Lockdown: Schulen im Bezirk Zwettl sind vorbereitet. Seit zwei Wochen sind die Oberstufen im Heimunterricht. Wie läuft es?

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 18. November 2020 (05:34)

Mit dieser Woche werden nun auch die Pflichtschulen auf Heimunterricht umgestellt. Die Schüler der HAK, der HLW und der Oberstufe des Gymnasiums sind bereits seit zwei Wochen daheim. Den Aussagen der verschiedenen Schulleiter der vergangenen Monate zufolge, hätte man sich bereits intensiv auf dieses Szenario vorbereitet. Doch konnten die Erfahrungen aus dem Frühjahr mitgenommen werden und verlief die Umstellung jetzt reibungslos?

Diesmal gut vorbereitet

Gymnasiums-Direktor Wolfgang Steinbauer ist nach dem Umstieg positiv gestimmt. „Es hat eigentlich schon im Frühjahr bestens funktioniert. Das tut es auch jetzt wieder“, meint er.

Die bisherigen Erfahrungen und die Vorbereitung auf den Ernstfall hätten natürlich einen Effekt. Zu Beginn des Schuljahres wurden die Lehrer nochmals digital auf Vordermann gebracht. „Die Jungen haben natürlich einen Vorteil. Aber gerade für die älteren ist das ganze Thema „distance learning“ nicht so einfach“, berichtet Steinbauer.

Probleme technischer Natur habe es kaum gegeben. Der Direktor macht sich jedoch Sorgen um die Verfügbarkeit der nötigen Computer. „Viele Schüler müssen den Laptop der Eltern verwenden. Wenn die auch im „Home-Office“ sind und das Gerät selbst benötigen, könnten dadurch Konflikte entstehen“, erklärt Steinbauer.

Am Zwettler Gymnasium will man sich aber ohnehin nicht zu sehr auf die Rechner versteifen. Zu viele Online-Stunden würden sich belastend auf Schüler auswirken. „Wenn jeder Lehrer eine Online-Konferenz macht, müssen die Schüler täglich sechs bis acht Stunden vor dem Bildschirm sitzen.“

Auch für die Lehrer ist das „distance learning“ eine deutlich größere Herausforderung. Die Interaktion sei um einiges schwieriger, die Schüler zurückhaltender. Obendrein komme dann noch die oftmals schlechte Verbindungsqualität. „Ich rate den Lehrern deshalb, nicht jede Stunde per Videokonferenz abzuhalten“, betont der Direktor. Stattdessen wird auf einen guten Mix aus abgehaltenen Stunden und Arbeitsaufträgen gesetzt.

Schularbeit mit Maskenpflicht

Seit dieser Woche ist jetzt auch mit Schularbeiten vorerst Schluss. Die für die letzten 14 Tage angesetzten Tests wurden jedoch noch planmäßig durchgeführt, unter Einhaltung der Regeln. Die Schüler wurden auf mehrere Klassen aufgeteilt, die Maske war durchgehend Pflicht. (Von HAK und HLW genauso gehandhabt).

„Die Hygienemaßnahmen waren überhaupt kein Problem. Wir brauchten nur mehr Lehrer zur Aufsicht“, schildert Steinbauer. Die für die zweite Hälfte des Novembers angesetzten Schularbeiten wurden fürs Erste verschoben. Normalerweise stehen pro Fach zwei Schularbeiten im Semester auf dem Plan. Der Ausfall einer davon wäre laut Steinbauer nicht so tragisch. „Wir müssten dann halt mehr auf die Mitarbeit achten.“

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in der HAK

Laut Direktor Manfred Schnabl hätte man nach den bisherigen Erfahrungen genügend Zeit gehabt, um an den Problemstellen zu feilen. „Wir nehmen die Maßnahmen ernst. Bisher funktioniert alles reibungslos“, berichtet Schnabl.

Die Schularbeiten waren bisher die einzige Ausnahme, bei der Schüler in die Schule durften. Wenn der Lockdown doch noch länger dauern sollte, müsste laut Schabl eventuell über die Umsetzung einiger Präsenzstunden, wie der Übungsfirma, nachgedacht werden. Ansonsten wäre eine Weiterführung bis Dezember durchaus möglich.

„Ein Monat ist kein Problem, aber ab zwei wird es langsam kritisch“, meint Schnabl. „Die Schüler sind zu Hause aber irgendwie auch gleichzeitig in der Schule. Es gehört schon viel Disziplin dazu, den gleichen Lernerfolg zu erzielen.“

Der Heimunterricht sei also nicht in gleichem Maß effektiv. Auf lange Sicht bleibe der Präsenzunterricht unverzichtbar.

Wenige Ausnahmen an der HLW

Anders als in den anderen Schulen bleiben an der HLW einige wenig Präsenzstunden erhalten. Der praktische Unterricht in den Ernährungswissenschaften und beim Koch und Service Lehrgang darf weiterhin stattfinden.

„Wir müssen uns mit der Situation abfinden, aber das Limit ist irgendwann erreicht. Viele der praktischen Stunden können vom distance learning nicht ersetzt werden“, erklärt Direktor Gerhard Schenk.

Im Moment sei es noch kein Problem doch irgendwann sei das Limit erreicht. Auf längere Sicht müsse man laut Schenk zumindest die Hälfte der Stunden mit Präsenz abhalten, um den Qualitätsverlust in Grenzen zu halten.

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