Kritik an Ganser Lkw-Aufkleber

Mauthausen Komitee sieht in Schriftzug NS-Anspielung. Firma Ganser Dach aus Göpfritz hat den Aufkleber bereits entfernt: „Haben mit Nazis nichts zu tun.“

Markus Füxl
Markus Füxl Erstellt am 22. September 2021 | 05:55
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In diesem Schriftzug sah das Mauthausen Komitee eine Anspielung auf Adolf Hitler und das NS-Regime. Die entsprechende Firma hat den Aufkleber bereits entfernt.
Foto: privat

Bereits vor drei Monaten sorgte die Firma Ganser Dach für Schlagzeilen in der NÖN: Ein Leser kritisierte die Aufschrift „Führerhaus. Fahrer spricht deutsch“ in Frakturschrift an einem Lkw. Mittlerweile hat sich das Mauthausen Komitee (MKÖ) eingeschaltet. Das MKÖ beschäftigt sich mit dem Gedenken an die NS-Diktatur und deren Aufarbeitung.

„Jeder historisch informierte Mensch, der diese Aufschrift sieht, versteht sie als Anspielung auf den ‚Führer‘ Adolf Hitler und sein nationalsozialistisches Terrorregime“, sagt MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi, und, „Ein Unternehmen mit demokratiefeindlicher Symbolik sollte zum Beispiel keine Aufträge der öffentlichen Hand bekommen.“

Das Mauthausen Komitee hat den Firmeninhaber Norman Ganser in einem Brief aufgefordert, für die Entfernung der offenkundigen NS-Anspielung zu sorgen. „Ein Regime, das viele Millionen Menschen bestialisch ermordet hat, eignet sich weder für einen geschmacklosen Scherz noch für eine kaum getarnte Bekundung von Sympathie“, betont Mernyi. Der Brief blieb laut MKÖ unbeantwortet. Die NÖN fragte beim gewerberechtlichen Geschäftsführer Thomas Etzler nach. Der sehe die Sicht des MKÖ ein, betont er. „Wir haben unverzüglich nach dem Schreiben den Schriftzug entfernt“, betont Etzler, und, „Wir wollen nicht ins falsche Licht gerückt werden. Wir haben mit der NS-Zeit nichts zu tun, sondern haben uns über die Jahre mit der Qualität unserer Arbeit einen Namen gemacht.“

„Es heißt nun mal einfach ‚Führerhaus‘“

Zur Kritik, dass der Schriftzug eine Anspielung auf Adolf Hitler sei, sagt Etzler: „Es heißt nun mal in jeder Betriebsanleitung ‚Führerhaus‘. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, das mit Hitler in Verbindung zu bringen. Wir sind ein gerader, aufrechter Betrieb. Keiner von uns denkt so.“

In einem Schreiben an die NÖN kritisiert das MKÖ auch, dass FPÖ-Nationalratsabgeordneter Alois Kainz und der niederösterreichische FPÖ-Chef Udo Landbauer Werbung für Ganser Dach machen. Mernyi verweist auf „rechtsextreme Aktivitäten“ Landbauers, darunter die Causa rund um ein Liederbuch mit rassistischen und antisemitischen Texten. „Die FPÖ hat Allentsteig nach dem Hagel besichtigt. Da waren wir einfach auch im Einsatz und haben ein Kompetenzzentrum für die Leute vor Ort eingerichtet“, verteidigt Etzler. So sei ihm auch egal, was „jeder im Privatbereich wählt.“

Nicht egal war die Aufregung um den Schriftzug ÖVP-Bürgermeisterin Silvia Riedl-Weixlbraun: „Wir wollen so etwas bei uns nicht, das ist kein Aushängeschild für Göpfritz“, sagt sie im NÖN-Gespräch. Nachdem sie von der Causa erfahren hatte, kontaktierte sie das Unternehmen. „Damals wurde uns auch versprochen, dass der Schriftzug entfernt wird“, sagt sie. Grund, Ganser Dach keine öffentlichen Aufträge mehr zu geben, sieht Riedl-Weixlbraun aber nicht: „Man muss das trennen. Natürlich beauftragen wir vorwiegend ortsansässige Unternehmen, so etwa auch nach den Unwetterschäden.“

Rechtliche Grauzone in solchen Fällen

Rechtlich seien solche Schriftzüge eine „Grauzone“, sagt Robert Eiter, Jurist und MKÖ-Vorstandsmitglied: „Wir haben eine Meldestelle zu Wiederbetätigung und Verhetzung, wo viel reinkommt. Sachverhalte, die diesem ähneln, sind aber sehr selten.“ Laut Polizei gab es in der vorliegenden Causa weder Anzeigen, noch Ermittlungen, heißt es auf NÖN-Nachfrage.

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