Risiken & Erfolge mit Bio-Destillaten

Christoph Reif aus Großreichenbach über sein Qualitätsverständnis, die Alkoholproduktion und Geheimnisse der Destillerie-Branche.

Erstellt am 05. Dezember 2021 | 07:41
Lesezeit: 3 Min
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Die Familie hilft mit: Raphael Halmenschlager und Christoph Reif (vorne) können auf kräftige Unterstützung ihrer „Neper Destillate“ setzen.
Foto: privat

Als er vor einigen Jahren einen Online-Artikel über Vodka-Herstellung gelesen hat, da wusste Christoph Reif noch nicht, dass ihn das Thema so schnell nicht mehr loslassen würde. Sein Interesse war bald geweckt, er beschäftigte sich damit, probierte Verschiedenes aus. „Dann habe ich mich entschlossen, zu investieren und große Geräte anzuschaffen. Natürlich war das Risiko hoch und die Ausstattung teuer. Zum Glück ist was draus geworden“, sagt er. Offiziell hat die Destillerie in Großreichenbach 2016 ihren Betrieb aufgenommen, vor Kurzem kam eine neue Anlage dazu.

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„Es ist ein sehr langwieriges Geschäft, weil man sich erst einen Kundenstamm aufbauen muss“, erzählt Christoph Reif. Das bedeutet: Vieles muss vorfinanziert, viele Risiken ohne Garantie auf Erfolg eingegangen werden. Reif hat als Einzelunternehmer begonnen, 2019 ist Raphael Halmenschlager als Teilhaber eingestiegen. Unterstützt werden die beiden von ihren Familien – und einer Teilzeit-Mitarbeiterin für den administrativen Bereich.

Selbstgemacht ist nicht selbstverständlich

Beruflich kommt Christoph Reif eigentlich aus einem ganz anderen Bereich: Der gelernte Elektrotechniker arbeitet nach wie vor mit reduziertem Stundenausmaß in dem Beruf. In der Nähe von Berlin hat er zwar eine Brennereischulung absolviert, aber: „Das meiste muss man sich selbst beibringen. Die erfahrenen Leute wollen ihre Geheimnisse selten preisgeben“, erzählt er. Gin, Vodka, Liköre, Schnäpse, Absinth – all das gibt es unter der Marke „Neper Destillate“ bereits. Der Alkohol dafür wird selbst gemacht, das sei keine Selbstverständlichkeit, betont Reif: „Viele kaufen den Alkohol zu. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir das nicht machen müssen und es in der eignen Anlage selbst herstellen können.“

95 Prozent der Rohstoffe kaufe man in der eigenen Ortschaft, vier weitere Prozent innerhalb Österreichs, sagt er: „Manches bekommt man in Österreich nicht. Wacholderbeeren für den Gin hatten wir zum Beispiel schon einmal aus Österreich. Mit dem Problem: Sie haben zu wenig Sonne bekommen, und das hat sich auf den Geschmack ausgewirkt.“ Dass die Rohstoffe bio sind, gehöre zu seinem Qualitätsverständnis: „Bio-Destillate gibt es sonst in Österreich kaum.“ Auch bei der Verpackung lege man Wert auf Wiederverwendung und Recycling. Als Basis für die Destillate dient Bio-Roggen. Denn: „Wir wissen, dass der Roggen das beste Grundprodukt zum Herstellen von Alkohol ist. Es ist zwar das teuerste, aber das beste“, erklärt Reif.

Neue Destillerie: Größere Menge, bessere Qualität

Vor Kurzem hat der Betrieb noch einmal einen sechsstelligen Betrag in eine neue Destillerie investiert. „Wir haben sie schon in Betrieb genommen, es funktioniert sehr gut“, freut sich Reif: „Die Herstellung von Alkohol ist damit einfacher.“ Die neue Anlage kann 17 Mal in einem Durchgang destillieren, die alte schaffte 14 Mal – und eine geringere Menge. „Außerdem ist die Qualität besser, weil sich bei einem größeren Gebinde das Aroma besser entfalten kann“, sagt er. Die Destillerie beliefert auch andere Betriebe mit reinem Alkohol.

Ein Ziel für die Zukunft ist allerdings der Einzug der „Neper Destillate“ in die Supermarkt-Regale. Bloß: „Dafür muss man seine Hausaufgaben gemacht haben und alles passen. Und man muss die geforderten Mengen produzieren können, sonst ist man schneller draußen, als man drinnen war“, ist sich Christoph Reif den Anforderungen bewusst.

Ideen zur Weiterentwicklung, für neue Geschmacksrichtungen und Designs gibt es mehrere. Daneben sind Christoph Reif und sein Team allerdings wieder einmal ein Risiko eingegangen: Damit Whisky auch wirklich Whisky ist, muss er drei Jahre reifen. Dementsprechend wird es voraussichtlich ab nächstem Jahr Whisky aus Großreichenbach geben, eingelagert ist er schon. Die Garantie, dass er schmeckt, gibt es nicht – möge das Risiko erneut belohnt werden.