Zwettler FF-Spitze: „Fahren & auf grünes Licht warten“. Die Spitze der Zwettler Feuerwehr im NÖN-Gespräch über Herausforderungen von 2020 und der schwierige Blick in die Zukunft.

Von Markus Füxl. Erstellt am 16. Januar 2021 (04:12)
Feuerwehrkommandant Gerhard Wührer und Stellvertreter Matthias Hahn zogen mit der NÖN ein Fazit über das Einsatzjahr 2020.
Markus Füxl

NÖN: Wie hat sich das Jahr 2020 für euch von anderen Jahren unterschieden?

Gerhard Wührer: Es hat bereits im März begonnen, wir mussten den Wissenstest für die Feuerwehrjugend und alle montäglichen Übungen absagen. Ab dem Sommer konnten wir wieder Übungen in kleinen Rahmen abhalten. Im September ging es dann wie im Frühjahr weiter, alle Veranstaltungen waren abgesagt. Gerade der Heurige wäre größer geplant gewesen, auch auf das Ferienspiel und den traditionellen Punschstand mussten wir verzichten.

Matthias Hahn: In einer Feuerwehr ist die Kameradschaft sehr wichtig. Dieses Zwischenmenschliche hat heuer gelitten.

Auch finanziell dürfte die Feuerwehr mit Einbrüchen zu kämpfen gehabt haben?

Wührer: Uns trifft die Kürzung der Subventionen für die Feuerwehren sehr hart. Unser Vorausfahrzeug wird 41 Jahre alt, da ist eine Neuanschaffung notwendig. Nachdem es für die Gemeinde voraussichtlich schwierig wird, das Fahrzeug zu finanzieren, wird die Anschaffung des neuen Vorausfahrzeuges sicher noch länger dauern. Ich hoffe, dass unser Fahrzeug noch durchhält.

Hahn: Man versteht die Gemeinde, aber wir sind eine Rettungsorganisation, bei der es um Menschenleben und Existenzen geht, das darf man nicht vergessen. Dieses Fahrzeug ist dafür enorm wichtig.

Welche Veranstaltungen oder Investitionen wären für 2021 geplant gewesen?

Hahn: Wir wissen leider nicht, ob es 2021 ein Feuerwehrfest geben wird. Ich gehe nicht davon aus. Wenn es doch stattfinden soll, müssten wir schon bald eine Band buchen. Auch Bewerbe wird es ziemlich sicher noch keine geben. Im Moment fahren wir weiter unsere Einsätze und warten, dass es gelbes oder grünes Licht gibt, um wieder mehr machen zu können. Auch dass wir neue Mitglieder in die Mannschaft einbringen, ist in der Coronazeit nicht leicht. Ein zweites Jahr in dieser Form wird sehr mühsam.

Seit 2020 gibt es in Zwettl auch eine neue Kinderfeuerwehr – wie verlief der Start?

Hahn: Die Kinderfeuerwehr wurde im September gegründet, im Oktober gab es noch ein erstes Treffen. Ab November gab es auch diese Treffen nicht mehr.

Wührer: Unsere zwei Betreuerinnen sind sehr bemüht und haben sich für die Kinder einiges einfallen lassen. So gab es etwa Boxen mit Material für die Kinder und Weihnachtsgeschenke.

Welche Herausforderungen gab es 2020 im täglichen Einsatzalltag?

Wührer: In der ersten Phase haben wir unsere Mitglieder in drei Gruppen eingeteilt. Auch im zweiten Lockdown haben wir die Kameraden in Gruppen für Tag und Nacht eingeteilt, das hat sich gut bewährt. Wir hatten dann auch schon entsprechende Erfahrungen aus dem Frühjahr gesammelt.

Hahn: Im zweiten und dritten Lockdown waren wieder alle in der Arbeit, das ist ein großer Unterschied zu März. Wir haben jetzt ein paar „Winterstempler“ und ein paar Studenten, die untertags da sind, aber wir sind auf unsere Stammmannschaft „zurückgeschrumpft“. Es ist aber toll, wie unsere Mannschaft seit Beginn an mitgezogen ist. Das Thema Corona ist auch für uns nicht leicht. Wir sind natürlich immer wieder in Berührung mit dem Virus gekommen, das streift natürlich auch eine Feuerwehr mit 113 Leuten.

Gab es durch die Lockdowns weniger Unfälle und damit auch weniger Einsätze als 2019?

Hahn: 2020 war eigentlich ein normales Einsatzjahr, das aber eben unter erschwerten Bedingungen. Das Tragen der Maske und das Desinfizieren der Autos nach einem Einsatz frisst natürlich Zeit. Wir hatten mehr technische Einsätze als noch 2019, die Brandsicherheitswachen waren aber extrem rückläufig: 2019 hatten wir 37, 2020 lediglich vier. Auch die Fehlalarme haben sich halbiert. 2020 hatten wir mehr Einsatzstunden insgesamt als 2019. Da spielt natürlich auch der Sturm im Februar eine Rolle, das war der stärkste Einsatztag mit um die 20 Einsätze. 2020 gab es auch wieder viele schwere Unfälle, darunter sechs Verkehrsunfälle mit Menschenrettung sowie eine Person unter einem Baum. Leider gab es auch zwei Tote.

Wührer: Insgesamt kommen wir 2020 auf 264 Einsätze. Das alles absolvieren wir auf freiwilliger Basis!