Besitzer: „Das Leben muss ja weitergehen“. Mit Friseursalon, Kostümverleih und Lotto/Toto Annahmestelle lassen sich Erich und Helga Schmoll nicht unterkriegen.

Von Joachim Brand. Erstellt am 12. Februar 2021 (04:38)

Seit über 55 Jahren betreiben Erich und Helga Schmoll ihren Friseur Salon in der Unteren Landstraße in Zwettl. Mit seinen achtzig Jahren werkt der rüstige Friseurmeister gegen Untätigkeit und Corona Agonie.

Der Besuch des kleinen Friseurladens gleicht einer Zeitreise. Stühle, Spiegel, Waschbecken aus den 60er Jahren erinnern in ihrer Originalität, gleichsam als Retro Stil, an die 60er Jahre. Das macht den Haarschnitt zu einem Erlebnis. Alles blitzblank und funktionsfähig, so erinnern die Gebrauchsgegenstände an eine noch nicht allzu lang vergangene Zeit.

Dem Herrenfriseur bleiben Stammkunden

Neben dem Friseurgeschäft bedient Erich Schmoll zusätzliche Kunden mit einer Lotto/Toto Annahmestelle. Das Ehepaar durfte daher ihr kleines Geschäft in den letzten Wochen geöffnet halten. Nun sind sie froh, in dieser Woche gemeinsam mit ihrer Gesellin Hannelore, den Kunden wieder die Haare schneiden zu dürfen. „Das ist mein Leben. Sonst wäre mir ja fad und wir machen das so lange, bis es nicht mehr geht“, beschreibt Erich Schmoll seinen Alltag. Als langjähriger Herrenfriseur bleiben ihm nur mehr seine treuen Stammkunden. Den Damensalon hat das Ehepaar schon vor einigen Jahren aufgegeben.

Der Kostümverleih seiner Frau Helga ist in Zwettl seit vielen Jahren eine Institution. Kundschaften aus der gesamten Region aber auch aus Wien schätzen die große Auswahl aus dem Fundus. Dieser bietet mehr als 1.500 Verkleidungsvariationen, die dieses Jahr aber wenig gebraucht werden. „Die Corona Sperre und damit der Ausfall der Faschingsveranstaltungen haben zu einem Verlust der Einnahmen geführt. „Viele meiner Kleider sind noch aus Baumwolle und nicht aus Polyester. Gerade die Billigkonkurrenz aus Asien mit ihrem Plastikangebot aus Dralon, Perlon, Polyamid und Ähnlichem macht mir zusätzlich zu schaffen“, erwähnt Helga Schmoll. „Die leichte Brennbarkeit dieser Kostüme stellt besonders bei Kindern eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar“, fügt sie hinzu.

Im daneben laufenden Friseurgeschäft haben sich inzwischen die ersten Kunden angesagt. Corona Test, Maske und Abstandsregeln sind natürlich obligat.

Das betagte Ehepaar fällt in die Corona Risikogruppe und lässt sich dennoch nicht unterkriegen. „Wir haben schon viele Krisen bewältigt und das Leben muss ja weitergehen“, lautet ihr Motto für die Zukunft. Und hoffentlich können die Wirte auch bald aufsperren.