Die vergessenen Wehren: Denkmal für Florianis. Zwischen 1938 und 1941 verschwanden 16 Feuerwehren im Bezirk Zwettl. Gerhard Schneider aus Göpfritz an der Wild erklärt, was es damit auf sich hat.

Von Markus Füxl. Erstellt am 27. Juli 2018 (05:00)
Markus Füxl
Sammeln gegen das Vergessen: Abschnittsachbearbeiter der Feuerwehrgeschichte und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Göpfritz/Wild Gerhard Schneider und sein Sohn Patrick vor einem alten Motorspritzenwagen der ehemaligen Feuerwehr aus Wurmbach.

Sie ist leuchtend rot, fünf PS stark und kann bis zu 680 Liter Wasser pro Minute liefern: Der Motorspritzenwagen mit der Fabriksnummer 395 steht im alten Feuerwehrhaus in Göfpritz an der Wild und erinnert an die Einsätze der Florianis vor fast 100 Jahren. Für den 59-jährigen Gerhard Schneider ist der Motorspritzenwagen aber mehr als nur eine Antiquität. Sie erinnert an die Zeit, als zwischen 1938 und 1941 für die Entstehung des Truppenübungsplatzes Döllersheim (heute Allentsteig) über ein dutzend Feuerwehren verschwanden.

Auf der Suche nach altem Inventar

„Mein Ziel ist es, die Geschichte für die vergessenen Feuerwehren aufzuarbeiten und ihnen ein Denkmal zu setzen“, sagt Schneider. Das möchte er nicht nur im übertragenen Sinn tun: Am Platz vor dem neuen Feuerwehrhaus in Göpfritz an der Wild soll Mitte 2019 ein Denkmal enthüllt werden. Mehrere Künstler waren bereits bei einer Besichtigung vor Ort. Die Größe und wie genau das Denkmal aussehen soll, wird heuer im September entschieden.

Bis dahin arbeitet er mit seinem Sohn Patrick an der Aufarbeitung der „vergessenen Feuerwehren des Truppenübungsplatzes Döllersheim“, wie die beiden ihr Projekt nennen. Sie sind seit 2017 auf der Suche nach alten Schriftstücken, Inventargegenständen, Uniformen, Fahnen und Fotos von den Feuerwehren, die für den TÜPl weichen mussten.

Bisher haben sie eine Handpumpe, eine Ehrenurkunde aus Söllitz, einen Feuerwehrhelm aus Felsenberg, einige Fahnen und eben auch den Motorspritzenwagen aus Wurmbach gesammelt.

"Ich möchte den vergessenen Feuerwehren des Truppenübungsplatzes Döllersheim ein Denkmal setzen."Gerhard Schneider

Unterstützt werden die beiden vom Feuerwehrabschnitt Allentsteig, dem Bezirksfeuerwehrkommando Zwettl, der Marktgemeinde Göpfritz an der Wild, dem ehemaligen TÜPl-Kommandanten Josef Fritz, dem Verein „Freunde der alten Heimat“ aus Echsenbach und dem Museumsverein Göpfritz an der Wild.

„42 Ortschaften wurden damals für militärische Zwecke geräumt. Die Aussiedlung betraf ungefähr 6.800 Menschen“, erklärt Schneider. Diese Geschichte wurde bereits in mehreren Büchern aufgearbeitet. „Dabei hat man aber immer auf die Feuerwehren vergessen, sie scheinen nirgends auf“, so Schneider.

Ihn verbindet auch eine persönliche Geschichte mit den Wehren: Sein Großvater war selber in der Feuerwehr in Äpfelgschwendt tätig. Sein Vater wurde im Alter von acht Jahren von dort ausgesiedelt. Seit 1964 ist der Ort eine unbewohnte Katastralgemeinde von Göpfritz an der Wild. „Die ältesten Feuerwehren waren bei der Aussiedlung schon 50 Jahre alt. Sie haben einfach zu existieren aufgehört, das kann man sich heute gar nicht vorstellen“, sagt Schneider.