Deibler-Kub: Der Neue im Gerungser Gemeinderat. Kolja Deibler-Kub folgt für die SPÖ in den Groß Gerungser Gemeinderat. Was sind seine Ziele und Pläne?

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 19. November 2020 (05:48)
Kolja Deibler-Kub folgt für die SPÖ auf Maximin Käfer in den Gemeinderat in Groß Gerungs. Der NÖN erzählte er von seiner politischen Vorgeschichte, seinen Zielen für Groß Gerungs und wie er den Lockdown erlebt.
SPÖ

NÖN: Wie sind Sie zur SPÖ gekommen? Warum haben Sie sich gerade für diese Partei entschieden? Seit wann sind Sie aktives Parteimitglied?

Kolja Deibler-Kub: Ich bin immer schon ein politischer Mensch. In der Schule war ich Klassen- und Schulsprecher, seit meinem ersten Arbeitstag bin ich Gewerkschaftsmitglied. Im Jahr 2000 ärgerte ich mich über die schlechte Ausstattung des Kinderspielplatzes in der Nähe unserer damaligen Wohnung. Deshalb beschloss ich, mich aktiv in die Gemeindepolitik einzubringen um etwas zu verändern. Die Entscheidung dies bei der SPÖ zu tun war eigentlich logisch. Die Werte Friede, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität entsprechen meinem Wertebild.

"Aktuell sehe ich den Stillstand in der Gemeindepolitik, verursacht durch das Taktieren des Bürgermeisters, als brennendstes Problem."

Welche Projekte und Themen sollten in der aktuellen Gemeinderatsperiode in Groß Gerungs angegangen werden?

Momentan steht natürlich das Thema Corona sehr im Mittelpunkt. Auch auf Gemeindeebene gibt es viele Möglichkeiten, wie man die Bevölkerung unterstützen kann. Dies fängt in der Schule an. Als Schulerhalter muss die Gemeinde unmittelbar reagieren; ich schlage vor zum Schutz des Lehrpersonals, aber auch für alle anderen Gemeindebediensteten FFP2 Masken, vorzugsweise regional, anzuschaffen. Gerade auf Gemeindeebene haben wir die Möglichkeit den Menschen direkt zu helfen. Beispiele hierfür sind: Ein Wohn- beziehungsweise Heizkostenzuschuss, Gewährleistung der Kinderbetreuung. Gerade die Schwächsten in der Gesellschaft trifft diese Krise am härtesten. Aktuell sehe ich den Stillstand in der Gemeindepolitik, verursacht durch das Taktieren des Bürgermeisters, als brennendstes Problem. Als SPÖ werden wir uns trotzdem aktiv für alle Menschen in Groß Gerungs einsetzen. Mir persönlich liegen die Themen Familie, Jugend und Umweltschutz sehr am Herzen. Dazu habe ich viele Ideen, die darauf warten umgesetzt zu werden.

Zuletzt ging es politisch in der Gemeinde turbulent zu, es steht die Neuwahl der Stadträte bevor, auch der SPÖ steht laut Verfassungsgerichtshof ein Sitz zu. Wer soll diesen Sitz bekleiden: Sie oder Herr Atteneder?

Genau: Es steht die Neuwahl der Stadträte bevor. Leider hat unser Bürgermeister diesbezüglich noch nichts unternommen und wir haben in unserer Stadt seit Anfang November keine Stadträte mehr. Stadträte sind ein wesentlicher Teil der Stadtverwaltung. Es kann nicht sein, dass Anliegen der Bürgerinnen und Bürger am Gemeindeamt liegen bleiben, nur weil dem Bürgermeister ein höchstgerichtliches Urteil nicht in den Kram passt. Die SPÖ ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und wir werden rechtzeitig entscheiden, wer den Sitz übernimmt.

Sie waren bereits als Gemeinderat in Grieskirchen, Oberösterreich, tätig. Wie lange waren Sie dort Gemeinderat, was haben Sie dort für Ihre politische Arbeit gelernt?

Dass man auch als Opposition etwas bewegen kann. Als SPÖ können wir Anliegen der Bevölkerung in den Gemeinderat tragen und darauf schauen, dass diese Anliegen nicht in einer „Schublade“ verschwinden. Als überzeugter Sozialdemokrat ist es mir immer wichtig, dass die Schwachen in unserer Gesellschaft nicht unter die Räder kommen und eine Stimme bekommen. Wegen eines Wechsel des Hauptwohnsitzes musste ich leider das Mandat als Gemeinderat und Fraktionsobmann während meiner ersten Periode zurücklegen. Durch mein Engagement bei den Kinderfeunden blieb ich jedoch mit der SPÖ eng verbunden.

Wie kommen Sie von Grieskirchen in den Gemeinderat nach Groß Gerungs?

Bevor wir nach Groß Gerungs übersiedelt sind lebten wir in Wels. Während eines Besuches bei unserer Schwiegermutter in Groß Gerungs 2013 verliebten wir uns in unser Haus und kauften es. Wir nutzten es als „Ferienhaus“ und sagten „irgendwann ziehen wir fix ins Waldviertel“. 2018 war es dann vorbei mit irgendwann.

Sie engagieren sich in der Jugendbetreuung, waren bereits bei den Kinderfreunden Wels-Hausruck tätig? Wie sind Sie zu diesem Aufgabenfeld gekommen, was interessiert Sie daran?

In meiner Zeit in Grieskirchen gründeten wir die Kinderfreunde Ortsgruppe neu und ich wurde deren Obmann. Durch diese ehrenamtliche Tätigkeit kam ich in den ehrenamtlichen Regionalvorstand der Kinderfreunde Wels-Hausruck. Nach der Pensionierung der damaligen Geschäftsführerin bekam ich die Möglichkeit die hauptamtliche Tätigkeit als Geschäftsführer zu übernehmen. Nach meiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner und Beschäftigung als solcher wechselte ich 2001 in den Sozialbereich als Fachbetreuer für arbeitslose Jugendliche. Im Laufe der Jahre bildete ich mich im sozialpädagogischen Bereich weiter und arbeitete mit verschiedenen Zielgruppen im sozialpädagogischen Bereich. Die Arbeit mit Jugendlichen macht mir jedoch besonders viel Spaß.

Aktuell sind Sie als Jugendcoach beim Verein FAB tätig. Was sind dort Ihre Aufgaben? Wieviele Mitarbeiter gibt es dort, wieviele Jugendliche betreuen Sie etwa?

Im Jugendcoaching des FAB betreuen wir Jugendliche und junge Erwachsene, die weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind, sogenannte „Neets“, bis zum 24. Lebensjahr. Meine Kollegin und ich betreuen Jugendliche aus den Bezirken Zwettl, Gmünd, Waidhofen und Horn. Zusätzlich werden von mir Jugendliche und junge Erwachsene in der Justizanstalt Krems betreut. Im Jugendcoaching erarbeiten wir bei Einzelterminen gemeinsam mit den Jugendlichen eine Perspektive um einen (Wieder-) Einstieg ins Ausbildungs- bzw. Berufsleben zu schaffen. Dieses Angebot gibt es in ganz Österreich. Knapp 30 Mitarbeiter des FAB haben in ganz NÖ im Jahr 2019 12.818 Jugendliche betreut.

Was sind Ihre Hobbys, mit denen Sie sich die Zeit im Lockdown vertreiben?

Mit unseren beiden Söhnen und unserem Haus, in dem es noch viel zu tun gibt, wird mir auch während des Lockdown nicht langweilig. Zum Glück hab ich die Möglichkeit im Home Office arbeiten zu können und muss nicht um meinen Arbeitsplatz bangen wie viele andere. Meine Freizeit verbringe ich am liebsten in der Natur. Davon gibt es zum Glück in Groß Gerungs viel, was ich sehr genieße. -mf-