EU sah in Allentsteig, wie’s geht. Grenzschutz: Über 2.300 Soldaten übten den Ernstfall zum Schutz der Außengrenzen, um zivile Institutionen besser unterstützen zu können.

Von René Denk. Erstellt am 20. September 2017 (05:55)

Gäste aus 13 Nationen wurden am Truppenübungsplatz Allentsteig am 15. September begrüßt. Der Grund: Österreichs Vorreiter-Rolle mit fünf weiteren EU-Ländern den Grenzschutz effektiver zu entwickeln.

Die Übung „Cooperative Security 2017“ ist Teil der zentraleuropäischen Verteidigungskooperation (CEDC), der neben Österreich auch Tschechien, Ungarn, Slowenien, Slowakei und Kroatien angehören und wurde vergangene Woche mit über 2.300 Soldaten geübt. Über 100 Soldaten kamen dabei aus Tschechien und Ungarn.

Grundlegend übten die Soldaten drei Aufgabengebiete, die sie rein zur Unterstützung der zivilen Behörden und Institutionen — in Österreich beispielsweise der Polizei — anbieten können: Den Aufbau und Überwachung einer grünen Grenze auf der freien Wiese, einen Flüchtlingsansturm auf eine Grenzstation und die Versorgung von Flüchtlingen in Zeltlagern.

Bei der ersten Station übten die Soldaten Möglichkeiten, wie sie Wege und Zäune in rascher Zeit errichten und aufstellen können. Die Überwachung mittels Drohnen und Hubschrauber und das gesicherte Aufgreifen von Flüchtlingen wurde demonstriert.

Grenzübergänge wurden eindrucksvoll simuliert

Die zweite Station stellte die Sicherung eines Grenzüberganges dar und wie man Menschenmassen deeskalierend, möglichst sicher und geordnet einreisen lassen kann. „Hier haben wir speziell unsere Erfahrungen aus 2015 in Nickelsdorf und Spielfeld einfließen lassen und haben versucht, unsere Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Zusätzlich haben wir Fähigkeiten geübt, die damals nicht abgerufen wurden und zusätzliche Fähigkeiten zu entwickeln“, betonte Übungsleiter Christian Habersatter vom „Kommando Schnelle Einsätze“ mit Sitz in der Kaserne Mautern.

Eindrucksvoll wurde ein Grenzübergang simuliert, bei dem nach und nach immer mehr Flüchtlinge kommen und sich die Menschentraube vor dem Eingang vergrößert. Verletzte in der Menschenmenge, die die Emotionen der Masse hochgehen ließen, wurden mit einem kleinen Trupp geborgen, versorgt und in das Erste-Hilfe-Zelt gebracht.

Soldaten mit Black Hawks abgesetzt

Mehrere hundert Personen stellten die Flüchtlinge dar, bei denen die Emotionen immer höher gingen. Als die Rufe lauter wurden, unter anderem schrie die Masse „open this gate“, „let us in“ oder „we are human“ und sich ein Rädelsführer herauskristallisierte, wurden Soldatentruppen mit zwei Blackhawk-Hubschrauber eingeflogen.

Sie rissen einen Mann, der sich auf erhöhter Position befand zu Boden und nahmen ihn in Gewahrsam und transportierten ihn ab. Auch das beruhigte die Situation. Die große Menschenmenge wurde im Anschluss in ein eingezäuntes Nebenareal geleitet und beruhigt. Im dritten Szenario bauten Soldaten ein Zeltlager für über 400 Personen auf und übten die Versorgung und den Betrieb.

Verteidigungsminister Hans-Peter Doskozil betonte, dass dieses Modell als Vorbild für die gesamte EU zum Schutz der EU-Außengrenzen in und außerhalb Europas dienen soll. „Wir haben hier einen Vorstoß gemacht. Es ist wichtig, dass wir dieses Modell nach Europa tragen und dieses Modell auch in Brüssel einfordern“, betonte Doskozil, der eine Ausweitung der Schengenzone aus Ablenkung von der Schutzdebatte der EU-Grenzen und „möglicherweise sogar als Vergrößerung des Grenzproblems“ sieht.

Der tschechische und der ungarische Verteidigungsminister Martin Stropnický und István Simicskó stimmten mit Doskozil überein. Stropnický betonte, dass man nicht ausschließen könne, dass sich so ein Ernstfall wiederholen könne. Darauf kann und müsse man vorbereitet sein. Mit dabei war auch der slowenische Staatssekretär für Verteidigung, Róbert Ondrejcsák.