Aus alter Mühle wird Ordination

Arzt Martin Pinsger will ein Ordinations- und Seminarzentrum in Grafemühle errichten.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 09:12

Martin Pinsger ist der Doktor, der den Schmerz ernst nimmt. Nun will er in der alten Kornmühle im Ort Grafemühle, die sein Vater vor rund fünfzig Jahren erworben hat, ein Ordinationszentrum errichten. Die Gründe für dieses Projekt sind seine persönliche Verbundenheit mit diesem Haus und seine Einstellungen und Arbeitsweisen im medizinischen Bereich.

Martin Pinsger wurde in Hellmonsödt bei Linz geboren, wo der Vater und der Großvater als praktische Ärzte tätig waren. Er sieht sich teilweise in der Tradition jener Landärzte, die mit den Leuten lebten und mit den Menschen stark verbunden waren. Auf der anderen Seite bringt er wissenschaftliche Erkenntnisse und seine langjährige Erfahrung in seine Arbeit ein. Der Orthopäde betreibt mit seinem rund zwanzigköpfigen Team sehr erfolgreich ein Schmerzkompetenzzentrum in Bad Vöslau. In dem geplanten Ordinationszentrum in der Gemeinde Sallingberg will er zu Beginn ein bis zweimal in der Woche tätig sein. „Hier ist ein besonderer Kraftplatz, an dem ich mich wohlfühle und wo ich mich beim Anblick des drehenden Mühlrads entspannen kann“, erklärt Pinsger. Das Besondere an der Liegenschaft ist, dass sich Zufluss und Abfluss des Mühlbachs am selben Grundstück befinden und das Wasserrecht beim Eigentümer ist.

Ordination soll bereits 2023 in Betrieb gehen

Als in den Siebzigerjahren die anderen Jugendlichen in die Disco gingen, half er seinem Vater bei der Renovierung der alten Lohnmühle Asphall. Über die Jahre hinweg wurde in dem Objekt immer wieder umgebaut, erneuert, gestaltet, eingerichtet und verbessert. Einige Jahre hindurch betrieb hier der Künstler Robert Colnago in Teilen des Hauses eine Schmiede, in der er mehrere seiner Werke herstellte. Mit dem Maler und Grafiker Karl-Heinz „Julius“ Lagler, der in der Nähe wohnte, war die Familie ebenfalls eng verbunden.

2005 wurde das Mühlenrad mit 3,5 Meter Durchmesser mit Lärchenholz erneuert, wenige Jahre später das Kammrad aus Eschen- und Akazienholz. Nun werden die Detailpläne für den Umbau erstellt. Sorgen bereitet dem Hauseigner, dass bei Hochwasser die unten gelegenen Teile bis zur halben Fensterhöhe überflutet werden. Der Eingangsweg zu den deshalb etwas höher angesetzten Ordinationsräumen soll um das Mühlenrad herum gestaltet werden. Wenn alles wie vorgesehen läuft, soll die Ordination 2023 in Betrieb gehen. Der weitere Ausbau des Seminarzentrums soll später erfolgen.

Rund 40 Seminare wurden seit 2008 von Martin Pinsger bereits in der Mühle abgehalten. Die Teilnehmer erhalten einen Überblick über die möglichen Anwendungsbereiche von Cannabinoiden.

Pinsger betont, dass jede Anwendung nur unter ärztlicher Kontrolle mit standardisierten Präparaten erfolgen muss. Dazu kommt, dass chronischer Schmerz laut Weltgesundheitsorganisation erst ab 2022 als Krankheit anerkannt wird. „Wichtig ist, dass der Patient sich intensiv und positiv an der Behandlung beteiligt“, sagt der Arzt. „Wir müssen dem Analogen wieder mehr Bedeutung gegenüber dem Digitalen verschaffen“, sagt der Arzt im NÖN-Gespräch.