Mit der Drohne: Rehkitz-Rettung aus der Luft. Der Rudmannser Stefan Renk verwendet heuer vor dem Grünlandschnitt erstmals eine Drohne: Mittels Wärmebildkamera sucht er junge Rehkitze, damit er sie beim Mähen nicht verletzt.

Von Markus Füxl. Erstellt am 27. Mai 2021 (12:09)

Es ist fünf Uhr früh, die ersten Sonnenstrahlen streichen gerade über das Feld von Landwirt Stefan Renk in Rudmanns. Er verfolgt aufmerksam die Aufnahmen einer Wärmebildkamera, die über den Bildschirm im Kofferraum seines Autos huschen. Er ist auf der Suche, es geht um Leben und Tod.

Renk sucht mit einer Drohne Rehkitze, die sich vor dem Grünlandschnitt im hohen Gras verstecken. Immer wieder werden die Tiere bei den Feldarbeiten verletzt, meist mit tödlichem Ausgang: „Ich hatte voriges Jahr sieben kleine Rehe auf dem Gewissen“, seufzt Renk.

Einem Reh hat er unabsichtlich vier Beine abgemäht. Seine Frau und er brachten es in eine Wildtierauffangstation. Das junge Reh musste eingeschläfert werden. „Wir wollen heuer so ein Erlebnis vermeiden. Wir nutzen Technik in allen Lebensbereichen, also warum auch nicht zur Tierrettung“, erklärt Renk sein Vorhaben.

Unterstützt wird er dabei von Dominik Aigner. Der Martinsberger gründete im Februar seine Firma „Drone Services“. Neben Foto- und Videoaufnahmen, technische Inspektionen und Werbevideos aus der Luft bietet er seine Drohnenflüge mittlerweile auch für Land- und Forstwirte an. „Ich beschäftige mich seit meiner Kindheit mit dem Modellflug. Diese Liebe hat mich zu dieser einzigartigen Idee gebracht“, erklärt er.

8.000 Euro für eine Drohne

Insgesamt hat er zwei Drohnen im Gepäck, eine kostet etwa 8.000 Euro. Mit vier Akkus kann er insgesamt zweieinhalb Stunden fliegen. Aigner steuert die Drohne mit einer Fernbedienung inklusive kleinem Bildschirm. Die Bilder werden auch auf einem größeren, geteilten Bildschirm angezeigt: Einmal als normale Aufnahme, einmal als Wärmebild. „Das Interesse ist groß, mich haben schon viele Leute angerufen. Die meisten von ihnen sind Bauern und selbst betroffen“, erklärt Aigner.

Plötzlich wird es ruhig: Ein heller Fleck leuchtet zwischen dem Gras. Die Drohne sinkt von 50 Metern Höhe auf wenige Meter über dem Erdboden. Die Umrisse werden deutlicher, der weiße Fleck streckt zwei lange Ohren aus und hoppelt davon – falscher Alarm, es war nur ein Hase. Der Drohneneinsatz über dem zwölf Hektar großen Areal bleibt ohne Rehkitz-Sichtung. „Auch wenn wir diesmal kein einziges Kitz zu sehen bekamen, war für mich die Aktion ein voller Erfolg. Wir können nun mit gutem Gewissen mit der Ernte beginnen“, sagt Renk.