Lehrer und Eltern im Bezirk Zwettl sind gefordert. Auch wenn der Unterricht von Zuhause gut funktioniert, wünscht man sich den Präsenzunterricht zurück.

Von Angelika Koll. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:43)
Weiter warten auf volle Klassen: Das Zwettler Gymnasium hat in der Coronazeit ein Image-Video gedreht, um sich zu präsentieren. Im Bild: Maia Luis-Pinto, Sophia Edelmaier, Lizete Dislere-Musta, Franziska Eschelmüller, Lilly Hipp, Jakob Reiter.
Gymnasium Zwettl

Die Schüler mussten in diesem Semester bereits wieder viele Stunden im Distance-Learning verbringen. Doch wie wirkt sich das auf die Lernsituation aus?

Für den Erfolg beim Distance-Learning brauche es kompetente, engagierte Lehrkräfte, entsprechende Ausstattung und natürlich Motivation auf der Schülerseite, wie HAK-Lehrer Herbert Kolinsky erwähnt. Er begrüßt die Regelung, Online-Unterricht mit Arbeitsaufträgen abzuwechseln, sodass die Schüler nicht ununterbrochen vor ihren Geräten sitzen und sich ihre Zeit teilweise eigenverantwortlich einteilen können.

„Die Kinder und Jugendlichen tun mir schon sehr leid.“ Herbert Kolinsky

Zum Supergau komme es, wenn einige Faktoren, wie Lehrer, die sich nicht im richtigen Maß einbringen, beengte Wohnverhältnisse, zu wenige Geräte, langsames Internet oder Eltern, die nicht wissen, wie sie neben der Arbeit ihre Kinder betreuen sollen eintreten. „In diesen Fällen wird die Situation psychisch schon sehr belastend. Nutzen Sie uns Lehrer und die Direktoren als Ansprechstelle“, fordert Kolinsky auf. Das Distance-Learning könne auch eine Bereicherung sein. „Allerdings tun mir die Kinder und Jugendlichen schon sehr leid, denn Schule soll ja auch Spaß machen und da gehört es dazu, dass man beisammen ist und vor Ort auch den Schmäh am Laufen hält.“

Gerhard Schenk, Direktor der Höheren Lehranstalt und Fachschule für wirtschaftliche Berufe, sagt zur aktuellen Situation: "Besser organisierte Schüler lernen im Homeschooling leichter. Die anderen lernen jetzt die Selbstorganisation. Allen gemeinsam fehlt natürlich der soziale Kontakt." Tage der offenen Tür haben bereits stattgefunden. Auch eine virtuelle Schulführung kann man sich auf der Schul-Homepage ansehen.

 

Oberstufe kann Schularbeiten abhalten 

Auch HAK Direktor Manfred Schnabl spricht von den fehlenden sozialen Kontakten. Er ist aber froh, dass in der Oberstufe die Schüler zumindest für Schularbeiten in die Schule kommen können. „Es gibt auch die Möglichkeit, Schüler in Gruppen zur Vorbereitung in die Schule zu holen, aber das machen wir selten“, erzählt Schnabl. Der Onlineunterricht könne aber auf Dauer den Präsenzunterricht nicht ersetzen, was sich in der Qualität doch bemerkbar mache. Für alle an einem Einstieg in die HAK Interessierten wurden übrigens Online-Infotage abgehalten.

Am Zwettler Gymnasium gibt es am 20. Jänner einen Online-Infoabend. Wie Direktor Wolfgang Steinbauer erwähnt, wird es dabei unter anderem eine virtuelle Schulführung geben. Eltern können zudem direkt Fragen stellen. Der Infoabend für Volksschüler beginnt um 18 Uhr, jener für Mittelschüler um 18.30 Uhr, einsteigen kann man über die Homepage.

Das Homeschooling funktioniere am Gymnasium gut. „Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn wir mit der Unterstufe wieder beginnen hätten können“, meint Steinbauer. Die eine oder andere Schularbeit sei doch ausgefallen, denn während man die Oberstufe dazu in die Schule holen kann, ist das bei der Unterstufe nicht der Fall. So müsse man bei der Notengebung teilweise Abstriche machen beziehungsweise mehr auf die abgegebenen Aufgaben achten. Für das nächste Semester hofft Steinbauer auf die Selbsttests, die vorerst einmal pro Woche angedacht sind. Dafür gibt es auch ein Erklärvideo des Bundesministeriums. „Natürlich ist der Test freiwillig“, erwähnt Steinbauer, dass sich wohl nicht alle testen lassen werden.

Einzelführungen für angehende Schüler

An der Landwirtschaftlichen Fachschule Edelhof ist jeden Tag eine Klasse für Praxisunterricht beziehungsweise Prüfungen an der Schule, wie Direktorin Michaela Bauer erzählt. Dabei sind die Klassen nochmals in drei Gruppen geteilt. Bauer erwähnt: „Wir sind mit FFP2 Masken gut ausgestattet worden. Die tragen alle, auch in den Klassen.“ Ein Vorteil ist natürlich auch, dass viel Praxis draußen stattfindet. An den anderen Tagen gibt es vormittags vier Stunden Online Unterricht und Aufgaben für die Nachmittagsstunden. Sollte das Hochladen nicht funktionieren, können diese auch am Praxistag abgegeben werden. Die Eltern und Schüler seien mit diesem Modell auch sehr zufrieden. Auch in Edelhof findet man für einen Schuleinstieg Infos auf der Homepage und Social Media. „Ich mache auch Einzelführungen, wenn man anruft und sich einen Termin ausmacht“, betont Bauer. Die Anmeldung erfolgt wie gewohnt in den Semesterferien. Das Sekretariat ist besetzt, oder man schickt die Anmeldung.

Technik bereitet manchmal Probleme

Direktorin Andrea Neuwirth berichtet, dass das Homeschooling an der Mittelschule Groß Gerungs gut funktioniere. Man habe sich mittlerweile schon etwas daran gewöhnt. „Die Schüler bekommen zu Wochenbeginn einen Plan und arbeiten täglich ihre Aufgaben ab. Über Teams können sie auch jederzeit bei den Lehrern nachfragen“, erzählt Neuwirth. Zwischendurch gibt es zudem Videokonferenzen. Natürlich sind auch immer wieder Kinder in Betreuung „Es sind etwas mehr als in den letzten Lockdowns“, sagt Neuwirth. Für zukünftige Schüler finden sich alle Infos auf der Homepage. Zudem ergehen Briefe an die Eltern der Volksschulen Etzen und Groß Gerungs.

Mit dem Unterricht müssen sich derzeit vor allem auch die Eltern beschäftigen. „Mittlerweile wird es mühsam“, meint Roswitha Haneder, Elternvereinsobfrau der Mittelschule Groß Gerungs. Bei vielen sei die fehlende Technik ein Problem. Meist sind in einer Familie mehrere Kinder im Homeschooling, wenn sie gleichzeitig Videokonferenzen haben und dann auch noch die Eltern von zuhause arbeiten wird es schon mal schwierig. Außerdem meint Haneder: „Nur am PC kann man nicht so gut lernen.“ So könnten teilweise nicht so viele neue Inhalte vermittelt werden. Zudem können Lehrer in der Schule auch ganz anders auf die Schüler reagieren. Stark leidet natürlich auch der praktische Unterricht. „Sie sind zwar brav zuhause, aber die Jugendlichen brauchen ihre Freunde“, sagt Haneder. An den Nerven zehre auch, dass man nicht weiß, wann es wieder normal weitergeht.

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