Baumeister in zwei Gemeinden im Bezirk Zwettl. Franz Romeder setzte sich für die Entstehung der Großgemeinden Zwettl und Schweiggers ein. „Es war richtig.“

Von Karin Pollak. Erstellt am 21. April 2021 (04:12)
1973 überreichte der damalige Landeshauptmann Andreas Maurer (links) an den Bürgermeister Franz Romeder das neue Marktwappen von Schweiggers.
Gemeindearchiv Schweiggers, Gemeindearchiv Schweiggers

Franz Romeder war ein Politiker aus vollster Überzeugung und einer gewissen Autorität. Und genau das brauchte der damalige Landtagsabgeordnete und ÖVP-Bezirksparteiobmann auch für das Unternehmen „Gemeindezusammenlegung“ Anfang der 70er-Jahre. „Es war eine gute Entscheidung“, blickt der heute 83-Jährige auf diese turbulente Zeit zurück. Vor allem in Zwettl und in Schweiggers trug die „Geburt“ der Großgemeinden seine Handschrift.

„Es ging vor allem darum, mehr Geld aus dem Finanzausgleich in die Region zu bringen, und dazu brauchte man einfach mehr Einwohner in einer Gemeinde“, erzählt der ehemalige Präsident des NÖ Landtages und des Österreichischen Gemeindebundes. Davon wäre auch der damalige Zwettler Bezirkshauptmann Gottfried Forsthuber überzeugt gewesen. „Er wollte mit mir im Jänner 1970 darüber sprechen, und wir holten den Nationalratsabgeordneten Johann Haider dazu. Ich persönlich war für eine Großgemeinde Zwettl, wusste aber nicht, ob die Gemeinden überhaupt mittun würden“, erzählt Romeder.

„Damals hat mich Landeshauptmann Andreas Maurer wegen der neuen und sehr großen Gemeinde Zwettl ziemlich kritisiert.“ Franz Romeder

Es folgten Bürgerversammlungen in allen kleinen Gemeinden um Zwettl, die Romeder und Haider organisiert und geleitet haben. Groß sei die Skepsis beim damaligen Zwettler Bürgermeister Anton Denk gewesen. „Wir haben uns darauf geeinigt, dass Zwettl der Großgemeinde beitreten werde, wenn alle anderen Gemeinden das auch tun. So war damals der Deal zwischen Haider und Denk.“

Als vorletzte Gemeinde sprach sich Schloß Rosenau für den Zusammenschluss aus, jedoch mit der Bedingung, dass das Schloss weiter restauriert werde. Das sagte man zu, und somit war der Weg frei für die Großgemeinde, denn auch Zwettl musste die Vereinbarung einhalten“, so Romeder, der letztendlich auch die Befürchtungen vieler, dass einige Orte in der Großgemeinde untergehen würden, ausräumen konnte.

Franz Romeder übernahm als ÖVP-Bezirksparteiobmann den Vorsitz bei der Organisation der ersten Gemeinderatswahl der Großgemeinde Zwettl sowie bei der Reihung der Kandidaten, er sorgte auch für die Finanzierung des Wahlkampfes. Anton Denk wurde wieder Bürgermeister, musste jedoch 1975 zurücktreten. Ein Jahr lang folgte Franz Eigl, dann stand mit Ewald Biegelbauer ein langjähriger Freund Romeders zur Wahl. „Es war wiederum das Schloss Rosenau, das Biegelbauers Bürgermeisterkandidatur noch verhindern hätte können. Aber nach mehreren Gesprächen mit dem damaligen Landeshauptmann-Stellvertreter Ludwig ist das Schloss in den Besitz des Landes übergegangen. Jetzt war das letzte Problem in der Großgemeinde Zwettl gelöst.“

Ansonsten habe es bei der Fusion keine Unruhen gegeben, bei den Bürgerversammlungen hätten alle der Zusammenlegung zugestimmt. „Heute bin ich überzeugt, dass diese große, historische Entscheidung richtig war. Auch wenn mich damals Landeshauptmann Andreas Maurer wegen der neuen und sehr großen Gemeinde Zwettl ziemlich kritisiert hat. Er konnte sich nämlich nicht vorstellen, dass so etwas in diesem Umfang funktionieren könne. Aber wie man sieht, geht es.“

Franz Romeder wollte eigentlich nie Bürgermeister werden. Er wurde es doch, und das gleich in der 1971 gegründeten Großgemeinde Schweiggers. „Der damalige ÖVP-Ortsparteiobmann von Perndorf, Felix Fuchs, hat mich sehr oft und sehr vehement darum gebeten, eigentlich blieb mir letztendlich nichts anderes übrig“, blickt der Altbürgermeister zurück.

Vom Gmünder in den Zwettler Bezirk

Gerade in dieser Gemeinde habe es einige „Überraschungen“ bei der Zusammenlegung gegeben. Limbach habe mehr zu Kirchberg am Walde tendiert, bei der Bürgerversammlung 1970 sprachen sich die Limbacher aber doch für Schweiggers aus. Siebenlinden, das zum Bezirk Gmünd gehörte, wollte eine eigene Gemeinde mit Großwolfgers gründen. Die Großwolfgerser wollten aber nach Weitra. „Bei einer Zusammenkunft erschien der Gmünder Landtagsabgeordnete Johann Weißenböck nicht, daher referierte ich alleine und es gab eine pragmatische Lösung: Da die Kinder aus Siebenlinden in die Hauptschule nach Schweiggers gegangen sind, wurde Siebenlinden bei uns eingemeindet.“

„Das Thema hat bewegt, es war ja doch ein gewaltiger Einschnitt und es war nicht einfach, die Bevölkerung zu überzeugen. Rückblickend war es richtig, was und wie wir es gemacht haben. Die Infrastruktur konnte ja gewaltig verbessert werden. Damals war zum Beispiel noch keine Straße asphaltiert.“

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