Modellbau: Bahndorf erhielt Fußballplatz. Aus einer Beschäftigung für die Kinder wurde das Großprojekt Modellbahnhof Göpfritz, das immer wieder erweitert wird.

Von Angelika Koll. Erstellt am 02. Mai 2021 (04:24)

Einen neuen Fußballplatz gibt es in Göpfritz, und zwar auf der Kinderanlage des Modellbahnhofs. Zudem bauten die Modellbahnfreunde die Oberleitung des Anschlussbahnhofs Wurmbach originalgetreu nach.

Im Lockdown wurde gebaut. Besucher konnten natürlich auch die Modellbahnfreunde im vergangenen Jahr kaum begrüßen. Stattdessen wurde fleißig an der Anlage weitergebaut. „Den ganzen Winter über bin ich, wenn mir fad war, hier heraufgekommen“, erzählt Leopold Klein.

Zur Oberleitung des Anschlussbahnhofs Wurmbach hat er die Originalpläne. Und als früherer Elektriker weiß er ganz genau, wie die Leitung aussehen sollte. „Ihr hättet hören müssen, wie oft er geflucht hat, weil es nicht passt“, wirft sein Modellbaukollege Alois Dangl ein. Der neue Fußballplatz im Bahndorf, der fantasievollen Kinderanlage, wird vor allem die Kleinsten begeistern, sobald sie dort wieder selbst Züge steuern dürfen.

So mancher findet sein Haus wieder. Die Kinder waren übrigens auch der Anlass für das Ganze. Der Verschönerungsverein der Gemeinde hatte 1989 die Idee, eine Kinderanlage für den Advent zu bauen. „Dann ist einer mit dem Schienenplan dahergekommen“, schildert Klein.

Einige Mitglieder des Verschönerungsvereins waren bereits modellbaubegeistert, und so entstand schlussendlich der originalgetreue Nachbau des Bahnhofes Göpfritz der Franz-Josefs-Bahn vor der Elektrifizierung. Und zwar war die Bahn innerhalb von zwei Monaten fahrbereit. Eine Besonderheit sind dabei auch die vielen Eigenbauten an Figuren, Fahrzeugen oder Gebäuden. „Wir sind herumgegangen und haben die Häuser abgemessen“, schmunzelt Klein.

In sechs Jahren 150 Mal geöffnet. Dass der Modellbahnhof gar so großen Anklang finden würde, daran dachte man zu Beginn nicht. „Wir führen von Anfang an ein Gästebuch. In den ersten 25 Jahren hatten wir etwa 66 mal offen“, berichtet Klein. Dann folgte der Umzug, denn ursprünglich war die Anlage im Sitzungssaal der Gemeinde untergebracht. 14 Personen halfen dabei, den Bahnhof in den neuen Raum hinüberzutragen. Hätte man die Anlage geknickt, hätte man von vorne beginnen können.

Am 27. Juni 2015 konnte aber der umgesiedelte Bahnhof offiziell eröffnet werden und wurde in den sechs Jahren seither ganze 150 Mal besucht. Der Umzug brachte die Möglichkeit, den Bahnhof um den Sportplatz und den Verladebahnhof Wurmbach des Bundesheeres zu erweitern. Zudem haben die Modellbahnfreunde nun eine kleine Werkstatt eingerichtet. Die große Ausstellung, die sie 2019 organisierten, fand auch großen Anklang. „Wir wurden schon gefragt, ob wir das nicht wieder machen könnten“, sagt Wolfgang Schneider.

Sammlung ist entstanden. Die Faszination für die Eisenbahn und den Modellbau ist nach wie vor groß. Besonders schön sei es, die Kinder dann ganz begeistert vor der Anlage stehen zu sehen. Immer wieder verwundert sei man auch davon, von wie weit her Gäste kommen, um sich den Modellbahnhof anzusehen. Etwas Besonderes war es auch, in dem Buch „111 Orte im Waldviertel, die man gesehen haben muss“ aufgenommen worden zu sein.

Der Modellbahnhof besteht dabei nicht nur aus den fahrenden Zügen und sich bewegenden Figuren, sondern beinhaltet mittlerweile auch eine große Sammlung verschiedenster Eisenbahn-Utensilien, die zusammengetragen beziehungsweise gespendet wurden. Und auch wenn der Platz für große Anbauten ausgeht, wird den Modellbauern nie langweilig. Es gibt immer noch, Gleise einzuschottern und neue Figuren und Modelle zu bauen.

Das nächste Mal geöffnet haben soll der Bahnhof, so es die Pandemie zulässt, am 4. August.