Vom Spital zum Stadtamt in Zwettl. Wo heute das ausgebaute Stadtamt steht, waren früher ein Krankenhaus und eine Schießstätte.

Von Susanne Bauer. Erstellt am 06. September 2019 (04:01)
Zwettler Stadtarchiv
So sah das Zwettler Stadtamt 1950 aus. Damals war es noch ein Krankenhaus. Der Krankenhausbetrieb wurde Ende der 70er Jahre eingestellt. Die Stadtgemeinde verlegte mit 1. März 1982 ihren Standort von der Landstraße 20 in die Gartenstraße 3...

Seit etwa zwei Monaten arbeiten die Zwettler Gemeindebediensteten im ausgebauten und neu eröffneten Stadtamt.

Vizebürgermeister Johannes Prinz zieht ein positives erstes Fazit: „Es ist traumhaft. Jeder Mitarbeiter hat jetzt genug Platz.“ Nur wenigen Menschen ist aber bekannt, dass das heute moderne Stadtamt in der Gartenstraße 3 vor 50 Jahren noch das Zwettler Krankenhaus war.

Erst mit der Neuerrichtung des Spitals ab 1973 in Propsteinähe und der Eröffnung im Jahr 1979 wurde der Standort nicht mehr als Krankenhaus benötigt.

Mit Schrot, statt mit Worten geschossen

Die erste urkundliche Erwähnung des Hauses geht auf das Jahr 1564 zurück. Damals befand sich das Siechenhaus außerhalb der Stadtmauer und bot Platz und kostenloses Quartier für zehn verarmte und kranke Menschen. Man nannte sie „Pfründer“, sie verdienten ihren Lebensunterhalt durch Betteln.

Auch der Sitzungssaal hatte noch im 16. Jahrhundert eine andere Funktion. Damals wurde noch nicht mit Worten, sondern mit scharfer Munition geschossen: In Zwettl gab es damals eine Schützengesellschaft, die diesen Ort als Schießstätte nutzte. Sie schossen über einen damaligen Teich auf Scheiben.

Manchmal verfehlten sie das Ziel und trafen den noch Passauerturm in der Schulgasse. Das führte zu einer Beschwerde, die noch im Stadtarchiv dokumentiert ist. In den weiteren Jahren entwickelte sich die Schießstätte zu einem einstöckigen Gebäude, das für Veranstaltungen, Feste, Wahlen sowie evangelische Gottesdienste genutzt wurde. Erst 1951 wurde es in das damalige Krankenhaus integriert.

Stadtgemeinde
... wo heute das Zwettler Stadtamt steht . Vizebürgermeister Johannes Prinz zieht ein positives Fazit über die zweieinhalb Monate am umgebauten Standort.

Im Jahr 1833 errichtete die Gemeinde das Siechenhaus neu. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es nach und nach zur Aufnahmestation für Kranke. 1858 wurde es ausgebaut und 1868/69 wurde es um einen Zubau erweitert. Damals hatte das „Spital“ eine Kapazität von drei Zimmern mit maximal elf Betten im Erdgeschoss, wie auch im Obergeschoss.

Ein wichtiger Meilenstein wurde am 25. November 1872 gesetzt. Damals beschloss der niederösterreichische Landtag, das Spital in Zwettl zu einem allgemein öffentlichen Krankenhaus zu erheben. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde das Gebäude in mehreren Etappen neuerlich erweitert, bis massive Veränderungen durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg eintraten.

Luftschutz-Stockbetten stehen noch immer dort

Dort wo heute das Musikerheim steht, wurden zwei Baracken gebaut, die gesamt 60 Kranken Platz boten. Zum Schutz der Bediensteten wurde 1944 entlang der Stadtmauer ein Luftschutz-Deckungsgraben errichtet. Dieser Betonunterstand ist noch bis heute mit Stockbetten ausgestattet. Er musste aber nie in Anspruch genommen werden, da Zwettl bis auf den einmaligen Beschuss des Bahnhofs Luftangriffen entging. 2002 fiel das Gebäude aber dem Jahrhunderthochwasser zum Opfer und musste im Erdgeschoß komplett saniert werden.