Die weißen Wölfe von Göpfritz

Ein naturnahes Leben in Gefangenschaft, das bietet Judith Exel ihren Wölfen.

Erstellt am 13. Januar 2022 | 06:13
Lesezeit: 3 Min

Sie habe sich nichts Besonderes dabei gedacht, als 2007 im Wiener Tierschutzhaus dieser stattliche, große Wolf an den Zaun gekommen ist und sich von ihr berühren hatte lassen. Judith Exel sei eher ein Katzenmensch. „Dieses Tier“ (die Rede ist von einem Halbwolf, der in einem Gehege gehalten wurde), hat sich in den Jahren dort von niemandem angreifen lassen.

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„Durch eine tierfreundliche Patin war sein Gehege gebaut worden, er hatte keine Partnerin und mir hat das Tier so leidgetan“, erzählt Judith Exel, die heute zwei Wölfe in einem Freigehege am Grundstück ihres Freundes Peter Huber, wo sie auch ihr Atelier für bildende Kunst hat, betreut. Diesem besonderen Tier hat sie sich von Anfang an so verbunden gefühlt, dass sie vier Jahre lang Bemühungen anstellte, „Wolfi“ zu sich ins Waldviertel zu holen. Neben vielen Gesprächen mit Behörden und dem Tierschutzverein arbeitete Exel ehrenamtlich im Wolfforschungszentrum Ernstbrunn mit, um alles über Wölfe zu lernen. „Dort durfte ich mit den Wolfstrainern ins Gehege und konnte an den Vorträgen über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse teilnehmen.“

Halbwolf „Wolfi“ übersiedelt nach Göpfritz

2011 durfte Judith Exel „Wolfi“, er war damals schon zehn Jahre alt, nach Göpfritz holen. „Wir haben auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern ein Gehege zwischen den Pferdekoppeln errichtet. Mit hohem, dichtem Zaun und mit Grab-Schutz ist es ausbruchsicher“, weiß sie. Bevor Wolfi einziehen durfte, wurde das Gehege von mehreren Stellen begutachtet. Exel hatte die Zustimmung des Tierschutzvereines und eine Bewilligung vom Amtsarzt.

Wolfi hieß ursprünglich Manuk und war eine Mischung zwischen europäischer Wölfin und einem sibirischen Husky. „Wolfi konnte ich so gut trainieren, dass er sich ein Geschirr und eine Leine anlegen ließ, und auch Hunde-Intelligenzspiele konnte ich mit ihm machen. Er war sehr schlau“, so Exel. Aber: Wolfi war einsam.

„Wildtiere sollen paarweise in Gefangenschaft gehalten werden, und als er 14 war, zog deshalb Akira (damals drei Jahre alt) bei ihm ein.“ Akira ist eine arktische Wölfin und stammt aus einem Wildtiergehege in Tabor. Sie sollte dort rasch weg, denn sie war geschlechtsreif geworden und lebte mit ihren Brüdern in einem Gehege. Doch es gab andere Schwierigkeiten: Die Gesetzeslage hatte sich inzwischen geändert, sodass in Niederösterreich Privatpersonen keine gefährlichen Wildtiere mehr halten durften.

Tierheim mit Schwerpunkt Gnadenhof für Wölfe

Da Judith Exel bereits 2009 aus Interesse eine Ausbildung als landwirtschaftliche Facharbeiterin absolviert und ebenso einen Fachkundenachweis aus Ernstbrunn hatte, konnte sie – mit allen behördlichen Anforderungen – ein Tierheim gründen, Schwerpunkt: Gnadenhof für Wölfe. „Es waren zig Leute da, um mich und das Gehege zu prüfen“, weiß sie noch. Akira konnte einziehen, doch die Harmonie zwischen den Tieren dauerte nur kurz. Wolfi und Akira lebten nur ein Jahr gemeinsam im Gehege, dann erkrankte Wolfi an Krebs und starb. Akira litt sehr unter dem Verlust.

„Ich wollte wieder einen Partner für Akira, aber diesmal einen jüngeren, damit sie lange mit ihrem Partner zusammen sein kann,“ so Exel. Albin suchte sie dann 2018 aus drei Rüden im Tierpark Rheinböllen (bei Frankfurt) aus. „Ich habe die drei Rüden lange Zeit beobachtet und mich gefragt, wer denn der richtige, lebenslange Partner für Akira sein könnte“, so Exel. Dann entschied sie sich für den nicht zu dominanten, aber auch nicht zu distanzierten Wolf, der sich dann auch ganz leicht mitnehmen ließ. Die perfekte Wahl für Akira. Nachwuchs werden die beiden aber nicht bekommen, denn Albin wurde vasektomiert.

Judith Exel finanziert den Erhalt der Tiere privat. Jedes Tier benötigt am Tag 1,5 bis 2 Kilo rohes Fleisch, das mit Bio-Leinöl und fein geraffeltem Bio-Gemüse oder Kräutern gemischt wird. Sie erhalten aber auch ganze tote Tiere wie Hühner oder Fische. Manchmal kommen auch Patinnen zu Besuch. „Das ist so lieb, sie sind wie Tanten, bringen Fleischtassen und Kaustangen als Geschenke für ihre Patenkinder.“

Exel wäre bereit, auch noch eine nächste Generation Wölfe zu betreuen. „Die geeignete In frastruktur und der Platz sind ja vorhanden, es wäre schade, diese nicht zu nützen.“