Corona-Erkrankte „hofft, dass es nicht schlimmer wird“. Die NÖN sprach mit einer an Covid-19 Erkrankten aus dem Bezirk Zwettl über ihre Symptome, ihre Ängste – und darüber, was sich seit dem Test im Alltag der Familie geändert hat.

Von Markus Füxl. Erstellt am 02. April 2020 (12:05)
Shutterstock/GlebSStock
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Im Bezirk Zwettl haben sich mit Stand 30. März 25 Menschen mit dem Covid-19-Virus angesteckt. Die NÖN hat mit einer 46-jährigen Betroffenen, die positiv getestet wurde, telefoniert. Auf Wunsch nach Anonymität wird sie im Interview als „Frau L“ bezeichnet.

NÖN: Wie geht es Ihnen?

Frau L: Es geht mir eigentlich ganz gut. Ich habe Schmerzen im Rücken und im Bereich der Rippen, als wäre ich schlecht gelegen. Die Schmerzen sind aber nicht schlimm, es ist nicht spektakulär.

Wissen Sie, wie es zur Infektion gekommen ist?

L: Das kann ich nicht sagen. Ich hatte keinen wissenden Kontakt mit einem Infizierten und habe auch immer den nötigen Abstand gehalten. Seit den Ausgangsbeschränkungen war ich auch daheim, außer wenn ich arbeiten war.

Wie haben Sie gemerkt, dass es Ihnen schlecht geht? Haben sich die Symptome seit der Testung verändert?

L: Beim Schlafengehen am Sonntag habe ich erste Rückenschmerzen verspürt. Ich habe mir noch nichts dabei gedacht, weil wir am Wochenende Holz ins Haus geräumt hatten. Am Dienstag hatte ich zusätzlich Halsschmerzen. Auf Anraten meiner Chefin wurde ich getestet. Nach einem Tag hatte ich das Ergebnis.

Was war Ihre erste Reaktion auf das Ergebnis?

L: Ich war im ersten Moment sehr überrascht, weil ich nicht damit gerechnet hatte. Ich hatte ja keine typischen Symptome wie Atemnot, Fieber oder Husten. Dann kam vieles in Gang, meine Familie ist ja auch in Quarantäne. Das ist alles nicht so angenehm.

Auch Ihr Mann darf nicht mehr einkaufen – wie funktioniert die nötige Versorgung?

L: Aktuell haben wir noch genug Vorräte. Wir haben schon Angebote aus der Ortschaft bekommen, dass uns die Leute etwas vor die Tür legen, sollten wir etwas brauchen. Das ist kein Problem.

Wie hat Ihr Umfeld auf die positive Testung reagiert?

L: Natürlich sind alle besorgt und bestürzt. Sie haben mir viel Glück gewunschen und hoffen, dass ich schnell wieder gesund werde. Es gibt viel Hilfsbereitschaft und Verständnis.

Wie geht es Ihnen psychisch mit dem Ergebnis – worüber machen Sie sich aktuell Gedanken?

L: Ich frage mich ständig, ob ich in der Arbeit noch jemanden angesteckt habe, oder ob ich meine Familie noch anstecken werde. Natürlich fürchtet man auch, dass es noch schlimmer werden könnte. Bis jetzt schaut es aber gut aus. Man hofft, dass man nicht ins Krankenhaus muss.

Wie sieht das Familienleben aktuell aus: Leben Sie ganz normal mit der Familie zusammen, oder haben Sie einen abgetrennten Bereich?

L: Es gilt die Vorschrift mit einem Sicherheitsabstand von zwei Metern. Das ist aber nicht immer einzuhalten. Ich habe zwei Kinder, die müssen auch Hausübung machen. Die Schule gibt jetzt ziemlich Gas. Da muss ich dann den Kindern manchmal helfen, und zwei Meter sind dann einfach zu weit. Nach jedem Toilettengang desinfiziere ich, und ich achte darauf, dass ich ein eigenes Handtuch benutze.

Wie werden Sie medizinisch betreut? Nehmen Sie gerade Medikamente?

L: Ich nehme momentan keine Medikamente, auch nicht gegen die Schmerzen. Bis jetzt geht es auch ohne. Wenn ich medizinische Betreuung brauche, kann ich mich jederzeit an den Hausarzt oder an das Krankenhaus wenden.

Wie lange müssen Sie noch in Quarantäne sein, wie geht es weiter?

L: Ich muss insgesamt mindestens 14 Tage in Quarantäne sein. Später muss ich zwei Tage lang komplett symptomfrei sein, um getestet zu werden. Dann schauen wir, ob der Test negativ ist. Meine Familie wurde bisher noch nicht getestet.

Wie verbringen Sie aktuell den Tag zuhause?

L: Ich liege viel im Bett und lese. Neben dem Wäschewaschen achte ich darauf, möglichst wenig zu machen.

Halten Sie die Maßnahmen der Bundesregierung für gerechtfertigt?

L: Auf jeden Fall. Die Maßnahmen sind zum Schutz der älteren Menschen. Denen könnte der Virus wirklich das Leben kosten.