Germanns: NASA-Technologie für Matratzen. Tischler-Meister Gerhard Schrenk stellt Matratzen mit Material her, das auch von Astronauten verwendet wird.

Von Markus Füxl. Erstellt am 11. März 2020 (05:23)
Gerhard Schrenk verkauft Matratzen mit „NASA-Technologie“. Der wabenförmige Stoff (kleines Bild) sorgt für Thermoregulierung.
Markus Füxl (2), shutterstock/Pike28 (1)

Eineinhalb Jahre lang tüftelte Gerhard Schrenk an einer außergewönlichen Matratze: Ein besonderes, in den Bezügen eingearbeitetes Material soll Feuchtigkeit und Temperatur optimal regulieren. Der Stoff wird auch von der NASA, der zivilen US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft, für die Anzüge der Astronauten verwendet.

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„Viele Technologien absorbieren nur den Schweiß. Mein Material sorgt für eine Thermoregulierung und kann Schweiß bis zu 35 Prozent verhindern“, erklärt der gebürtige Großhaslauer Schrenk.

Stoff speichert überschüssige Wärme

Eigentlich hat er vor über 30 Jahren als Tischler begonnen. 1999 startete er mit dem Verkauf von Wasserbetten. „Seitdem beschäftigt mich das Thema Schlaf“, sagt er. Auf der Suche nach einem geeigneten Material für sein Vorhaben wurde er 2017 bei der Firma Outlast fündig. „Der Stoff kann überschüssige Wärme zwischenspeichern, bei Bedarf abgeben und verhindert, dass Strahlungskälte auf den Körper zurückfällt“, sagt Schrenk.

Langes Lizenzverfahren

Es folgte ein langes Lizenverfahren: „Es hieß dann, geduldig zu sein, denn es wird sehr genau geprüft, wer das Patent bekommt und wie es genützt werden darf: Jedes Outlast-Produkt muss vom Hersteller freigegeben werden.“ Neun Monate wartete Schrenk auf die Bewilligung. Bei der Suche nach einem geeigneten Partner für die Matratzenkerne wurde Schrenk schließlich beim Familienunternehmen Eurofoam fündig. Der Schaumstoff-Spezialist mit Sitz in Kremsmünster fertigt das Innenleben für die hochwertigen Matratzen.

Unter der eigens geschaffenen Marke „dreamnight“ hat er etwa 200 Matratzen mit der „Weltraum-Technologie“ verkauft. Daraus sollen in zwei Jahren 200 Matratzen pro Monat, in fünf Jahren 500 pro Monat werden: „Man muss sich hohe Ziele stecken. Der Markt gibt das her“, sagt Schrenk.

Waldviertler Tischler will den Markt aufmischen

Der Tischler setzt auf die Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern in Wien, Niederösterreich und Burgenland. „Bisher habe ich noch keine schlechte Kritik zu meiner Matratze gehabt“, sagt er. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin in seinem Bettenstudio in Wien-Margareten habe er lange nach der zündenden Idee gesucht und recherchiert: „Ich wollte eine Funktion mit Alleinstellungsmerkmal. Als kleiner Tischler aus dem Waldviertel kann man den Markt nicht aufmischen mit etwas, das es an jeder Ecke gibt“, sagt er. Der Preis für eine „Weltraum-Matratze“ liegt bei 890 bis 1.150 Euro. Das Schlafsystem ist mit drei verschiedenen Matratzenkernen und in jedem Härtegrad erhältlich.

Nur zehn Prozent schlafen richtig

Aktuell arbeiten insgesamt vier Mitarbeiter in der Tischlerei in Germanns. Der Anteil zwischen Tischler-Produkten und Betten liegt etwa bei der Hälfte: „In den nächsten Jahren wird sich das aber noch stärker auf Betten verlagern“, sagt Schrenk.

25.000 Stunden verbringt der Mensch im Durchschnitt in seinem Leben auf einer Schlafunterlage. „Die Schlafposition hängt auch vom richtigen Produkt ab“, erklärt Schrenk.

Nur etwa zehn Prozent schlafen „richtig“, also auf dem Rücken. Der Grund: „Dabei schnarcht man oft und stört den Partner“, sagt Schrenk lachend. Wenn die Hand einschläft, sei oft die Unterlage zu hart, wälzt man sich in der Nacht ununterbrochen, ist man „nicht im Einklang mit der Matratze“, sagt Tischlermeister Gerhard Schrenk.