Die Rückkehr der Edelkrebse. Der Groß Gerungser Leopold Fichtinger züchtet eine fast ausgestorbene Delikatesse.

Von Markus Füxl. Erstellt am 30. August 2018 (05:26)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Aus klein wird groß: Leopold Fichtinger mit zwei Edelkrebse aus seiner Zucht in Häuslarn bei Groß Gerungs.  
Markus Füxl

Leopold Fichtinger will den „Astacus astacus“ vor dem Aussterben retten. Seit 2010 züchtet er in Häuslarn bei Groß Gerungs Waldviertler Edelkrebse. „Mein Ziel ist die Wiederansiedelung dieser aussterbenden Spezies“, sagt er im Gespräch mit der NÖN.

Der Grund für das fast vollständige Verschwinden der Edelkrebse in unserer Region ist die Einfuhr des amerikanischen Signalkrebses. Er steckt die Tiere mit einem lebensbedrohlichen Fadenpilz an, der sogenannten Krebspest. Deshalb findet man die Edelkrebse fast nur mehr in abgelegenen Teichen.

Leopold Fichtinger möchte das ändern. Er verwandelte das zweieinhalb Hektar große Grundstück in einem Wald in Häuslarn zum optimalen Standort für seine Krebszucht. „Am Anfang war das noch eine Sumpflandschaft“, sagt er.

Markus Füxl

Mittlerweile stehen dort eine Zuchthalle mit mehreren Wassertanks sowie acht Teiche, ein neunter ist bereits in Planung. In zwei Teichen hält Fichtinger die Muttertiere. Die optimale Temperatur für die Krebse liegt zwischen 18 und 23 Grad Celsius. Wenn im Herbst die Wassertemperatur sinkt, paaren sich die Tiere. Bis zu 250 Eier kann ein Weibchen dann produzieren.

In den anderen Teichen hat Leopold Fichtinger an den Ufern Steine und Ziegeln eingebracht. Diese nutzen die Tiere als Versteckmöglichkeit, bevor sie mit drei Zentimetern Länge verkauft bzw. ausgesetzt werden. Die Edelkrebsmännchen werden bis zu 18 cm lang, etwa 15 Jahre alt und wiegen dann bis zu 250 Gramm.

„Tierische Putzfrau“ steht am Speiseplan

Bis sie groß genug sind, hegt und pflegt Fichtinger die Tiere. Obwohl vor allem Jungkrebse Algen bevorzugen und die Ernährung am besten aus der Natur ohne Zufütterung komme, erhalten sie ab und zu geraspelte Karotten und pürierte Leber: „Meine Brütlinge bekommen einen Karotten-Smoothie“, sagt Fichtinger lachend.

Die größeren Tiere erhalten auch Getreide, Kartoffeln oder gefrostete Leber. Und noch einen Ernährungstrick verrät Fichtinger der NÖN: In die Tanks setzt er Wasserschnecken, die das Wasser reinigen. Die kleineren Schnecken werden von den Krebsen gefressen. „Das ist so, als hätte man die Putzfrau im Haus und wenn man Hunger hat, isst man sie einfach“, sagt er und lacht.

Beruflich plant und verkauft Fichtinger Häuser für ein Bauunternehmen in Wiener Neudorf. Mit der Krebszucht hat er sich einen langen Wunsch erfüllt. „Krebse sind einfach meine Passion“, so der Groß Gerungser.

Dass er überhaupt auf das Hobby gestoßen ist, hat er seiner Frau zu verdanken, sagt er lachend: „Während sie früher shoppen war, gingen meine Tochter und ich immer in die Tierhandlung. Ich stand immer ganz begeistert bei den Aquarien.“

Einen Teil seiner gezüchteten Krebse setzt er in der freien Natur aus, einen weiteren Teil verkauft er an private Teichbesitzer. „Die Krebse fungieren als ‚Gesundheitspolizei‘, sie fördern die Gewässerhygiene und verhindern Krankheiten, weil sie Larven und verendete Lebewesen am Gewässergrund fressen“, sagt Fichtinger.

Auch Gartenteiche sind für Edelkrebse geeignet, müssen aber mindestens 80 Zentimeter tief sein. Die Größe hängt von der Anzahl der Krebse ab, als Faustregel gilt ein Krebs pro Quadratmeter.

Nachfrage kann nicht befriedigt werden

Noch vor 200 Jahren war Krebs wegen seiner dichten Besiedelung in Europa eine Armenspeise. Heute gilt er als Delikatesse und wird in Spitzenrestaurants serviert. Ein Abnehmer von Leopold Fichtingers Krebsen ist der Bärenwirt Michael Kolm aus Arbesbach. „Er hat das Exklusivrecht darauf“, sagt Fichtinger. Wenn etwas übrig bleibt, verkauft er seine Speisekrebse auch an andere Wirte. Übrig bleibt aber selten etwas: „Die Nachfrage kann nicht befriedigt werden“, so der Züchter.

Auch deshalb kann er pro Kilo etwa 55 Euro verlangen. Dazu komme der außergewöhnlich gute Geschmack des festen Fleisches: „Krebs schmeckt besser als Hummer“, so Fichtinger. Am liebsten isst er seinen Krebs ohne viel Schnickschnack: „Nur gesalzen und gekocht schmeckt er eigentlich am besten!“