"Storytelling Festival" erzählt Geschichten auf ungewöhnliche Weise

Viel Facetten der Erzählkunst hielten in Großhaselbach Einzug. Musik, Performancekunst, Pantomime – zum ersten Mal gastierte das "Internationale Storytelling Festival" in der Gemeinde.

Erstellt am 25. Oktober 2021 | 13:18

Eine Geschichte braucht oft keine Worte. Sie können zwar helfen, doch sind sie ohnehin meist nur Schall und Rauch und schnell wieder vergessen. Neben Worten auch noch andere Ausdrucksweisen ins Geschichtenerzählen einzubinden, das macht sich das „Internationale Storytelling Festival“ zur Aufgabe.

In seiner über 30-jährigen Geschichte besuchte das Festival nun auch die Gemeinde Schwarzenau, genauer Großhaselbach. Festivalinitiator Folke Tegetthoff brachte acht internationale Künstler mit ins Kulturstadl des Gasthauses Döller zur „Langen Nacht der Geschichten“.

Zur Eröffnung ließ man die Musik sprechen. Jelena Popržan spielte Violine und sang dazu. Ihre Performance war dabei bei Weitem nicht so minimalistisch, wie das klingt. Durch geschicktes Live-Aufnehmen ihrer Melodien erzeugte sie beeindruckende Klangkonstrukte, denen nur selten unter ihrer Last das Zusammenbrechen drohte. Aus einer Stimme wurden so zwei, dann drei und schließlich ein ganzer Chor. Die Musik bewegte sich dabei irgendwo zwischen energetischen osteuropäischen Harmonien und avantgardistischem Geräuschwirrwarr. Statisch oder auf der Stelle tretend wirkte die Lieder dabei nie, wie es bei manch anderen „Loop-Künstlern“ oft der Fall ist.

Jonglierkunst mit allen Gliedmaßen

Für Begeisterung sorgte auch die Jongleurin Roxana Küwen-Arsalan. Wem Hände nicht reichen, der bindet eben auch die Füße zum Jonglieren mit ein. Das Publikum war sichtlich erstaunt, was die Künstlerin mit ihren Bällen zaubern konnte. Bei ihrem Tanz mit den Bällen legte sie unglaubliches Feingefühl an den Tag.

Das klassische Erzähltheater bediente die Koreanerin Soogi Kang. Sie stand zum ersten Mal überhaupt in Österreich auf der Bühne. Die ersten paar Sätze fielen noch auf Koreanisch, doch dann wechselte sie zum Wohle des Publikums auf Deutsch. Die von ihr vorgetragene traditionelle koreanische Geschichte handelte von einem Holzköhler und viel Irrungen um einen Spiegel, dessen Zauberwerk keiner der Beteiligten so recht begreifen konnte.

Soogi Kang legte sich ordentlich ins Zeug und erzählte mit viel Enthusiasmus. Für den doch recht simplen Inhalt war die Geschichte an manchen Stellen allerdings etwas zu lang gestreckt. Eine amüsante Reise ins Korea vergangener Tage war die Geschichte des Holzköhlers aber allemal.

Ein etwas anderer Pantomime

Wieder ohne Worte ging es schließlich bei Pantomime Julien Cottereau weiter. Der Künstler vom Cirque du Soleil unterscheidet sich von anderen Pantomimen dadurch, dass er auch Geräusche in seine Routinen mit einbaut. Mal furchteinflößend wie ein wildes Tier, später aber ulkig und handzahm, wenn Cottereau beim Putzen abstruseste Geräusche von sich gibt. Die Lacher des Abends gehörten definitiv ihm. So band er auch das Publikum mehrmals mitein und spielte gemeinsam mit einem jungen Zuseher „imaginär“ Fußball.

Weiters waren Performancekünstler Dmitriy Yenin, die Erzählerinnen Andrea Kampmeier und Nazli Çevik Azazi, sowie Musiker Moses Concas im Kulturstadl zu sehen. Die vielen Programmpunkte brachten ordentlich Abwechslung. Die Vielseitigkeit ist die größte Stärke des Festivals. Folke Tegetthoffs großes Ziel, allen Facetten des Erzählens eine Bühne zu bieten, war auch dieses Mal klar erfüllt.

Wer tiefgründige Geschichten erwartet, dürfte allerdings leicht enttäuscht werden. Diesen Anspruch hegte das Festival zumindest an diesem Abend aber auch gar nicht. Klar kann man das Priorisieren von Gefühlen anstatt Inhalt als negativ auslegen, doch für alle, die das Ungewöhnliche suchen, war der Abend ein Heidenspaß.