Riedl-Weixlbraun: „Vermisse persönliche Gespräche“. Göpfritz‘ Bürgermeisterin Silvia Riedl-Weixlbraun blickt noch einmal auf 2020 zurück und spricht über neue Projekte.

Von Angelika Koll. Erstellt am 13. Februar 2021 (05:19)
Bürgermeisterin Silvia Riedl-Weixlbraun hofft, im Sommer wiederVeranstaltungen abhalten zu können.
Gemeinde

NÖN: Wie hat sich ihr Alltag 2020 verändert?

Silvia Riedl-Weixlbraun: Der Lockdown im Frühjahr 2020 hat das Leben aller verändert. Viele Ämter und Büros waren im Home-Office. Das Gemeindeamt war immer besetzt, natürlich mit strengen Schutzmaßnahmen. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt und auch die Glückwünsche für unsere Jubilare in der Gemeinde konnten von mir nicht persönlich überbracht werden. In den Sommermonaten besuchte ich einige Bürger, aber es stellte sich bald wieder heraus, dass es für diese ein zu hohes Risiko ist. Planungen für etwaige Vorhaben mussten hintangestellt werden, da die Abteilungen und Firmen im Homeoffice waren. Da die Ausschreibungen für den Straßenbau erst im Spätsommer erfolgen konnten, mussten die Arbeiten witterungsbedingt auf das Frühjahr 2021 verschoben werden. Es war ein ungewöhnlicher Stillstand, den wir alle, bisher so noch nicht gekannt haben.

Was konnte im vergangenen Jahr dennoch umgesetzt werden?

Riedl-Weixlbraun: Da wir in den Jahren davor große Projekte, wie Glasfaserausbau, Erweiterung des Schulgebäudes oder die Errichtung eines Nahversorgers erledigen konnten, war das Jahr 2020 für unsere Gemeinde nicht zu sehr betroffen. Wir konnten trotzdem die kostenintensive Erschließung und Neugestaltung des Betriebsgebietes Nord, sowie das Rückhaltebecken in der Schlossgasse abschließen. In der Volksschule wurden die letzten Klassenzimmer und die Direktion mit neuen Möbeln ausgestattet. In den Wegebau wurde massiv investiert. Mit dem Investitionspaket des Landes wurden die Gemeinden finanziell unterstützt. Auch wir haben dieses Geld abgeholt und in unsere Infrastruktur investiert.

Brachte die Pandemie auch positive Entwicklungen? Wird man manches weiter mitnehmen können?

Riedl-Weixlbraun: Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Fortschritt. Es hat sich wieder einmal mehr gezeigt, wie wichtig und notwendig der Glasfaserausbau ist. Durch die Videokonferenzen erspart man Zeit und die Umwelt wird dabei geschont. Die verbleibende Zeit kann ich mehr am Gemeindeamt nützen. Per Video ist es auch möglich, kurzfristig wichtige Informationen auszutauschen. Vor einigen Tagen hatten wir im Bezirk Zwettl eine Arbeitskonferenz mit unserem Innenminister Karl Nehammer. Der Minister hätte für eine Anfahrt ins Waldviertel wahrscheinlich nicht die entsprechende Zeit gefunden.

2020 war für Sie ja doppelt turbulent, da Sie Anfang des Jahres ihren ersten Wahlkampf als Bürgermeisterin bestritten, und diesen gleich mit großem Erfolg. Wie haben Sie das erlebt?

Riedl-Weixlbraun: Turbulent würde ich nicht sagen. Der Wahlkampf war für mich sehr intensiv, weil ich jeden der 800 Haushalte persönlich besuchte. Das Kennenlernen der Menschen, die vielen netten Begegnungen, die Gespräche in dieser Zeit, habe ich noch immer in toller Erinnerung. Das positive Feedback hat sich dann im Wahlergebnis gezeigt. Ein Mandat dazuzugewinnen war mein Ziel, dass es schlussendlich vier waren, war großartig. Am Tag meiner feierlichen Angelobung folgte der 1. Lockdown. Der hat mich in meinen Vorhaben ordentlich gehemmt. Natürlich vermitteln wir die wichtigsten Infos in unserer Gemeindezeitung, auf unserer Homepage oder im Bürgermeisterbrief. Ich vermisse aber die persönlichen Begegnungen und Gespräche mit den Menschen.

Wie geht es nun 2021 weiter? Was erhoffen Sie sich vom neuen Jahr?

Riedl-Weixlbraun: Ich bin zuversichtlich, dass wir 2021 unsere Normalität in kleinen Schritten wieder leben dürfen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Menschen die vorgegebenen Schutzmaßnahmen einhalten und vor allem, dass sich viele impfen lassen. Für Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gibt es kein Home-Office. Gerade in dieser schwierigen Zeit sind wir wichtige Koordinatoren und Ansprechpartner. Planungen, Gespräche, Verhandlungen etc. sind auch im Lockdown persönlich unabdingbar. Vorhaben müssen geplant werden, ansonsten kommt es in der Gemeinde zum Stillstand. Wir haben uns für 2021 und die Jahre danach einiges vorgenommen. Straßenbau und Sanierung der Straßen. Im gesamten Gemeindegebiet wird die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Der „Kulturstadl“ braucht eine Sanierung, die Planungsarbeiten dazu sind begonnen. Das Feuerwehrhaus entspricht nicht mehr den Anforderungen. Die Nachfrage nach Bauland-Wohngebiet ist in Göpfritz groß. Erfreulich ist, dass einige Firmen aufgrund der günstigen Verkehrslage ihre Firmen in unserer Gemeinde gründen wollen. Hier können Arbeitsplätze entstehen. Ich hoffe, dass wir heuer zumindest in der zweiten Jahreshälfte einige Veranstaltungen nachholen können. Ich bin froh, dass wir die Dorfspiele auf 2022 verschoben haben. Die Planungen dafür werden wir demnächst aufnehmen. Wir haben vieles vor.