Gemeinde Schwarzenau bekommt Hauptplatz. Schwarzenau kauft den Gebäudekomplex der Familie Hahnl und will so ein bisher nie gehabtes Zentrum schaffen.

Von René Denk. Erstellt am 10. Juli 2019 (06:18)
Grafiken: Architektur Schwingenschlögl ZT GmbH
Das neue Ortszentrum soll eine Verbindung zum Kirchenplatz haben und alles das bieten, was Schwarzenau bisher gefehlt hat. In der Bebauungsstudie des Architekturbüros Schwingenschlögl gibt es einen ersten Grobentwurf, es ist aber noch nichts fix.Grafiken: Architektur Schwingenschlögl ZT GmbH

Ein historisch bedeutender Beschluss wurde bei der Gemeinderatssitzung am 4. Juli gefasst: Im nicht öffentlichen Teil wurde einstimmig beschlossen, das „Desperados“ und den gesamten Gebäudekomplex der Familie Hahnl mit 1. Dezember 2020 geräumt anzukaufen. Wirtin Gabi Hahnl wird dann in Pension gehen und an eine Fortführung des Lokals wird nicht gedacht.

Die Fläche des Gebäudekomplexes, der vom Arbeiterheim über die ehemalige Sparkassen- und Fleischerei-Filiale, dem Nahversorgergeschäft und Friseur bis zum ans Gemeindeamt angrenzende Desperados reicht, beträgt 1.627 Quadratmeter.

„Es ist die historische Chance, endlich einen echten Hauptplatz in Schwarzenau zu bekommen“Bürgermeister Karl Elsigan

„Es ist die historische Chance, endlich einen echten Hauptplatz in Schwarzenau zu bekommen, der noch dazu mit dem Kirchenplatz verbunden ist. Und es besteht die Möglichkeit, dass wir alles, was in Schwarzenau notwendig wäre, mit diesem Projekt auch mitgestalten“, ist Bürgermeister Karl Elsigan überzeugt und verweist auf eine erste Bebauungsstudie vom Architekturbüro Schwingenschlögl aus Gmünd, die das mögliche Potenzial des Projekts grob aufzeigt.

Nach dem ersten Grobentwurf lässt sich das zukunftsweisende Projekt mit rund sechs Millionen Euro beziffern. Darin nicht enthalten ist der Kaufpreis für das Areal. Zur Umsetzung strebt die Gemeinde eine Kooperation mit der Siedlungsgenossenschaft Waldviertel (WAV) an.

„Es ist noch nichts fix, aber Gemeindeamt, Nahversorger und Wohnungen sollen derzeit im Projekt genauso mitgedacht werden, wie kleinere Büros für Startups (Jungunternehmer), ein Café und auch Nächtigungsmöglichkeiten für Touristen, insbesondere Radfahrer. Und das mitten im Zentrum von Schwarzenau“, erklärt Horst Rosenbusch von der WAV.

Die Familie Hahnl wird bis zur Übergabe am 1. Dezember 2020 alle Gebäude abgerissen haben. Die Planungen für das Projekt sollen so abgeschlossen werden, dass 2021 der Baubeginn erfolgen kann. „Für Projekte in dieser Größenordnung rechnen wir grob mit eineinhalb bis zwei Jahren. Das Ziel wäre, Ende 2022 fertig zu sein. Allerspätestens wären wir aber 2023 fertig“, skizziert Rosenbusch den Zeitplan.

Gemeinde sucht nun Betreiber für Betriebe

Wichtig wäre, Interessenten und Betreiber rechtzeitig noch in der Planungsphase ins Boot zu holen. „Von 2017 auf 2018 haben wir die Nächtigungszahl in Schwarzenau um 67 Prozent von 1.530 auf 2.560 auf gesteigert“, führt der Bürgermeister die starke Steigerung vor allem auf den neu gewonnenen Radfahrtourismus zurück. So wäre auch ein Betreiber für Nächtigungsmöglichkeiten genauso gesucht, wie ein Betreiber für ein Gastronomielokal.

Bereits angedacht war die Sanierung des Schwarzenauer Nahversorgergeschäfts. „Für die Gebäudesanierung hätte die Gemeinde 150.000 Euro investieren müssen. Es wäre aber trotzdem ein altes Gebäude mit weniger attraktivem Erscheinungsbild gewesen und damit hätte der Schwarzenauer Nahversorger weniger Chancen gehabt, auch die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.“ erklärt Elsigan.

Mit diesem Projekt würde der Schwarzenauer Ortskern jedenfalls wesentlich aufgewertet werden, ist sich der Bürgermeister sicher. „Das entspräche genau unserem Ziel, einen modernen Ortskern zu entwickeln“, meint Elisgan.

Auf Wunsch der Verkäufer wird der Kaufpreis nicht genannt, deshalb wurde der Tagesordnungspunkt auch im nichtöffentlichen Teil beschlossen.