon als Kinder gemeinsam mit unseren Eltern Urlaub im Waldviertel, in Arbesbach. Wir waren immer wandern, und unser Vater hat uns Steinsäulen gezeigt, die Galgen waren, uns zu den Burgen geführt und all die Geschichten und Sagen erzählt, da sind wir schon eingetaucht in diese Welt. Ich bin oft im Waldviertel. Wenn man hier wandern geht zwischen den Resten von Burgen, könnte man glauben, man trifft gleich jemanden auf einem Pferd. Es ist wie eine Zeitreise.

War denn das Mittelalter eine romantische Zeit?

Bieber: Das Mittelalter ist eine unheimlich spannende Zeit, wir beschäftigen uns meist mit dem frühen Mittelalter. Diese Zeit wird oft verklärt dargestellt, das ist bei uns nicht so.

Im Mittelpunkt stehen heuer berühmte Figuren aus dem spanischen Mittelalter. Was ist neu an El Cid, Don Quijote und Don Juan?

Bieber: Wir recherchieren viel und finden auch andere historische Quellen. Bei El Cid etwa ist die Basis ein mittelalterlicher Autor, dessen Namen nicht bekannt ist. Die klassische Szene, in der El Cid schwer verletzt darauf besteht, als Toter auf ein Pferd gebunden zu werden, um gegen das feindliche Heer anzutreten, kommt bei uns gar nicht vor. In der Geschichte über Don Quijote gibt es eine Fortsetzung, die bei uns mit einfließt, und Don Juan wird spannend bis in die Gegenwart. Das Publikum darf sehr viel Überraschendes erwarten.

Karl Markovics und Michael Köhlmeier erzählen oft beim Klangraum Dobra, auch heuer. Sind das Ihre Lieblinge?

Bieber: Es gibt Schauspieler, die auch in einer Lesung diese unglaubliche Fähigkeit haben, ihr Publikum ganz in ihren Bann zu ziehen. Michael Köhlmeier ist einer der wenigen, der die lange Tradition des Erzählens beherrscht. Gerade im Mittelalter wurde Geschichten meist mündlich überliefert. Wir entwickeln ja die Themen und Geschichten selbst und suchen nach den zur jeweiligen Rolle passenden Personen. Markus Hering ist heuer erstmals bei unserem Festival dabei. Ich freue mich schon sehr auf seine Lesung über El Cid.

Die Abende sind immer kombiniert mit Musik. Was wird heuer geboten?

Bieber: Musikalisch bietet der erste Abend frühes spanisches Repertoire, interpretiert durch das Ensemble Leones. Wir hören die berühmten Cantigas de Santa Maria von Alfonso el Sabio aus dem 13. Jahrhundert und auch gesungene Geschichten, die vom Leben der Mauren erzählen. Unser musikalischer Leiter Marc Lewon spielt in seinem Ensemble mit Spezialisten mittelalterlicher Musik aus seinem Kreis. Es werden alte Instrumente gespielt, Nachbauten, die auf historischen Vorlagen beruhen – es ist ein Versuch der Rekonstruktion.

Werbung